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Jazz:Das Wandern ist des Musikers Lust

Die Blechbläser Matthias Schriefl und Johannes Bär auf "zFuaß Tour" vom Bregenzer Wald ins Allgäu

Von Oliver Hochkeppel, Maria Rain

Der Blechbläser Matthias Schriefl ist einer der buntesten Hunde in der Musikszene, und das buchstäblich. Tritt der Allgäuer doch entweder in Lederhose oder in knallbunten Outfits auf, die er sich bei seinen Konzertreisen in aller Welt hat schneidern lassen. Der Clou ist ein halb-und-halb blauer-roter Anzug, zu dem er gern eine Sonnenbrille mit ebenfalls einem blauen und einem roten Glas trägt. Was mehr als nur Äußerlichkeiten sind, korrespondiert diese Extravaganz doch mit dem musikalischen Programm Schriefls. So wie er vom Hauptinstrument Trompete (an der er zu den weltweit größten Virtuosen gehört) ausgehend zu fast allen anderen Blasinstrumenten bis hin zum Alphorn greift (manchmal spielt er auch zwei oder gar drei gleichzeitig), und wie er vom Heimatort Maria Rain an seinen Zweitwohnsitz Köln und in alle Welt pendelt, so geht es bei ihm auch von der Basis der alpenländischen Volksmusik in alle möglichen musikalischen Regionen.

Jazz bis hin zur Avantgarde, Pop, Schlager, Südamerikanisches oder Indisches - das alles sind für Schriefl keine abgegrenzten Geschichten, sondern fließende Übergänge. Und es gibt kaum eine Kombination, die ihm musikalisch zu gewagt, zu extrem oder zu verrückt wäre. So haben sich bei dem "Musikanten", wie er sich selbst versteht, allerlei außergewöhnliche Projekte angehäuft. Mit namhaften Jazz-Experimentatoren von Django Bates, Kalle Kalima oder Andy Haderer bis zu Jim Black oder Joachim Kühn ebenso mit indischen Musikern, der Soul-Diva Sharon Jones, der brasilianischen Sängerin Patricia Cruz, den Duisburger Philharmonikern, aber auch mit eigenem Multiorchester, mit der Unterbiberger Hofmusik oder dem steirischen Damentrio Netnakisum aus der Steiermark. Und seitdem er ihn 2009 kennenlernte, gehört der Vorarlberger Kollege Johannes Bär fest zu seinem Universum dazu. Ist Bär doch ein Seelen- und Geistesverwandter, der sich ebenso bunt kleidet, ebenso multiinstrumental im Blechblas-Instrumentarium (mit Schwerpunkt auf die schweren Geräte wie Tuba und um Beat-boxen erweitert) und gleichermaßen in allen Stilen unterwegs ist. So hat er sich unter anderem als Mitglied von David Helbocks Random Control-Trio einen Namen in der Jazzwelt gemacht, mit dem Holstuonarmusigbigbandclub (HMBC) aber auch schon die Pop-Charts erstürmt.

Matthias Schriefl

Extravaganter Blechblas-Jongleur: Matthias Schriefl.

(Foto: Jürgen Bindrim)

Seit Jahren träumen die beiden davon, zu Fuß von Bärs Heimatort Andelsbuch in Vorarlberg zu Schriefls Heimatort Maria Rain im Allgäu zu wandern und unterwegs Konzerte zu geben. Corona macht diesen Lausbubenstreich nun möglich, weil die normalerweise viel beschäftigten Musiker endlich Zeit dafür haben. Mit Instrumenten bepackt, machen sie sich an diesem Sonntag auf den Weg, um eine Woche lang in acht Etappen den Bregenzer Wald und das Oberallgäu zu durchqueren und mit monatelang angestauter Spielfreude zu beschallen. Auftaktkonzert ist am 26. Juli um 13 Uhr beim Weisenblasen auf dem Niedere, dem Hausberg von Andelsbuch, bevor abends das Dörfchen Sibretsgfäll als erste Station erreicht wird. Weiter geht es an den folgenden Tagen nach Balderschwang, Gunzesried, Hindelang, Jungholz, Immenstadt und Martinszell, bis die musikalische Wanderung am 2. August abends im Almcafé Schnakenhöhe in Maria Rain endet.

In jedem Tal werden Schriefl und Bär etwas anderes spielen, von der lokalen Volksmusik über modernen Jazz und verjazzte Schlagern (Schriefls vor einigen Jahren zusammengestelltes Programm "Best of the Worst" ist legendär) bis zu Weltmusik aller Art. Immer dabei sind eine Trompete, ein Flügelhorn, eine Tuba und zwei Alphörner. Wer die beiden schon einmal an den Alphörnern gehört hat, weiß, welch unglaubliche Dinge die beiden gerade aus diesem Instrument herauszaubern können. Und was sonst noch dazu kommt, hängt nicht zuletzt vom unternehmungslustigen Publikum ab. Man kann nämlich nicht nur (mit Eintrittskarte) die Konzerte an den Zwischenstationen besuchen, sondern sich auch (dies natürlich gratis) als Wegbegleiter und sogar als "Mitträger" anmelden. Ohnehin gibt es auf der Tour nicht nur Musikalisches zu entdecken. Denn auf jeder Etappe wartet ein anderes Motto - vom Jodelweg über eine Kräuterwanderung, von der Yoga-Etappe bis zum Biertesten. Immer unter "professioneller" Anleitung der beiden hier beheimateten, sich also bestens auskennenden Multitalente. Die Teilnahme an einer oder mehreren Wegstrecken bedarf der Anmeldung unter info@schriefl.eu.

Matthias Schriefl & Johannes Bär, "zFuaß Tour", Sonntag, 26. Juli bis Sonntag, 2. August, www.schriefl.eu

© SZ vom 23.07.2020

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