Karstadt am Dom schließt:Aus für das Haus am Dom

Die Karstadt-Filiale am Dom schließt schon Ende März nächsten Jahres. Nun droht 150 Mitarbeitern die Kündigung. Der Abriss ist für Anfang 2011 geplant.

Otto Fritscher

Gleich links neben dem Eingang stapeln sich mindestens zwei Dutzend verschiedene Adventskalender, die Kunden kramen in den Kalender-Gebirgen, Weihnachten naht. Doch für die gut 150 Mitarbeiter der Karstadt-Filiale am Dom wird die Zeit langsam knapp: Das Kaufhaus schließt Ende März 2010, ein Dreivierteljahr früher als geplant.

Karstadt am Dom schließt: Die Karstadt-Filiale am Dom schließt nun schon ein Dreivierteljahr früher als geplant im März 2010.

Die Karstadt-Filiale am Dom schließt nun schon ein Dreivierteljahr früher als geplant im März 2010.

(Foto: Foto: Catherina Hess)

Das sogenannte "Haus am Dom" gehört nämlich zu den sechs Karstadt-Filialen in Deutschland, die von der Insolvenzverwaltung "möglichst zügig" abgewickelt werden sollen, wie am Dienstag auf der Gläubigerversammlung in Essen bekannt wurde. Dass schon Ende März Schluss ist, erfuhren die Münchner Mitarbeiter am Dienstagvormittag auf einer Betriebsversammlung. Ende 2010 hätte das Kaufhaus sowieso schließen müssen, da die Mietverträge für die Immobilie, die der Schörghuber-Gruppe gehört, auslaufen.

"Wir haben befürchtet, dass schon in einigen Wochen Schluss sein wird", sagt eine Verkäuferin im Erdgeschoss. "Jetzt haben wir wenigstens bis März Zeit, etwas Neues zu suchen", ergänzt ihre Kollegin. Große Hoffnungen, bald einen vergleichbaren Job zu finden, kann ihnen Georg Wäsler nicht machen. Er ist bei der Gewerkschaft Verdi für den Einzelhandel in München zuständig. "Es gibt kaum Vollzeit-Stellen, sondern nur Teilzeitjobs und Aushilfen", beschreibt er die "miserable Situation auf dem Arbeitsmarkt". Für "besonders bedrückend" hält es Wäsler, dass die Beschäftigten die Kündigungen vor Weihnachten bekommen. "Das ist besonders schlimm."

"Da schlummert eine Bombe"

Viele Kunden können sich die Fußgängerzone ohne Karstadt am Dom gar nicht vorstellen. "Ich komme seit 30 Jahren zum Einkaufen und Essen hierher", sagt Johanna Hager, die in der Nähe ein Juweliergeschäft führt. "Aber", sagt sie mit einem Achselzucken, "was sollen wir tun, wenn die völlig überschuldet sind." Bestürzt reagieren aber nicht alle Passanten. "Mir ist das egal", sagt Michael Beil. Kaufhäuser seien "eh nicht mehr zeitgemäß".

Aus Sicht des Gewerkschafters Wäsler ist die Abwicklung der Filiale nicht einfach. Es handele sich um eine "Teilbetriebsschließung", erklärt er. Denn es gibt einen gemeinsamen Betriebsrat für drei benachbarte Karstadt-Häuser: den Oberpollinger, das Sporthaus und eben das Haus am Dom.

Kündigungen müssten eigentlich nach der Sozialauswahl erfolgen, erklärt Wäsler - was aber bedeuten würde, dass auch Mitarbeiter der beiden anderen Häuser ihre Jobs verlieren würden, während einige Beschäftigte der Filiale am Dom wohl mit Versetzungen davonkämen. "Da schlummert eine Bombe", ist sich Wäsler bewusst.

Als einzigen Ausweg sieht der Gewerkschafter eine Transfergesellschaft nach dem Vorbild von Quelle. Darin könnten die Mitarbeiter bis zu einem Jahr lang qualifiziert werden. "Wo das Geld herkommen soll, von Karstadt oder der Arbeitsagentur, weiß ich aber auch nicht", sagt Wäsler. Von Geschäftsleitung und Betriebsrat waren am Dienstag keine Stellungnahmen zu erhalten. Derweil laufen die Planungen für die Zeit nach Karstadt weiter.

Schörghuber hat in Abstimmung mit der Stadt München einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, dessen Ergebnisse im Frühjahr 2010 vorliegen sollen. Die Immobilie gehört zu den gefragtesten Einzelhandelslagen in ganz Deutschland. Der Komplex soll Anfang 2011 abgerissen werden, im Neubau soll kleinteiligerer Handel einziehen, auch Wohnungen sind vorgesehen. Karstadt-Filialen gibt es in München noch am Hauptbahnhof (ehemals Hertie), am Nordbad, in Schwabing und im Olympia-Einkaufszentrum. Für diese Standorte sind keine Schließungspläne bekannt.

© SZ vom 11.11.2009/hs/sonn
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