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Roman-Adaption:Kammerspiele inszenieren "Hochdeutschland"

In einem Raum voller Schaum adaptieren die Kammerspiele den erfolgreichen Roman von Alexander Schimmelbusch.

Wer mit der Welt nicht zufrieden ist, kann entweder zuschauen, wie alles immer noch schlimmer wird, oder er setzt sich hin und schreibt ein wuchtiges Manifest, um die Gesellschaft zu verändern. Victor entscheidet sich für letzteres, weil er Pragmatiker ist, Banker, der umsetzen kann, was er sich vornimmt. Er schreibt gegen die soziale Ungerechtigkeit an und fordert, dass der "Maschinenschlosser noch im hohen Alter seine Umschulung zum urzeitlichen Aalfischer" realisieren sollte, er beschwört die deutsche Mittelklasse. Victor gelingt es tatsächlich, mit seinem Manifest alle ins Boot zu holen und seine populistischen Ideen immerhin in Gang zu bringen. Soweit die Handlung von Alexander Schimmelbuschs Roman "Hochdeutschland", der 2018 erschien.

An den Kammerspielen adaptiert nun Kevin Barz den Roman, er übernimmt die Idee von Christopher Rüping, der das eigentlich hätte tun sollen, aus persönlichen Gründen aber davon zurücktrat. Barz inszeniert gerade parallel an der Staatsoper das Musiktheater "Z" und ist von der kommenden Spielzeit an Hausregisseur am Mainfranken Theater in Würzburg. "Hochdeutschland" verlegt er mit vier Schauspielern, von denen alle mal Victor sind, in einen fast leeren Raum voller Schaum, den man natürlich schon vorab mit Champagner, aber auch mit fragilen gedanklichen Luftschlössern assoziieren kann.

Hochdeutschland, Freitag, 24. Mai, 20 Uhr, Kammerspiele, Kammer 2, Falckenbergstraße 2