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Jazz:Asiatische Sicht auf München

Blue Giant Supreme, von Shinichi Ishizuka, 192 Seiten.

(Foto: Carlsen Verlag 2020)

Shinichi Ishizukas Manga "Blue Giant Supreme" führt einen japanischen Saxofonisten nach München. Der sieht die Stadt aus seiner Perspektive - nicht nur für Jazzfans spannend zu lesen.

Von Oliver Hochkeppel

Warum der junge Japaner Dai sein Unternehmen, der beste Saxofonist der Welt zu werden, ausgerechnet in München startet und nicht in New York, New Orleans oder Paris, wird das Geheimnis seines Schöpfers Shinichi Ishizuka bleiben. Der 39-jährige Mangaka, der selbst in einer Brassband spielte und fünf Jahre in den USA Metereologie studierte, zeichnet "Blue Giant" bereits seit zehn Jahren. Die (mehrfach preisgekrönten) ersten zehn Bände erzählen Dais Jazz-Initiation in Japan, die bei uns spielende und deshalb vom Carlsen Verlag zuerst veröffentlichte Fortsetzung "Blue Giant Supreme" ist im Original ebenfalls bereits fertig. Ishizuka ist schon mitten in "Blue Giant Explorer", wo sein Jazzheld endlich in den USA weilt. Man darf sich also auf mehr freuen, mit mehr Betonung der Musik als in "Blue Giant Supreme". Hier bekommt man dank Ishizukas klassisch-realistischem Zeichenstil dafür ein so präzises, detailgenaues München-Bild wie noch in keinem Comic. Und das mit einer sehr interessanten Außensicht, angefangen von den schwer zu begreifenden Fahrkartenautomaten am Flughafen bis zu den nur in den Namen verschlüsselten Jazzclubs Unterfahrt (wo Dai das für ihn unterkühlte Publikum beobachtet), Vogler (wo er abblitzt) und Mr. B's (wo er dank eines hilfreichen deutschen Studenten schließlich seinen ersten Auftritt bestreiten kann). Deshalb ist "Blue Giant Supreme" nicht nur für Jazzfans spannend zu lesen.

© SZ vom 19.11.2020
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