Aschheim:Eine alte Quelle

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Aschheim: Unter dem ehemaligen Rathaus in Aschheim, das nun abgerissen wurde, haben Archäologen interessante Funde gemacht: ein Brunnen aus dem siebten Jahrhundert mit gesetzten und verkeilten Tuffsteinen.

Unter dem ehemaligen Rathaus in Aschheim, das nun abgerissen wurde, haben Archäologen interessante Funde gemacht: ein Brunnen aus dem siebten Jahrhundert mit gesetzten und verkeilten Tuffsteinen.

(Foto: APD/Pütz)

Bei Grabungen unter dem abgerissenen Rathaus entdecken Archäologen um Museumsleiterin Anja Pütz Spuren eines Brunnens aus dem frühen Mittelalter.

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Nach der langen Debatte über den Abriss des Aschheimer Rathauses klafft inzwischen eine Baulücke, wo das ehemalige Schulhaus mehr als hundert Jahre stand. Diese eröffnet nicht nur Möglichkeiten für einen modernen Neubau, sondern auch für spannende Blicke in die Vergangenheit des Ortes. Anja Pütz, studierte Archäologin und Leiterin des Aschheim-Museums, einer beeindruckenden heimatgeschichtlichen Sammlung, und ihre Kollegen haben zwischen Mai und Oktober das Baufeld im historischen Ortskern untersucht und dabei einige vielsagende Funde gemacht.

Sie fanden Hinweise darauf, dass im elften und zwölften Jahrhundert an dieser Stelle jemand wohnte; Gruben und ein Erdkeller, den sie ausgraben konnten, bezeugen den Standort mindestens eines Hofs. Daneben fanden die Archäologen Keramikscherben aus dieser Periode. Außerdem entdeckten sie die Reste eines Brunnens. "Der unterste Meter bestand aus vier großen Holzplatten, der obere Teil aus Kalktuff", berichtet Pütz. Ein solcher Tuffsteinbrunnen, der wohl aus dem frühen Mittelalter stammt, ist nach derzeitigem Erkenntnisstand eine Besonderheit in Bayern. "Woher hatten die Leute die Tuffsteine - aus dem Erdinger Moos, aus der Region Aying/Glonn? Das ist eines der vielen Rätsel hier", sagt Pütz.

Aschheim: Anja Pütz, die Leiterin des Aschheim-Museums, ist selbst Archäologin und an den jüngsten Ausgrabungen beteiligt gewesen.

Anja Pütz, die Leiterin des Aschheim-Museums, ist selbst Archäologin und an den jüngsten Ausgrabungen beteiligt gewesen.

(Foto: Claus Schunk)

Die Geschichte von Aschheim reicht bis ins sechste Jahrhundert zurück. Schriftlich erwähnt wurde der Ortsname erstmals im Jahr 756 nach Christus im Protokoll der ersten bayerischen Landessynode. So weit können nur wenige Gemeinden im Umkreis ihre Wurzeln zurückverfolgen. Schon 1998, als die Kommune einen Anbau an das alte Rathaus errichten ließ, entdeckten Archäologen Spuren von Siedlungen aus dem Frühmittelalter, also der Zeit vom sechsten Jahrhundert bis zum Jahr 1050, wie auch aus dem Hochmittelalter, das bis zum 13. Jahrhundert reicht. Aus diesen Funden war bereits bekannt, dass im Aschheimer Ortskern vor dem Rathaus bereits mindestens zwei Bauernhöfe und vertiefte Arbeitshäuser standen, in denen die frühen Aschheimer Bewohner Textilien, Metall und weitere Materialien verarbeiteten.

Aschheim: Das Gelände, auf dem das ehemalige Rathaus stand, zeigt die Umrisse von Gruben und Grubenhäusern sowie einem Brunnen aus dem frühen Mittelalter.

Das Gelände, auf dem das ehemalige Rathaus stand, zeigt die Umrisse von Gruben und Grubenhäusern sowie einem Brunnen aus dem frühen Mittelalter.

(Foto: AFD/Pütz)

Eine durchaus gewichtige Aussage beinhalten die Funde für die Archäologin: "Alles, was wir gefunden haben, macht den Anschein, dass es in der Aschheimer Ortsmitte eine kontinuierliche Ansiedlung gegeben hat vom frühen Mittelalter bis zum zwölften und 13. Jahrhundert", sagt Pütz. Ansporn für die 40-Jährige, nach weiteren Hinweisen zu suchen, um die Spur der Aschheimer durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart weiter zu komplettieren. All die Funde aus den jüngsten wie auch vergangenen Grabungen werden im Aschheim-Museum, im Untergeschoss des Kulturellen Gebäudes, zu sehen sein.

Das Museum ist Montag und Mittwoch von 16 bis 19 Uhr, Dienstag und Freitag von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 13 Uhr geöffnet, außerdem jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr. Die nächste kostenfreie Sonntagsführung durch die Ausstellung findet am Sonntag, 11. Dezember, um 14.30 Uhr statt.

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