Forschung:Fast wie im All

GARCHING: Satellitentechnik-Gruppe der TU München testet eigenen Satelliten mittels Stratosphärenballons

Der Prototyp eines Satelliten wurde an einem Ballon befestigt und in die Stratosphäre geschickt.

(Foto: Leonhard Simon)

Garchinger Studierende werten Test eines Satelliten-Prototyps als Erfolg

Von Yannik Schuster, Garching

Studierende der TU München haben einen Satelliten-Prototyp entwickelt und in der Stratosphäre getestet. Das sogenannte Move-Team - das Akronym Move steht für "Munich Orbital Verification Experiment" besteht aus rund 70 Studentinnen und Studenten unterschiedlicher Fakultäten. Der Satellit "Move III" ist bereits das vierte Forschungsobjekt, das es ins All schießen will. Zwei vorangegangene Satelliten befinden sich dort noch voll funktionsfähig.

Mithilfe eines Ballons wurde am Samstagmorgen am Garchinger Campus der Technischen Universität München erst einmal ein Prototyp in die Stratosphäre befördert. Dabei handelt es sich um sechs Einheiten eines sogenannten Cubesats, eines kleinen Würfelsatelliten. "Den Satelliten-Prototyp mittels eines Stratosphärenballons auf eine Höhe von über 30 Kilometer zu bringen, stellt aufgrund der dort herrschenden weltall-ähnlichen Bedingungen die beste Möglichkeit dar, ihn bereits vor der Beförderung ins All im Einsatz zu testen", erklärt Matti Ukkola, studentischer Leiter von Move.

Nachdem der erste Test im Juni dieses Jahres als Erfolg verbucht wurde, sollten nun erneut die fast vollständig überarbeiteten Systeme des Satelliten getestet werden. Der Prototyp sammelte in 34 Kilometern Höhe Daten und nahm mit der eingebauten Kamera Bilder vom Flug über München und Garching auf. Diesmal neu: Ein Kommunikationsmodul der Firma Ororatech sendete alle fünf Minuten die GPS-Daten des Prototyps. Beim letzten Test im Juni musste noch auf eine externe GPS-Lösung zurückgegriffen werden.

Etwa 100 Minuten nach dem Start platzte der Ballon wie geplant in einer Höhe von 34,4 Kilometern, woraufhin dieser, gebremst durch einen Fallschirm, wieder Richtung Erde flog. Nach einer gesamten Flugdauer von rund fünf Stunden landete er dann, geschützt in einer Styropor-Gondel, in einem Feld bei Schnaitsee im Landkreis Traunstein. Das Bergungs-Team hatte in der Woche zuvor täglich den voraussichtlichen Landeort simuliert. Mit Hilfe der Simulationen und der vom Satelliten gesendeten Live-Positionsdaten konnte der Prototyp dann unbeschadet wieder geborgen werden. Selina Weber, studentische Leiterin von Move, sagt: "Insgesamt verlief der Ballon-Launch ziemlich erfolgreich. Denn ein erster Blick auf die während des Fluges gesammelten Daten zeigt exakt die Sensordaten, die wir uns erhofft haben."

Move III, der bereits seit mehr als zwei Jahren entwickelt wird, wird Ende 2024 oder Anfang 2025 ins All geschossen. Bis dahin sind halbjährliche Tests geplant. Der Satellit soll Messungen von Submillimeter-Weltraummüll und Mikro-Meteoridenpartikeln anstellen. Die Daten sollen dann helfen, bestehende Weltraummüll-Modelle zu verbessern.

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