Garching Foulspiele ums Stadion

Umkämpftes Terrain: Auch Türk Sport Garching möchte von der Stadionvermarktung profitieren. Hier kicken die Regionalligafußballer des VfR.

(Foto: Claus Schunk)

Hat der Bürgermeister dem FC Türk Sport eine Zusage für ein Vereinsheim und Werbeeinnahmen gegeben? Gruchmann dementiert. Die Fußballer fühlen sich daraufhin "verarscht".

Von Gudrun Passarge, Garching

Es steht Aussage gegen Aussage. Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) nutzte am Donnerstagabend den Stadtrat, um ein paar Worte über die Angelegenheiten des FC Türk Sport zu verlieren. Gruchmann stellte dort Einlassungen der Vertreter von FC Türk Sport im Münchner Merkur als "nicht richtig" dar. Dort hatte Hasan Celik über ein Vereinsheim und die Vermarktung des Stadionnamens gesagt, der Bürgermeister habe dem Verein "eine 100-prozentige Zusage gegeben". Zu Gruchmanns Dementi im Stadtrat sagte der Vorsitzende des FC Türk Sport am Freitag: "Der Bürgermeister spricht mit gespaltener Zunge."

Unstrittig ist, dass ein Gespräch stattgefunden hat. Gruchmann berichtete dem Stadtrat von einer "sehr fordernden, gereizten Stimmung". Ihm sei "regelrecht gedroht" worden. Anlass war der Ärger des FC Türk Sport darüber, dass der VfR Garching das Stadion alleine vermarktet. Das sei eine indirekte Subventionierung des Vereins. Der FC möchte seinen Anteil am Kuchen und fordert eine prozentuale Beteiligung oder die Möglichkeit, selbst Werbeeinnahmen zu generieren.

Laut Celik wollten weder der VfR noch der Bürgermeister mit dem FC reden. Der VfR habe nur 1000 Euro angeboten, dafür hätte der FC auf alle Rechte verzichten sollen. Erst auf eine E-Mail, der FC behalte sich rechtliche Schritte vor, habe es ein Treffen mit dem Bürgermeister gegeben. Dort habe Gruchmann zugesagt, dass der FC ein Vereinsheim bekomme, wenn das Dach ausgebaut wird. Der Fußballverein mit den 245 Mitgliedern wünscht sich schon lange ein Vereinsheim, auch um eine Jugendarbeit aufzubauen. Nachdem der FC Hochbrück ein Vereinsheim bekommen habe, sei man der einzige Fußballverein im Ort ohne feste Bleibe. Zudem habe der Bürgermeister gesagt, man könne einen Sponsor fürs Stadion suchen.

Gruchmanns Schilderung sieht anders aus: "Ich habe nicht gesagt, der FC Türk Sport hat nächstes Jahr sein Vereinsheim." Der geplante Umbau des Stadiondachs mit Toiletten, Räumen für die Polizei und eventuell auch mit Räumen für den FC Türk Sport könne in ein oder auch in zwei Jahren kommen. "Und ich habe immer betont, dass so etwas im Stadtrat entschieden wird."

Unterschiedliche Darstellungen gibt es auch zur Garage, die der FC Türk Sport auf dem Gelände nutzt. Gruchmann zufolge lagert der Verein dort auch Lebensmittel, "da sind jetzt die Ratten drin". Celik widerspricht: "Wir bewahren da keine Lebensmittel auf", höchstens Getränke und Trainingssachen. Mäuse oder Ratten hätten aber schon mehrere Male Trainingsjacken und Kartons angefressen.

Bei der Nutzung des Stadionnamens bedauert Gruchmann das "Durcheinander". Der Bürgermeister findet es aber "schon ein bisschen komisch", dass der FC Türk Sport einen Rechtsanspruch ableitet, obwohl er nur ein oder zweimal im Jahr im Stadion spiele. Der Bürgermeister räumt aber ein, "vielleicht ein bisschen unvorsichtig" gewesen zu sein, wenn er gesagt habe, er wolle alle Vereine gleich behandeln. "Aber ich habe nicht gesagt, der FC kann den Namen vermarkten." Er habe die Hoffnung, dass möglichst alle Vereine letztlich zufrieden sind. Hasan Celik jedoch ist verärgert über Gruchmann. Der FC-Vorsitzende behauptet über den Bürgermeister: "Er stellt die Tatsachen so hin, wie er sie haben möchte. Wir fühlen uns verarscht." Und das schon seit 35 Jahren. Denn so lange wünscht sich der Verein eine Bleibe.