Gräfelfing:Kunst mit Freund Baum

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Gräfelfing: Für die Kunstaktion arbeiteten die Kinder mit Naturmaterialien.

Für die Kunstaktion arbeiteten die Kinder mit Naturmaterialien.

(Foto: Schule der Phantasie)

Die Schule der Phantasie arbeitet mit Mittelschülern im Wald und gestaltet eine Ausstellung.

Von Flavia Klingenhäger, Gräfelfing

Wie atmet ein Baum? Wie erinnert sich der Mensch an die Geschichten der Bäume? Was und wie sieht eine Eiche, was wir Menschen nicht in der Lage sind zu sehen? Mit diesen und ähnlichen Fragen haben sich die Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse der Mittelschule Lochham in den vergangenen Wochen zusammen mit der "Schule der Phantasie Gräfelfing" künstlerisch auseinandergesetzt. Das Ergebnis dieses künstlerischen Prozesses war im Ideen-Reich der Gemeindebücherei Gräfelfing zu bestaunen. Die Ausstellung der sechsten Klasse sei Teil eines landesweiten Projekts zum Schwerpunkt "Kultur und Klima - den kulturellen Wandel gestalten", erklärt Lilli Plodeck, Gründerin der Schule der Phantasie. Ausgangspunkt für das aktuelle Projekt war eine Aktion vom letzten Jahr, als die Schule anlässlich des 100. Geburtstages von Künstler Joseph Beuys eine Eiche gepflanzt hatte. Die Aktion sollte an Beuys berühmtes Kunstwerk "7000 Eichen - Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" in Kassel erinnern.

Die Schule der Phantasie in Gräfelfing macht es sich seit mehr als 30 Jahren zum Ziel, Kindern zwischen fünf und 15 Jahren einen Zugang zu Kunst und künstlerischem Arbeiten zu bieten. Dank der Förderung der Gemeinde Gräfelfing sei dies kontinuierlich möglich, so Geschäftsführerin Plodeck, auch in Zeiten von Inflation und Energiekrise. "Ich bin, genau wie meine Kollegen, sehr dankbar, dass wir schon so lange Raum für Kunst von Kindern schaffen dürfen," erzählt sie. Dass Kinder sichtbarer werden und im öffentlichen Raum existieren können, sei nämlich die Hauptmotivation hinter allen Projekten der Schule der Phantasie. "Die Welt ist so, wie sie ist, nicht besonders kinderfreundlich und das möchten wir ändern, indem wir den öffentlichen Raum bewusst als Präsentationsfläche für die Kunst von Kindern nutzen", betont sie. So sei zum Beispiel eine Unterführung in Gräfelfing in der Vergangenheit für ein halbes Jahr zur Leinwand für junge Künstler geworden.

"In jedem Kind steckt ein kleiner oder großer Künstler"

Für das Projekt "Blätterwärme, Wurzelrauschen" ist es das Waldstück nahe der Mittelschule Lochham, das die Kunst der Kinder beherbergt hat: Sie haben, in Anleitung von Lilli Plodeck und ihrer Lehrerin Gabriela Marko, verschiedene Naturmaterialien zu kleinen Kunstwerken verwandelt und diese im Wald aufgestellt. Nach und nach sei aus Fotos dieser Kunstwerke, aufgenommen über mehrere Vormittage, ein Fotobuch entstanden, erzählt Plodeck. "In diesem Werkstattbuch wird deutlich, dass jedes Kind eine ganz eigene Beziehung zu den verschiedenen Bäumen aufgebaut hat und genau das ist das Schöne," freut sie sich, "das Projekt bietet wirklich viel Freiraum für die persönliche Begegnung mit der Natur." Nach und nach gesellten sich Geschichten zu den ersten Beobachtungen und wurden im Anschluss an die Vormittage im Wald, in den Werkstatträumen der Schule der Phantasie mithilfe verschiedener Materialien und Techniken ausgearbeitet.

Plodeck bekräftigt, wie wertvoll es ist, dass durch die Zusammenarbeit mit der Mittelschule Lochham alle Kinder einen Zugang zu künstlerischem Schaffen finden und sich selbst als künstlerisch erleben können. "Sich mit Kunst zu beschäftigen ist ein riesiges Privileg, zu dem nicht alle Kinder Zugang haben - es haben einfach nicht alle Eltern die Kapazität dafür." Genau da komme die Schule der Phantasie ins Spiel, sagt Plodeck, denn sie haben genau diese Kapazität. "In jedem Kind steckt ein kleiner oder großer Künstler, und unsere Aufgabe ist es, diesen hervorzulocken."

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