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Baumschädling:"Sollten wir etwas finden, geht's quasi von vorne los"

Asiatischer Laubholzbockkäfer

Der Asiatische Laubholzbockkäfer ist im Münchner Osten fast besiegt.

(Foto: Landesanstalt für Landwirtschaft)

Seit 2015 bekämpft Gerhard Kraus den Asiatischen Laubholzbockkäfer in Neubiberg und Feldkirchen erfolgreich mit vorsorglichem Kahlschlag. Endgültige Entwarnung gibt er noch nicht.

Es ist ein kleiner Käfer von edler Gestalt: 3,5 Zentimeter groß, weiße Punkte auf dem schwarz glänzenden Rücken, lange Fühler. Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) tauchte vor sieben Jahren im Landkreis München auf - und versetzte Politik, Bürger und Behörden in Aufregung. Denn das Insekt - wohl mit Holzpaletten eingeschleust - ist ein Baumschädling, dem nur durch massive Maßnahmen beizukommen ist. Soll heißen: vorsorglicher Kahlschlag, um dem Tier die Lebensgrundlage zu entziehen. Mehrere tausend Bäume waren es in Feldkirchen, in Neubiberg wurden gut 1200 Gehölze umgesägt. Auch in Riem und in Waldperlach waren Bäume befallen. Doch um den kleinen Krabbler ist es still geworden. Zeit also, bei Gerhard Kraus nachzufragen, was los ist. Der 61-Jährige ist seit 2015 als Gebietsbetreuer der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für die immer noch bestehende ALB-Quarantänezone Neubiberg-Waldperlach zuständig.

SZ: Schon länger ist es ruhig um den Asiatischen Laubholzbockkäfer. Hat er sich versteckt oder hat er sich verzogen?

Gerhard Kraus: Das kann ich so nicht beantworten. In den Befallsgebieten ist er durch die Fällung der Gehölze bekämpft worden. Ansonsten haben wir jetzt dreieinhalb Jahre intensiv gesucht und nichts mehr gefunden, also auch keine weitere Ausbreitung festgestellt. Wir müssen nun durch kontinuierliches intensives Monitoring beobachten, ob nicht doch noch einer herumkrabbelt.

Es wurde ja befürchtet, der Käfer ist auf dem Sprung in den Englischen Garten - und dass dort ein ähnlicher Kahlschlag droht wie in Feldkirchen oder Neubiberg.

Das war damals überzogen. Es hieß ja, der Käfer sitzt vor den Toren der Stadt und startet gleich seinen Angriff. Der Käfer war an den einzelnen Punkten, an denen er gefunden wurde. Er ist sehr flugträge. Der Asiatische Laubholzbockkäfer vermehrt sich sehr langsam, eine Generation entwickelt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren. Die Lage war damals insofern glücklich, als die Ausbildung einer Population erst begonnen hatte, wir also gerade noch rechtzeitig den Käfer bekämpfen konnten.

Wie viele dieser Viecher mit den langen Fühlern haben Sie gesehen?

Wenn ich ehrlich bin, gar keinen. Ich habe zwei tote Käfer gesehen, die sich nicht mehr aus dem Bohrloch herausfressen konnten.

Ein unsichtbarer Feind also.

Gerhard Kraus, 61, ist Gebietsbetreuer der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Allein seine Behörde hat von 2015 bis 2018 1,2 Millionen Euro für die Käferbekämpfung im Münchner Osten ausgegeben.

(Foto: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft)

Nein, das kann man so nicht sagen. Wir haben ja seine Entwicklungsstadien gesehen, also Eier in den Eiablagestellen, Larven und Puppen, nur den Käfer selber eben nicht. Und das Larvenstadium dauert knapp zwei Jahre; das Käfer-Stadium nur zwei Monate.

Wie lange wird die Quarantänezone noch bestehen bleiben?

Wir müssen für eine Dauer von vier Jahren seit Abschluss der Bekämpfungsmaßnahmen kontrollieren, also zwei Entwicklungszyklen des Asiatischen Laubholzbockkäfers. In Neubiberg haben wir da jetzt dreieinhalb Jahre hinter uns. Wenn wir da nichts mehr finden, läuft Ende 2019 die Quarantänezeit ab und der Käfer gilt als ausgerottet.

Und wenn Sie doch noch etwas finden?

Sollten wir etwas finden, geht's quasi von vorne los. Dann muss die Quarantänezone unter Umständen neu strukturiert, entsprechende Fällmaßnahmen müssen durchgeführt und danach muss wieder vier Jahre kontrolliert werden. Wir sind aber guter Dinge, wir haben sehr gründlich gearbeitet.

Ein ziemlicher Aufwand , nicht wahr?

Ja, es ist ein gewaltiger Aufwand. Die von uns beauftragten Baumkletter-Firmen sind im Bereich Neubiberg und Waldperlach mit acht bis zwölf Leuten in jedem der neun Segmente unterwegs. Wir setzen zudem Pheromonfallen ein, die regelmäßig kontrolliert werden müssen, dazu speziell trainierte Spürhunde. Da kommt schon einiges an Kosten zusammen.

Können Sie das bitte beziffern?

Für die Maßnahmen in der Quarantänezone Neubiberg wurden von 2015 bis 2018 allein von unserer Behörde insgesamt rund 1,2 Millionen Euro ausgegeben; dazu kommen noch die Kosten, die bei den Gemeinden angefallen sind. Die betroffenen Bürger auf den Privatgrundstücken müssen nichts bezahlen. Und die Gemeinden, die Geld ausgeben, bekommen das aus dem Staatshaushalt ersetzt. Die gesamte Maßnahme wird von der Europäischen Union bezuschusst.

Es gab in Neubiberg Kundgebungen und Unterschriftensammlungen gegen die Fällungen . Fachleute wiesen damals auf baumschonende Maßnahmen hin.

Im EU-Durchführungsbeschluss sind die Erfahrungen aus Befallsgebieten weltweit, etwa in den USA, Kanada, Österreich oder der Schweiz, zusammengefasst. In der ersten Bekämpfungszone Bayerns, in Neukirchen bei Passau in Niederbayern, 2004 eingerichtet, hat es mehr als elf Jahre gedauert. Denn da hat man zunächst, wie die von Ihnen erwähnten Fachleute empfohlen hatten, nur die befallenen Gehölze entnommen. Dann hat man festgestellt: Ach, da sind ja doch noch welche, so ging das jahrelang. Es zeigte sich, dass sich erst mit der konsequenten Bekämpfung der Erfolg einstellt.

Und wie ist heute Ihr Verhältnis zu den Anwohnern?

Wir werden sehr freundlich begrüßt, wenn wir in die Gärten kommen. Die Bürger bieten uns einen Kaffee, dem Hund Wasser an. Es fehlt noch, dass wir in den Swimmingpool eingeladen werden.