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Energiewende:Pullacher Geothermie schreibt schwarze Zahlen

IEP-Geschäftsführer Helmut Mangold freut sich über ein gutes Geschäft mit Energie aus Erdwärme.

(Foto: Claus Schunk)

Das gemeindeeigene Unternehmen erhöht seine Kapazität und erzielt erstmals einen kleinen Gewinn

Von Michael Morosow, Pullach

Wenn eisige Kälte übers Land hereinbricht, reibt sich Helmut Mangold die Hände - aus Freude darüber. Dann, so weiß der Geschäftsführer der Pullacher Geothermiegesellschaft IEP, bullern in beinahe jedem zweiten Haushalt in der Isartalgemeinde die mit Erdwärme gespeisten Heizungen und klimpert es in den Kassen des gemeindeeigenen Unternehmens. Die Freude über den warmen Geldregen und über die erfreuliche Entwicklung der Geschäftsdaten des Energieunternehmens teilt man auch im Gemeinderat, dem Zweiter Bürgermeister Andreas Most (CSU) in seiner Eigenschaft als IEP-Aufsichtsratsvorsitzender jüngst Zahlen und Daten des Jahresabschlusses 2019 vorstellte. "Wir können Wärmewende!", ist die Bilanz überschrieben. Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) sprach von einer Erfolgsgeschichte des Geothermieprojekts, auf die man stolz sein könne.

Angesichts der zügig voranschreitenden Erderwärmung blickt man bei der IEP jedoch mit etwas Sorge in die Zukunft. Wer fährt schon die Heizung hoch, wenn es draußen selbst in der sogenannten kalten Jahreszeit warm ist? "Wir können auch Kälte!", könnte der Titel über entsprechende Zukunftsvisionen der IEP lauten. Das Geothermieunternehmen, so erfuhren Gemeinderäte und Besucher, will sein Kältegeschäft ausbauen. Die Firma Linde ist bereits ein Abnehmer der mit Geothermie erzeugten Kälte für seine Liegenschaften im Ort, und die Klimatisierung des Pullacher Rathauses ist in Planung. Mittelfristig werde die IEP mit der Erzeugung von Kälte mehr Umsatz generieren als mit der Bereitstellung von Wärme, sagte Most. Dabei denke man an Unternehmen ebenso wie an Büroräume und langfristig auch an Haushalte. Bis letztere zum Zuge kommen, wird es indes noch eine Weile dauern. "Die Kühlanlagen sind immer noch viel zu groß, die Herstellung kleiner Anlagen ist technisch noch nicht möglich", sagte Most zur SZ.

Bis dahin wird sich die IEP auf die Erzeugung und den Verkauf von "Wohlfühlwärme aus der Tiefe" konzentrieren, was seit Jahren prächtig funktioniert. Er stelle jetzt "schöne Zahlen" vor, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende im Gemeinderat und begann mit der kleinsten Ziffer, die im IEP-Lager größte Freude auslöste: Erstmals in der Geschichte des Unternehmens konnte ein positives Betriebsergebnis erzielt werden, wenn auch nur in Höhe von 6000 Euro. Dafür ist die Bilanzsumme im Vergleich zum Geschäftsjahr 2018 um mehr als vier Millionen Euro auf 54,431 Millionen Euro gestiegen. Zufriedenheit herrscht auch über die Entwicklung der Wärmelieferung. Verbuchte die IEP 2013 noch 21 626 Kilowatt Anschlussleistung, ist diese bis 2019 auf 34 241 angestiegen. Im selben Zeitraum konnte das gemeindliche Tochterunternehmen seine Wärmeproduktion von 47,3 auf 74,5 Gigawattstunden erhöhen, mit einem Anteil der Geothermie von 95 Prozent und einem Ölanteil von fünf Prozent.

Der rasante Anstieg wichtiger Kennzahlen lässt nun auch die Ausbauziele der IEP näher rücken. Bereits für 2027 wird mit einer Anschlussleistung von 35 714 Kilowattstundengerechnet, was einer Abdeckung der Wärmeschlussleistung von 61 Prozent entspräche, womit erst im Jahr 2030 gerechnet wurde. Bereits im Jahr 2031 und damit um sieben Jahr eher als erwartet wird nach Darstellung des Unternehmens der Vollausbau mit einer Wärmeleistung von 48 Megawatt erreicht, was einer Abdeckung des Pullacher Wärmebedarfs von 69 Prozent entspräche.

Dass der Einsatz der alternativen Energie auf lange Sicht nicht nur finanzielle Vorteile hat, sondern auch ein Beitrag für saubere und gesunde Luft ist, verdeutlichte Andreas Most recht anschaulich. Alleine im Jahr 2019 habe dadurch rechnerisch jede Bürgerin und jeder Bürger 1,8 Tonnen CO₂ eingespart, was einer jährlichen CO₂-Aufnahme von zwölf Quadratkilometer Mischwald entspreche. Seit 2005 sind laut Most 130 000 Tonnen CO₂ eingespart worden. Anders gerechnet: Bislang sind durch die Nutzung der Tiefenwärme 4600 Tanklastzugfahrten in Pullach eingespart worden.

© SZ vom 17.11.2020

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