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Kommunalwahl in der Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Aus Protest in die Politik

Auf der CSU-Liste für den Bezirksausschuss kandidiert ein parteiloser Kritiker der Umgestaltung der Fraunhoferstraße

Der Mathematikprofessor Martin Ruckert führt die Liste der CSU für den Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt an. Ruckert hat viel Erfahrung in der Gremiumsarbeit: Als der Vorsitzende Alexander Miklosy vergangenen Winter starb, war er es, der bis zur BA-internen Neuwahl die Führungsrolle übernahm. Auf Platz zwei steht ebenfalls ein bewährter Mann: Rudi Cermak, bekannt vor allem als oberster Katastrophenschutzbeauftragter Bayerns. Vertraut mit Hochwasserschutz, setzt er sich dafür ein, dass die Isar attraktiv und lebenswert bleibt. Und auch sonst stehe er "gegen Vermüllung, Geruchs- und Lärmbelästigungen, für Sicherheit und Ordnung, ohne das bunte Leben unserer verschiedenen Kulturen dadurch einzuschränken" kündigt der CSU-Politiker an.

Auf Platz drei folgt Tina Meinel, die sich ehrenamtlich seit Jahren für die Malteser engagiert und Erfahrung mit Betreuung und Pflege sowie aus dem kaufmännischen Bereich einbringt. Sie ist erst kürzlich in den Ausschuss nachgerückt. Auf Platz vier steht eine weitere Nachrückerin, die Bilanzbuchhalterin Jasminka Hermansson, deren großes Anliegen es ist, die Rechte der Fußgänger zu schützen. Als Anwohnerin der Theresienwiese will sie sich für Verbesserungen zur Wiesnzeit stark machen.

Der langjährige Fraktionssprecher der CSU, Florian Florack, der auch den Unterausschuss Öffentlicher Raum und Mobilität im Bezirksausschuss leitet, tritt aus beruflichen und zeitlichen Gründen nicht mehr für den BA an und fungiert nach eigenen Worten lediglich als "Listenfüller" auf dem letzten Platz des Wahlvorschlags. Aussicht auf einen Einzug in den BA hat dafür der parteilose Marin Kilian, der auf der CSU-Liste antritt. Er führt mit seiner Schwester einen Familienbetrieb an der Fraunhoferstraße und ist aus Protest gegen die Verkehrsmaßnahmen der Stadt im Sommer - sämtliche Parkplätze in der Fraunhoferstraße wurden aufgehoben zugunsten eines Radstreifens - zur Politik gekommen. Wegen der Situation auf seiner Straße habe er an den meisten Sitzungen des zuständigen Ausschusses und des Stadtrats in den vergangenen Monaten teilgenommen, sagt er. Er hat einen eigenen Vorschlag zur Gestaltung der Fraunhoferstraße eingereicht und will sich dafür im BA einsetzen.

Auf Platz sechs der Liste ist der Jüngste der vorderen Kandidaten platziert: Juri Kuhn, 28 Jahre alt und Informatiker, der in seiner Freizeit beim MTV-München ficht und nichts schlimmer findet als entwicklungstechnischen Stillstand. Doch der dürfe nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geschehen, schränkt er ein.

Drei Mitglieder haben den BA in der derzeitigen Amtszeit verlassen: aus Altersgründen Vinzenz Zöttl, beliebter Stadtrat und Stadtviertelpolitiker und wohl Münchens bekanntester Bäckermeister. Armin Müller, der aus beruflichen Gründen nach dem Jurastudium das Mandat niederlegen musste. Und Sri Fackler, die ihr Politik- und Geschichtsstudium hinwarf, auf Theologie umsattelte und 2018 als Pastoralassistentin in der Nähe von Salzburg begann.

© SZ vom 11.02.2020 / lo
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