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Laim/Nymphenburg:Provisorium zu den Gleisen

Der Interims-Aufzug am S-Bahnhof ist in Betrieb. Damit kommen an der Großbaustelle täglich Zehntausende barrierefrei zu den Zügen. Auf politischen Druck hin hat die Bahn eine Zwischenlösung geschaffen

Von Christina Seipel, Laim/Nymphenburg

Das Schleppen von Kinderwagen und Koffern hat für die Fahrgäste am Laimer S-Bahnhof ein Ende. Am Mittwoch ist der provisorische Lift in Betrieb gegangen. Nachdem bei dem alten Aufzug, der von dem Durchgang für Fußgänger und Radfahrer bis zu Gleis 1 führte, vor kurzem die Abbrucharbeiten begonnen hatten, mussten die Fahrgäste kurzfristig auf die Treppe ausweichen. Der neue Lift, der über eine Rampe erreichbar ist, ermöglicht Reisenden nun während der Bauarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke wieder den barrierefreien Zugang zum Bahnsteig 1 sowie auch zum Aufzug am südlichen Bahnsteig 2.

Mit Nachdruck hatten sich die Bezirksausschüsse (BA) der angrenzen Viertel in Laim und Nymphenburg, der Behindertenbeirat der Stadt und Vertreter des Stadtrates dafür eingesetzt, dass während des Komplettumbaus des Laimer S-Bahnhofs bei laufendem Betrieb auch die Barrierefreiheit für mobilitätseingeschränkte Menschen gegeben bleibt. 2019 hieß es noch, dass die Gleise wegen der Bauarbeiten zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke für drei Jahre barrierefrei nicht mehr zu erreichen sind. Erst auf erheblichen politischen Druck hin, war der Interimsaufzug an der Station, an der täglich rund 60 000 Menschen ein-, aus- und umsteigen, möglich geworden. Die Bahn hatte dies ursprünglich nicht vorgehabt. Bis Herbst 2022 soll der neue Lift den Fahrgästen in Laim und Nymphenburg zur Verfügung stehen. Was danach passiert, ist noch unklar. Wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn AG (DB) auf SZ-Anfrage versichert, laufen derzeit Gespräche "wie die Barrierefreiheit auch in der weiteren Bauphase aufrechterhalten werden kann".

Für die Politiker im Laimer Bezirksausschuss bleiben allerdings weiterhin etliche Fragen offen. Sie fühlen sich über die Baumaßnahmen am Laimer Bahnhof und die daraus resultierenden Einschränkungen unzureichend informiert. In einem Antrag fordern die Stadtteilpolitiker nun, dass die DB sie "frühzeitig und regelmäßig" über Baufortschritte am Laimer Bahnhof aufklärt und immer auf dem Laufenden hält. Dazu gehören auch die Ergebnisse der Messungen in der Röhre. "Es erreichen uns regelmäßig Sorgen bezüglich der Verkehrssicherheit", heißt es in der Begründung.

Auch wenn im Moment alles nach Plan zu laufen scheine, hofft BA-Chef Josef Mögele (SPD) weiter auf einen seit letztem Jahr geplanten runden Tisch mit Vertretern der Stadt und der Bahn. Die DB scheint sich dieses Informationsdefizits nicht bewusst zu sein. "Für uns ist der Austausch zu den Baumaßnahmen und der Dialog vor Ort wichtig", erläutert eine DB-Sprecherin auf Anfrage. Die Bahn informiere die betreffenden Stadtteilgremien seit Jahren regelmäßig und werde dies auch weiterhin tun.

Gerüchte, die um erneute Bohrungen im Bereich des Fußgänger- und Radfahrertunnels kursierten, bestätigte die Sprecherin. Dabei handele es sich um planmäßige Arbeiten im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen. Ziel sei, "für die weiteren Bautätigkeiten das Erdreich im Bereich des Baufeldes zu stabilisieren." Die Umbauarbeiten gingen "mit großen Schritten und planmäßig voran."

Wegen der Arbeiten am Rohbau der Umweltverbundröhre (UVR) für Tram, Bahn, Fußgänger und Radfahrer könne es jedoch bis zum Herbst zu weiteren kurzfristigen Sperrungen kommen. Auch hier konnte in diesem Monat ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht werden: Wie die DB berichtet, hat der Rohbau der neuen Unterführung vom Norden her nun den Bahnhof Laim erreicht. Das Graben für die UVR auf der Südseite des Laimer Bahnhofs soll voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen.

© SZ vom 14.05.2021
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