bedeckt München

Unterhaching:Historisches Trumm

Die Zehn-Kilometer-Säule soll nach Heimatpfleger Günter Staudter unter Denkmalschutz gestellt werden.

(Foto: Claus Schunk)

Geht es nach Heimatpfleger Günter Staudter, soll eine wegmarkierende Granitsäule im Ort, die genau zehn Kilometer vom Münchner Marienplatz entfernt ist, unter Denkmalschutz gestellt werden.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

An der Unterhachinger Hauptstraße, schräg gegenüber dem Kultur- und Bildungszentrum, dort wo die Marxhofstraße einmündet, steht eine kleine Granitsäule. Die meisten Unterhachinger gehen wohl achtlos an dem Ding vorbei. Und das wohl schon sehr lange. Wie lange genau, das weiß auch Heimatpfleger Günter Staudter nicht. Jedenfalls stammt die Säule aus einer Zeit, in der es weder Navigationsgeräte noch Autos mit Kilometerzählern gab. Deshalb steht die Säule genau zehn Kilometer vom Münchner Marienplatz entfernt. Bis Sauerlach - auch das kann man auf dem steinernen Pfeiler nachlesen - sind es elf Kilometer. Geht es nach Staudter, soll die Zehn-Kilometer-Säule jetzt unter Denkmalschutz gestellt werden.

Zumindest hat der Bauausschuss des Gemeinderats am Dienstag schon mal zugestimmt, beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege einen Antrag auf Aufnahme zu stellen. Staudter vermutet, dass die Säule gegen Ende des vorvorherigen Jahrhunderts hier platziert wurde. Denn 1872 wurde in Bayern wie im gesamten Deutschen Reich das Meter als Maß eingeführt. Das Topographische Büro, zuständig für die Vermessung Bayerns, war zwar bereits 1801 gegründet worden, doch damals wurden die Entfernung an Chausséen noch in Stunden angegeben und durch sogenannte Stundensteine und Stundensäulen markiert. Eine geometrische Wegstunde entsprach einer Stunde mit der Postkutsche, zwei Chausseestunden einer Chausseemeile. Das waren in Bayern 25 421,6 Fuß, also 7415,5 Meter. Als man nun von der Münchner Stadtmitte aus Richtung Südosten die zehn Kilometer festlegte, landete man mitten in Unterhaching. Gleich zweimal übrigens, wie Staudter bei der Studie einer alten Karte von 1942 herausfand. Gerade mal 80 Meter weiter östlich, wo die Marxhofstraße auf die Biberberger Straße trifft, muss eine weitere Zehn-Kilometer-Säule gestanden haben. Hier führte damals schon eine zweite Chaussée durch den Ort. Die dazugehörige 20-Kilometer-Säule steht übrigens bei Oberpframmern.

Der Einfirsthof "Beim Bauernschmied" ist denkmalgeschützt.

(Foto: Claus Schunk)

Während von der östlichen Unterhachinger Wegmarkierung heutzutage nichts mehr zu sehen ist, wurde die Säule an der Hauptstraße sogar vor ein paar Jahren frisch gestrichen. Dass das Trumm wirklich von etwa 1872 stammt, sei bislang nur reine Vermutung, gibt Staudter zu. "Da fehlt mir noch der Beweis", sagt er. Allerdings hat er sich darum bereits intensiv bemüht und sowohl beim Landesamt für Denkmalpflege als auch beim Vermessungsamt angefragt. Bislang wartet Staudter noch auf Antwort.

Auch das Kriegerdenkmal auf dem Unterhachinger Friedensplatz steht bereits unter Denkmalschutz.

(Foto: Claus Schunk)

Da nun wieder die Fortschreibung der Denkmalliste ansteht und die Gemeinde hierzu ihr Einvernehmen erteilen muss, war der richtige Zeitpunkt gekommen, auf die Säule aufmerksam zu machen. Unterhaching hat bereits eine ganze Reihe von Bauwerken auf dieser Liste stehen. Darunter ist etwa das Kriegerdenkmal und die alte Pfarrkirche St. Korbinian, auch der Bahnhof und die Villa Franziska sowie einige alte Bauernhöfe, "von denen aber nur noch einer im Original erhalten ist", bedauert Staudter. Dass die Aufnahme in die Denkmalliste aber nicht unbedingt einen Abriss verhindert, musste er vor zehn Jahren beim Straßmaier-Hof erleben.

Es gibt noch so einiges in der Gemeinde, was Staudter als so erhaltenswert einstuft, dass er es gerne unter Denkmalschutz stellen würde. Die Reste des alten Fliegerhorsts im Landschaftspark etwa sieht er als Industriedenkmal, aber auch der Bauhausstil des Fasanenparks verdiene Ensembleschutz. "Eine Nachqualifizierung war dringend notwendig", sagte Harald Nottmeyer, Beauftragter für Denkmalschutz in der Gemeinde und Mitglied der SPD-Fraktion in der Ausschusssitzung. "Wir sollten die historischen Orte auch erlebbar machen", regte Korbinian Rausch (CSU) an. Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD) versprach, dass man sich gemeinsam die Örtlichkeiten anschaut, sobald die Pandemie dies wieder zulasse.

© SZ vom 12.02.2021/hilb
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema