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Energieversorgung:Es ist genug für alle da

Geothermie-Anlage "Laufzorn" in Oberhaching, 2017

Die Geothermieanlagen der Erdwärme Grünwald im Oberhachinger Gemeindeteil Laufzorn sind bereits mit denen in Unterhaching verbunden. Nun soll das Netz auch mit dem der Stadtwerke München verknüpft werden.

(Foto: Angelika Bardehle)

Die Erdwärme Grünwald und die Stadtwerke München streben einen Verbund ihrer Geothermie-Netze an. Sie wollen erreichen, dass bei Störungen nicht mehr auf fossile Brennstoffe zurückgegriffen werden muss.

Das Worst-Case-Szenario sieht folgendermaßen aus: Sowohl in Unterhaching als auch in Laufzorn fallen aufgrund technischer Probleme die Tiefenpumpen aus; dann wird keine Erdwärme mehr nach oben geliefert. Sorgen müssen sich die Bewohner der ans Fernwärmenetz angeschlossenen Haushalte in Grünwald und Unterhaching zwar keine machen, ihre Häuser werden auch in diesem Fall weiter beheizt - allerdings wird dann auf die "Reservekapazitäten" der Erdwärme Grünwald (EWG) zurückgegriffen, wie deren Geschäftsführer Andreas Lederle sagt. Und diese notwendigen Reserven bestehen derzeit noch aus Öl.

Eine Kooperation der gemeindeeigenen Tochter EWG mit den Stadtwerken München (SWM) könnte langfristig dabei helfen, selbst im Notfall nicht mehr auf fossile Ressourcen wie Öl angewiesen zu sein. Die beiden Unternehmen haben eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet, mit der einerseits die Versorgungssicherheit innerhalb der eigenen Fernwärme-Netze sowie deren weiterer Ausbau gewährleistet werden sollen.

Zudem planen die EWG und die SWM eine enge Kooperation, die eine Verbindung der Fernwärme-Netze beinhalten könnte, um etwa bei Wartungsarbeiten gegenseitig Wärme aus dem jeweils anderen Netz oder einer gemeinsamen Geothermieanlage beziehen zu können. Die technische Verknüpfung der beiden Fernwärme-Netze würde laut EWG-Geschäftsführer Lederle wohl östlich der Isar stattfinden, da der Fluss eine natürliche Grenze darstelle. "Aber wie so etwas umgesetzt werden könnte, das ist noch Zukunftsmusik und muss intensiv geplant werden", sagt Lederle. "Wie gesagt, es handelt sich derzeit um eine reine Absichtserklärung."

Verbindung könnten als Pilotprojekt verstanden werden

Der Absichtserklärung liegt allerdings ein derzeit laufender Prozess zugrunde, der den Ausbau der Geothermie im südlichen Landkreis massiv vorantreiben könnte. Bereits Anfang vergangenen Jahres haben die Erdwärme Grünwald, die Stadtwerke und die Innovative Energie für Pullach (IEP) in einem Claim südlich der Gemeinde Grünwald Thermalwasservorkommen untersucht; die Ergebnisse dieser umfangreichen Expertise werden in Kürze vorgestellt, heißt es seitens der EWG und der SWM. Dabei wird erwartet, dass sich zusätzliche, weitreichende Potenziale der Nutzung von Erdwärme ergeben könnten, die weit über die derzeitigen Netze in Grünwald und Unterhaching, die von der EWG betrieben werden, hinausreichen könnten.

Das Thema Vernetzung, sagt Geschäftsführer Lederle, sei ein "ganz großes Thema". Und die EWG fühle sich dabei auch als Vorreiter. Die bereits bestehende Verbindung zwischen Grünwald und Unterhaching könne dabei durchaus als "Pilotprojekt" verstanden werden, sagt Lederle: "Und mit diesem Projekt sind wir als EWG ganz weit vorne." Zwar schließt Lederle nicht aus, dass die EWG in Zukunft im Landkreis weiter wachsen könne, zunächst, sagt der Geschäftsführer, gelte der "Versorgungsauftrag" der EWG den Gemeinden Grünwald und Unterhaching. Und eine Kooperation mit den Stadtwerken und eine Vernetzung beider Fernwärme-Infrastrukturen könne bei diesem Auftrag auch helfen.

Bundesregierung soll Förderpolitik überdenken

Vor allem in der Stamm-Gemeinde Grünwald hat die Erdwärme den Ausbau des Netzes in den vergangenen Jahren intensiv vorangetrieben. Mittlerweile könne jeder Bürger seinen Haushalt an das bestehende Netz anschließen, sagt Lederle, und natürlich sei - wie auch bei den SWM in der Landeshauptstadt - langfristig das Ziel, einen Versorgungsgrad von 100 Prozent zu erreichen.

Um etwa auch im Landkreis München flächendeckend den Geothermie-Ausbau vorantreiben zu können, müsse allerdings die Bundesregierung ihre Förderpolitik überdenken, sagt Lederle. Es könne nicht sein, kritisiert er, dass nach wie vor der Bau eines Blockheizkraftwerks mit Erdgas stärker subventioniert werde als eine Geothermie-Anlage.