bedeckt München 21°

Josephsplatz:Baumbesetzer rücken ab

Baumbesetzung nach Anwohner-Art: Die protestierenden Anlieger haben am Wochenende den Josephsplatz erst aufgeräumt und dann nach ihren Vorstellungen neu gestaltet. Unter anderem mit einer Schaukel.

Ziel erreicht: Die Robin-Wood-Aktivisten sind von den Bäumen am Josephsplatz geklettert. Ihren Platz haben die Anwohner eingenommen, die weiter gegen den Bau einer Tiefgarage protestieren - freilich ohne Bäume zu besetzen.

Von Gerhard Wilhelm

Die Aktivisten von Robin Wood haben sich vom Josephsplatz zurückgezogen. Dafür haben die Anwohner, die gegen den Bau einer Tiefgarage dort protestieren, ihren Platz eingenommen - allerdings ohne Bäume zu besetzen. Am Wochenende wurde auch gleich vom neu gegründeten Verein "Freunde des Josephsplatzes" der angesammelte Müll entfernt und eine provisorische Umzäunung sowie eine eigene Webseite eingerichtet. Und auf der haben die Protestierer schon mal die Richtung vorgegeben: "Stuttgart 21 im Herzen der Maxvorstadt".

Als am Montag vor zwei Wochen Arbeiter mit Kettensägen und Bagger am Josephsplatz anrückten, um die Bäume zu fällen, damit mit dem Bau einer Anwohnertiefgarage begonnen werden kann, stießen sie auf unerwarteten Widerstand. "Kletteraktivisten", darunter Mitglieder der Robin Wood-Regionalgruppe München, besetzten drei bis zu 100 Jahre alte Bäume. In der vergangenen Woche einigten sich die protestierenden Anlieger und Baureferat darauf, die Baumaßnahmen am Josephsplatz einzustellen, bis über eine Nachbarschaftsklage entschieden ist.

Für die Aktivisten von Robin Wood ist das ein erster Erfolg, obwohl ihrer Ansicht nach die Stadt zum Ausdruck gebracht habe, das Projekt weiter durchzusetzen. Man habe mit der Baumbesetzung aber Zeit für ein weiteres Engagement der Anlieger erkämpft. Celine Magnus, eine der Baumbesetzerinnen, macht klar, dass die Aktivisten das Schicksal des Josephsplatzes weiterhin verfolgen werden: "Wir sind im Moment zwar nicht mehr vor Ort, aber jederzeit für die nun aktiven Anwohner erreichbar. Wenn sich am Josephsplatz etwas tut, erfahren wir das sofort und können entsprechend reagieren. Das Schicksal des Platzes liegt uns weiterhin am Herzen."

Ihnen gehe es bei der Aktion nicht nur um das Überleben der Bäume, "sondern insbesondere auch darum, Alternativen zum Ausbau des Autoverkehrs in der Stadt zu diskutieren. Wir haben nicht zu wenige Parkplätze, sondern zu viele Autos. Hier sind intelligente Alternativen gefragt", sagt Magnus. Für das Geld, das ein Platz in der Tiefgarage kosten werde, könnten jedes Jahr mehr als 5000 Kilometer in einem Carsharing-Fahrzeug zurückgelegt, zwei hochwertige neue Fahrräder oder eine MVV-Gesamtnetzkarte gekauft und so der Parkplatzbedarf in der Maxvorstadt drastisch reduziert werden, wie die Toll-Wood-Aktivistin sagt. Die Tiefgarage soll 265 Plätze erhalten.

Die protestierenden Anwohner hatten parallel zum Abzug der Baumbesetzer den Platz übernommen - und erst mal aufgeräumt. Eine geplante große Pflanzaktion stieß allerdings auf harten Widerstand: Der Boden war noch zu sehr gefroren. In den kommenden Tagen sollen kleinere Bäumchen und Blumen dem Platz ein neues Gesicht geben, wie der Sprecher der Bürgerinitiative, Wolf Hoefler, sagte. Deren Mitglieder vertreten die Position, dass sie bei der Planung der Tiefgarage am Josephsplatz nicht genügend eingebunden waren. Man habe "den in der Vergangenheit und auch jetzt immer vorhandenen Protest übersehen".

Auf ihrer Homepage listen die Kritiker eine Liste von Gründen gegen die Garage auf: Sie laufe dem Natur- und Baumschutz zuwider, fördere die soziale Ungleichheit und schädige die Gesundheit der Anwohner. Der Bau fördere die Attraktivität der umliegenden Gebiete insbesondere für die zahlungskräftigere Klientel, die problemlos die hohen Parkplatzmieten tragen könne - ebenso wie die dann parallel ansteigenden Wohnraummieten. Zudem würde die häufig genannte Bausumme von 9,5 Millionen Euro vermutlich weit überstiegen. Die Planung sei auch ein verkehrspolitischer Schritt in die falsche Richtung und habe in ihrer jetzigen Form nicht die Zustimmung der Anwohner.

© SZ vom 05.03.2013/tba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite