Kurzkritik:Gut gezupft

Avi Avital und Krzysztof Urbański bei den Philharmonikern

Von Harald Eggebrecht

Dass der Klang eines zierlichen Zupfinstruments wie der der Mandoline die Gasteig-Philharmonie zu füllen vermag, haben wohl nur wenige des schütter über den Saal verteilten Publikums erwartet. Aber Avi Avital, der "virtuoso assoluto" auf diesem im allgemeinen Konzertbetrieb sonst eher exotischen Instrument, bestürzte geradezu mit Klangvolumen und mit seiner staunenerregenden Zupfmeisterschaft sowieso. Die Münchner Philharmoniker unter dem so aufmerksamen wie eleganten Krzysztof Urbański mussten sich nicht anämisch zurückhalten, sondern waren gefordert, Avital bei der Uraufführung des Mandolinenkonzerts der Amerikanerin Jennifer Higdon, Jahrgang 1962, so sensibel wie farbenreich im Klang in Szene zu setzen. Higdon, die auch ein Violinkonzert für Hilary Hahn geschrieben hat, mischt in diesem dreisätzigen Stück neoromantisch-sehnsüchtige Aufschwünge mit rhythmisch zündenden Vertracktheiten, bietet impressionistisch Zartes ebenso wie exzessive Virtuosität. Avital spielte das so souverän selbstverständlich wie überzeugend, und das Orchester machte inspiriert mit. Auf den stürmischen Beifall antwortete Avital mit einer rhapsodischen Zugabe, die sich aus einem zarten Melodieansatz zu wildem Aufbrausen steigerte - toll!

Danach Modest Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" in Maurice Ravels Instrumentierung. Wer nach langer Pandemiepause endlich wieder ein großes Orchester in all seiner aufgefächerten Räumlichkeit und klanglichen Vielfalt erleben kann, den muss dieses grandiose Stück schier überwältigen: Alle Farben vom ausdifferenzierten Streicherklang bis zu den diversen Holz- und Blechbläsern, Harfen, dem Schlagwerk bis zu den Glocken des "Großen Tors von Kiew" wirken so unmittelbar prachtvoll, plastisch, als ob sie körperlich zu greifen wären. Und so wurden die Philharmoniker und Urbański am Ende so gefeiert, als sei der Saal bis zum letzten Platz gefüllt.

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