Kritik:Abtauchen in Seelenwelten

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Kritik: In tiefer Hingabe zu Bach: die norwegische Geigerin Vilde Frang

In tiefer Hingabe zu Bach: die norwegische Geigerin Vilde Frang

(Foto: Marco Borggreve)

Vilde Frang und das Münchener Kammerorchester begeistern im Prinzregententheater.

Von Klaus P. Richter, München

Wer Bach als den kühlen Rechenmeister von Kontrapunkt und Fuge bewundert, der übersieht leicht den emotional bewegten und bewegenden Schöpfer der langsamen Sätze. Besonders, wenn sie mit der sensitiven Violinkunst von Vilde Frang zu einem so seelenvollen Leben erstehen. Im a-Moll-Konzert wählte sie im Prinzregententheater für die beiden Ecksätze ein zügiges Brio wie es sich für dieses glänzende konzertante Genre gehört. Aber im Andante gestaltet sie andachtsvoll tiefsinnige Seelenwelten.

Noch eindrucksvoller dann in Bachs E-Dur-Konzert, als Ersatz für das abgesagte Doppelkonzert von Benjamin Britten. Dort verlor sie sich mit tiefer Hingabe in Bachs inneres Espressivo, machte das Melos zur zauberischen Kantilene und sorgsam dosierte Ritardandi zu Trouvaillen. Bemerkenswert, wie das in engster und schönster Kommunikation mit dem Münchener Kammerorchester geschah, denn sie war die leitende Maestra. Sparsam, mit kaum merklichen Blicksignalen, aber ganz sympathetisch verbunden mit dem bewährten Konzertmeister Daniel Giglberger waren nicht nur die Geige, sondern auch das Ensemble hingebungsvolle Diener ihrer Inspirationen.

Aus gleicher Seelenlage kam die Zugabe aus dem Kaiserquartett von Haydn. Dann aber kam die Stunde von Clemens Schuldt mit Bartóks Musik für Saiteninstrumente. Er hatte schon im Entrée des Abends, einer eleganten Musik von Joseph Bologne (1739 - 1799),dessen Stilidiom zwischen Lully und ein wenig Mozart-Nähe gut austariert. Bei Bartóks Opus konnte er sich dann nach dem gedämpften Streicherfugato im "tranquillo" des ersten Satzes für die markigen Schlagzeugattacken, die kessen Cluster, knallenden Pizzicatochöre und schrägen Glissandi stark machen und im Swing des Allegro-Scherzos furiose Dynamik entfesseln. Das Orchester aber konnte im Finalsatz seine ganze Potenz entfalten, hoffnungsfroh, ob der 50-prozentigen Belegung des Saales.

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