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Deininger Weiher:Von wegen alles im Fluss

Die Stauanlage am Deininger Weiher wurde erneuert. Bürgermeister Sienerth blickte am Mittwoch auf schwierige Zeiten zurück.

(Foto: Claus Schunk)

Eigentlich ist die Einweihung der Stauwehranlage am Deininger Weiher für die Gemeinde Straßlach-Dingharting ein Grund zur Freude. Doch Bürgermeister Hans Sienerth beklagt Widrigkeiten und der Wirt Umsatzeinbußen.

Alles fließt, auch wenn derzeit nur ein dünner Wasserfilm vom Deininger Weiher über die Stauwehrmauer gleitet. So sprach Hans Sienerth, Bürgermeister der Gemeinde Straßlach-Dingharting (parteifrei), bei der offiziellen Eröffnung der neuen Stauwehranlage am Mittwoch von einem freudigen Anlass.

Zu einer Jubelarie holte er freilich nicht aus, stattdessen stellte er unverhohlen fest, dass der Neubau die Gemeinde, ihn selbst und seine Rathauskollegen in jeder Hinsicht extrem beschäftigt habe und er von der Rolle enttäuscht sei, die das Landratsamt bei der gesamten Maßnahme gespielt habe. "Ich hätte mir erwartet, dass die Fachleute der Unteren Naturschutzbehörde beraten und sich nicht nachts zur Kontrolle heranschleichen und Beanstandungen schreiben", sagte Sienerth auf der Terrasse des Gasthauses Waldhaus.

Dass die Gemeinde selbst nur an wenigen Stellschrauben drehen konnte, fasste Sienerth in einem Satz zusammen: "Es wurde gebaut auf einem Grundstück, das der Gemeinde nicht gehört, mit Geld, das nicht von uns kommt und mit Auflagen, die wir nicht zu verantworten haben." Aber die Zuständigkeit für Fließgewässer dritter Ordnung liegt halt bei den Gemeinden.

Alarmstimmung rund um den Weiher

Dass der Neubau der Stauanlage dringend notwendig war, darüber gab es keinen Zweifel. Am 6. August 2017 war es, dass der Pegel des Weihers praktisch über Nacht um einen halben Meter abgesunken war und Alarmstimmung herrschte rund um den Deininger Weiher, der mitten im Landschaftsschutzgebiet "Südliches Gleißental" liegt. "Wenn der Weiher ausläuft, stellt dies eine Gefahr für das sensible Moor und die Kreuzottern dar, die zweitgrößte Population im südlichen Landkreis", wie Rathaus-Geschäftsführer Franz Gröbmair erläuterte. Eine Kamera-Befahrung förderte den Grund für den extremen Pegelabfall ans Tageslicht: Ganze Betonbrocken waren aus dem 100 Jahre alten Stauwehr herausgebrochen, "und es war nicht klar, wie lange das Wehr noch halten würde", begründete Gröbmair den Beschluss der Gemeinde gegen eine Sanierung und für einen schnellen Neubau.

Aus dem Gemeindesäckel musste dafür kein Cent entnommen werden, für die Baukosten steht der Erholungsflächenverein gerade, der den Weiher von den Besitzern, der Familie Greulich, gepachtet hat.

Dass laut Geschäftsführer Gröbmair die veranschlagten Baukosten in Höhe von 347 000 Euro eingehalten werden konnten, kann angesichts der Hindernisse, die sich dem Bauteam in den Weg gestellt hatten, verwundern. Der vorgegebene Zeitplan allerdings fiel ins Wasser. Bereits vor der Badesaison hätten die Mitte März begonnenen Arbeiten beendet sein sollen. Zuerst machte die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung, indem sie deren Antrag, den Weiher vorübergehend um einen halben Meter absenken zu dürfen, nicht stattgab.

So mussten Spundwände in den Boden getrieben werden, damit beim Ausheben der Baugrube nichts nachbricht. Alleine diese Maßnahme schlug mit 100 000 Euro zu Buche. Und zu allem Unglück waren die Spundwände zu hoch konzipiert, was sich in der Nacht auf den 21. Mai dieses Jahres als folgenschwer erweisen sollte: Während des Jahrhundertregens, der auch den Pegel des Deininger Weihers extrem ansteigen ließ, schwappte das Wasser auf die Terrasse, das Gasthaus drohte vollzulaufen, der Wirt musste abermals Alarm schlagen.

Es folgte ein Großeinsatz der Feuerwehren mit mehr als 100 Einsatzkräften. Die Hochleistungspumpe der Freiwilligen Feuerwehr München, die 50 000 Liter pro Minute aus dem Deininger Weiher befördern konnte, sowie eine Pumpe des ABC-Zugs München-Land, die 15 000 Liter schafft, verhinderten Schlimmeres. Außerdem mussten die Spundwände mit Trennschleifern und Schneidbrennern geöffnet werden.

Und schließlich erwies sich dann auch noch die Telekom als Hindernis, brauchte sie doch laut Gröbmair drei Monate, um ihre Kabel unter den Boden zu bringen. "Sie wurde erst tätig, als wir mit einer Vorstandsbeschwerde gedroht haben", erinnert sich der Geschäftsführer. Die dreimonatige Verzögerung konnte nicht mehr aufgeholt werden. Vor allen anderen war in diesem Sommer der Wirt des Waldhauses, Markus Tschurtschenthaler, Leidtragender.

Die Umsatzeinbußen heuer seien enorm gewesen, obwohl die Wasserqualität gestimmt habe, sagt er. Aber bei Baulärm schmeckt halt der beste Schweinsbraten nicht, selbst auf der wohl schönsten Terrasse im weiten Umkreis.

© SZ vom 26.09.2019/belo
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