Behördenärger:Stundenlanges Warten aufs Nummernschild

Grasbrunn, Neukeferloh, KFZ-Zulassungsstelle, wegen Personalmangels lange Wartezeiten,

Wer die Kfz-Zulassungsstelle in Neukeferloh besucht, muss Zeit und gute Nerven mitbringen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Wegen einer Krankheitswelle unter den Mitarbeitern der Kfz-Zulassungsstelle in Neukeferloh müssen Autofahrer seit Monaten viel Geduld mitbringen.

Von Nadine Schobert, Grasbrunn

Dienstag, 11.50 Uhr: Die Stühle in der Wartehalle der Kfz-Zulassungsstelle in Grasbrunn-Neukeferloh sind alle besetzt. Die Blicke der Leute, die dort sitzen, richten sich starr auf den Monitor, auf dem die Bearbeitungsnummern aufleuchten. Einige, die an diesem Vormittag ihr Auto zulassen wollen, laufen ungeduldig auf und ab, auch vor der Tür stehen Wartende, um Luft zu schnappen. In der Zulassungsstelle ist Geduld gefragt. Wer hier wartet, tut dies oft stundenlang - und so geht das schon seit einigen Monaten.

Emelie Koch aus Neubiberg etwa will nur schnell ihr Auto anmelden. Nach mehr als einer Stunde verlässt sie die Außenstelle des Landratsamts. "Es ging teilweise gar nicht vorwärts", sagt sie. Obwohl einige Schalter frei seien. "Ich bin seit kurz vor zehn da", sagt Jürgen Rotter aus Grasbrunn. "Wenn man einmal am Schalter ist, dauert alles nur fünf Minuten - aber bis man dort mal hinkommt!" Knapp zwei Stunden hat er warten müssen. "Das reicht!" Er ist froh, so bald nicht wieder herkommen zu müssen.

Die Grippe habe ihr Übriges getan

Anders Daniel Wilaszek. Er arbeitet bei einem Zulassungsdienst und verbringt aktuell bis zu neun Stunden am Tag in der Zulassungsstelle. "Ich habe um 7.30 Uhr 25 Zulassungen abgegeben", erzählt er. "Jetzt, vier Stunden später, wurde eine bearbeitet." Von 12 Uhr bis 13.30 Uhr schließt die Zulassungsstelle für die Mittagspause. Da muss dann jeder, der noch wartet, raus.

Was ist der Grund für die langen Wartezeiten? Die Pressestelle des Landratsamts verweist auf "personelle Engpässe". "Diese resultieren zum einen aus dem unglücklichen Zusammentreffen zahlreicher, langfristiger Krankheitsausfälle, zum anderen aus Abwesenheiten aufgrund von Mutterschutz, Ausbildungsblöcken und genereller Personalfluktuation", heißt es auf Nachfrage.

Zuletzt habe die Grippewelle ihr Übriges getan. Die Folge: "Es ist gerade nur die Hälfte des Personals anwesend." Der Nummernautomat wurde deshalb zeitweise außer Betrieb gesetzt. Nummern werden dann nur an der Information ausgegeben. "Damit soll vermieden werden, dass Kunden sehr lange warten und dann womöglich unverrichteter Dinge wieder nach Hause gehen müssen", teilt die Pressestelle mit. Wer dennoch sein Anliegen in Neukeferloh erledigen möchte, erhalte selbstverständlich eine Nummer. Es gebe aber keine Garantie, dass "die Vorsprache" noch am selben Tag möglich sei. Wer dieses Risiko nicht eingehen will, wird an andere Zulassungsstellen verwiesen, etwa in Miesbach, Rosenheim oder Starnberg.

Autohändler weichen auf andere Stellen aus

Wegen des Ärgers sah sich sogar Landrat Christoph Göbel (CSU) am Montag im Kreistag gezwungen, Stellung zu beziehen. "Das Problem ist ein unglaubliches Zusammentreffen von Krankheitsfällen", sagte er und sprach von einer "Katastrophe". Eine etwaige falsche Stellenbemessung sei nicht schuld. Mehr als tausend Krankheitsstunden seien heuer zusammengekommen. Demnach seien fünf von 15 Schalterbeamten kontinuierlich nicht da. "Das ist, klar gesagt, saublöd", so Göbel.

Das findet das auch Rita Klos. Sie ist Mitarbeiterin einer Firma, die direkt gegenüber der Zulassungsstelle Autokennzeichen prägt. Seit November verzeichnet das Geschäft einen starken Umsatzeinbruch. "Eigentlich ging das schon im März los", schildert sie. Seit zirka zwei Monaten sei die Lage extrem. "Ich stehe mir teilweise die Beine in den Bauch, weil so lange niemand kommt." Einige Autohändler seien bereits auf andere Zulassungsstellen ausgewichen. "Damit gehen uns wichtige Kunden verloren", sagt Klos. Schließlich könne es sich kein Händler leisten, einen Mitarbeiter fünf Stunden oder länger warten zu lassen.

Auch beim Schilderhersteller nebenan ist man sauer. "Die Leute fahren in andere Landkreise, das verursacht uns ein Umsatzproblem", sagt eine Mitarbeiterin. "Fünf, sechs Stunden Wartezeit - wo kommen wir denn da hin?" Donnerstags und freitags müssten Kunden besonders lange warten. Teilweise, hat die Mitarbeiterin beobachtet, stünden Leute daher schon um 6.30 Uhr, also weit vor Öffnung der Zulassungsstelle, vor der Tür.

Laut Pressestelle im Landratsamt wurden mittlerweile mehrere Kräfte neu eingestellt. Auch Mitarbeiter anderer Abteilungen setze man aushilfsweise ein. Sogar Zeitarbeitsfirmen wurden eingeschaltet. Aber deren Leiharbeiter müssten erst eingearbeitet werden, schränkt Landrat Göbel ein.

Wer die Zulassungsstelle in Neukeferloh in nächster Zeit trotz allem aufsuchen muss, hat aber Möglichkeiten, die Wartezeit zu verkürzen. "Ich habe online einen Termin gemacht", sagt Stefan Heine, der am Dienstag sein Fahrzeug in Grasbrunn umgemeldet hat. Nur zehn Minuten habe er deshalb warten müssen. Insgesamt 150 Termine wöchentlich können laut Pressestelle des Landratsamts im Internet unter www.buergerserviceportal.de vereinbart werden. Aktuell werde diese Möglichkeit nicht vollständig ausgeschöpft. Dabei sollte die Online-Lösung gerade jetzt heiß begehrt sein, denn "diese Termine werden selbstverständlich fest eingehalten", verspricht die Behörde.

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