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Energiewende:Landrat wirbt für Bürger-Windräder

Die Möglichkeit finanzieller Beteiligung soll Akzeptanz erhöhen

Von Iris Hilberth, Brunnthal

Nach Ansicht von Landrat Christoph Göbel (CSU) ist für die Akzeptanz der geplanten Windenergieprojekte im Hofoldinger und Höhenkirchener Forst vor allem wichtig, dass sich die Bürger finanziell beteiligen können. Diesem Modell komme "sehr große Bedeutung" bei und es sei "entscheidend, ob Widerstände überwunden werden können", sagte er jüngst im Energie- und Umweltausschuss des Kreistags. Der Landrat betonte: "Ich würde mich immer dafür einsetzen, dass dieses Modell im Vordergrund steht."

Der Landkreis unterstützt derzeit die Prüfung der beiden Projekte, die vier Windenergieanlagen im Hofoldinger und drei im Höhenkirchner Forst vorsehen. Die Windräder sollen eine Gesamthöhe von 240 Meter haben, einen Rotordurchmesser von etwa 150 Meter und eine Nennleistung von etwa 1,5 Megawatt. Beteiligt sind über Arbeitsgemeinschaften jeweils die umliegenden Gemeinden und die betroffenen Landkreise, wobei der Landkreis München in Hofolding mit 45 Prozent dabei ist und damit bislang knapp 169 000 Euro aufgewendet hat. In Höhenkirchen ist er mit 25 Prozent beteiligt, hier liegt bislang noch keine Abrechnung vor.

Wie die Vertreterin des beauftragten Ingenieurbüro Sing erläuterte, läuft die Windmessung seit Dezember 2019 und die bisherigen Ergebnisse seien positiv, die Tendenz vielversprechend. Dieser Eindruck habe sich in diesem Sommer bestätigt. Die Daten seien ähnlich wie in Berg am Starnberger See, wo bereits Windkraftanlagen in Betrieb sind. "Windenergie kann in Südbayern durchaus sehr wirtschaftlich sein", sagte sie und verwies auf den neuesten Entwurf des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), nach dem in windärmeren Regionen ein Ausgleich gegenüber windstärkeren Gegenden geschaffen werden soll. Bis Dezember 2020 soll die Windmessung abgeschlossen sein, auch die Ergebnisse der artenschutzfachlichen Untersuchung sollen dann vorliegen. Unter anderem auf Hebebühnen waren die Waldgebiete an 18 Tagen jeweils sechs Stunden beobachtet worden, jetzt erfolgt noch die Kartierung der Großvögel, Eulen, Käuze und sämtlicher Brutvögel, Mäuse und Reptilien.

Fällt im ersten Quartal kommenden Jahres in den kommunalen Gremien eine positive Entscheidung zur Fortführung der Projekte, könnte frühestens Mitte 2022 eine Genehmigung erteilt werden und im Herbst der Bau beginnen. Noch gibt es den Vernehmen nach in Brunn- thal heftigen Widerstand gegen die im Forst geplanten Windräder. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) meinte zwar, man sei "auf einem guten Weg", doch sei noch "viel Überzeugungsarbeit zu leisten". Es werde viel Kritik geäußert, "teilweise mit Argumenten, da fällt man vom Glauben ab", sagte Kern in der Sitzung des Ausschusses.

© SZ vom 08.10.2020
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