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Unterföhring:Nummer eins in Erdwärme

Die bestehende Geothermie-Anlage in Unterföhring ist erweitert worden.

(Foto: Catherina Hess)

In Unterföhring ist erstmals eine bestehende Geothermie-Anlage um zwei Bohrungen und eine Energiezentrale erweitert worden. Das Erdwärme-Heizwerk liefert nun 22 Megawatt ist damit das leistungsstärkste in Deutschland.

Von Sabine Wejsada

Ein deutschlandweit bislang einmaliges Projekt ist erfolgreich abgeschlossen worden: In Unterföhring hat der örtliche Wärmeversorger Geovol den Probelauf der zweiten Energiezentrale beendet und sie feierlich in Betrieb genommen. Mit nun insgesamt 22 Megawatt geothermischer Wärmeleistung ist die Anlage die leistungsstärkste ihrer Art in ganz Deutschland. Die erste Energiezentrale schaffte zehn Megawatt.

"Auf solche Töchter kann man stolz sein", sagt der Bürgermeister

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatten die Unterföhringer mit den Bohrarbeiten für eine zweite Dublette begonnen und damit Neuland betreten: Noch nie zuvor war in Deutschland eine bereits bestehende Geothermieanlage mit zwei neuen Bohrungen und einer zweiten Energiezentrale erweitert worden. "Wir sind umso glücklicher, dass alles gut gegangen ist und wir das Projekt nach nur zwei Jahren erfolgreich abschließen konnten", sagte Geovol-Geschäftsführer Peter Lohr. Und der Unterföhringer Bürgermeister Andreas Kemmelmeyer (Parteifreie Wählerschaft, PWU) war beeindruckt: "Auf solche Töchter kann man stolz sein", sagte der Rathauschef bei der Einweihung.

Wasser marsch! Bürgermeister Kemmelmeyer (links) mit Peter Lohr und Ulrich Huber von Geovol.

(Foto: privat)

Die Gäste konnten sich bei einer Führung einen Eindruck davon verschaffen, wie viel Technik in dem 66 Meter langen neuen Bauwerk im Nordosten Unterföhrings versteckt ist: So finden sich neben Geothermie- und Netzpumpenraum sowie den Anlagen zur Netzdruckhaltung und Filterung auch zwei große Blockheizkraftwerke mit je 600 Kilowattstunden Leistung. Dadurch wird die Geovol zukünftig einen Großteil des für die Tiefpumpen verbrauchten Stroms selbst erzeugen können.

Die Erdwärme wird auch zur Kühlung verwendet

Auch die Raumkühlung ist von sofort an selbst gemacht: Dank der sogenannten Adsorbtions-Maschinen kann die tiefe Erdwärme jetzt auch in Kälte zur Raumklimatisierung umgewandelt werden. Darüber hinaus beherbergt das neue Gebäude über einen großzügig ausgelegten Konferenzraum, in dem Schulungen, Workshops und Kundengespräche stattfinden sollen, aber auch Veranstaltungen für die örtliche Bevölkerung angeboten und die jährlich über 50 Besuchergruppen empfangen werden.

Geovol

Die Geovol Unterföhring GmbH wurde am 3. September 2007 als einhundertprozentige Tochtergesellschaft der Gemeinde Unterföhring gegründet. Sie fungiert als Erschließungs- und Betreibergesellschaft für das Geothermieprojekt Unterföhring. Die Geovol stellt als heimischer, kommunaler Energieversorger bereits jetzt einen großen Teil der in der Gemeinde benötigten Heizwärme bereit. Von 2014 bis 2016 ist die bestehende Anlage um eine neue Dublette und eine zweite Energiezentrale erweitert worden. Insgesamt verfügt die Geothermieanlage in Unterföhring jetzt über eine geothermische Wärmeleistung von 22 Megawatt. Unterföhring hat mehr als 20 000 Tonnen Kohlendioxid durch die Nutzung der Geothermie eingespart, seit die Geovol im Herbst 2009 begonnen hatte, Wärme aus den Tiefen der Erde zu liefern.sz

Mit der neuen Energiezentrale ist das Unterföhringer Geothermieunternehmen gut gerüstet, um das eigene Fernwärmenetz weiter auszubauen. Nachdem bislang nur der nördliche Ortsteil geothermisch versorgt wird, kann nun bis spätestens 2020 auch das südliche Unterföhring vollständig für die Erdwärmelieferung erschlossen werden. Aber auch für die Bestandskunden ist die Inbetriebnahme der zweiten Energiezentrale von Vorteil, wie die Geovol mitteilt: Da die beiden Fernwärmekreise miteinander verflochten sind, kann bei Spitzenlasten oder dem Ausfall einer Zentrale die andere zeitweise die Wärmelieferung übernehmen.

Für Engpässe stehen zwei Gas-Heikessel bereit

Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, ist im Zuge der Anlagenerweiterung auch ein zweiter gasbetriebener Heizkessel mit 20 Megawatt Wärmeleistung eingebaut worden, der bei Engpässen blitzschnell einspringen kann. "Damit bieten wir eine Versorgungssicherheit, die jede Einzelheizung bei weitem übertrifft", sagte Peter Lohr nicht ohne Stolz. Bisher sind mehr als 2000 Haushalte und an die 50 Gewerbekunden am Ort an das Erdwärmenetz angeschlossen.

Die Gemeinde Unterföhring hat bislang mehr als 52 Millionen Euro in ihre Geothermieanlage und das Fernwärmenetz investiert. Angesichts der Notwendigkeiten einer Energiewende auch im Wärmebereich sei das gut angelegtes Geld, versicherte Bürgermeister Kemmelmeyer. Geschäftsführer Lohr rechnet damit, dass sich die Investition in ungefähr 16 Jahren amortisiert haben wird: "Dann wird auch der Kämmerer von Unterföhring endlich seine Freude an Geovol haben."

© SZ vom 01.03.2016/wkr

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