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Internationale Bauausstellung:Ein Innovationsschub gegen den Münchner Verkehrskollaps

Das Konzept der IBA existiert seit mehr als 100 Jahren. Es ging und geht stets darum, Experimente beim Planen und Bauen zu wagen und neue Impulse zu setzen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Eine Internationale Bauausstellung (IBA) könnte in München innovative Projekte im Bereich Stadt- und Verkehrsplanung vorantreiben.
  • Zu diesem Ergebnis ist eine Machbarkeitsstudie gekommen, die im Auftrag der Stadt München durchgeführt wurde.
  • Als erste IBA gilt das Projekt Mathildenhöhe in Darmstadt von 1901, eines der wichtigsten Projekte des Jugendstils.

Mit einer Internationalen Bauausstellung (IBA) könnte der Großraum München einen Innovationsschub für die Mobilität der Bewohner erreichen und damit deren Lebensqualität erheblich steigern. Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt München, die am Dienstag auf einer Sitzung des Regionalen Planungsverbands (RPV) in Oberhaching vorgestellt wurde. Der RPV ist der Zusammenschluss aller Kommunen der Planungsregion München.

Die Autoren der Studie, drei Planungsbüros aus Hamburg und München, identifizierten in mehreren Workshops die Mobilität als das drängendste Thema für eine IBA im Großraum München. Es würde in diesem Fall also weniger um Architektur denn um Stadt- und Verkehrsplanung gehen. Der Studie zufolge würde sich die IBA, die in der Regel zehn Jahre dauert, auch weniger um große Infrastrukturen, etwa den Ausbau von Bahnstrecken, kümmern. Es sollen eher einzelne innovative, auch experimentelle Projekte entstehen, so das Kalkül. Konkrete Themenideen und Angaben zu den Kosten kommen in der Studie nicht vor, es geht eher um die Idee einer IBA an sich. Der Arbeitstitel dafür lautet "Räume der Mobilität".

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Am Rande der Präsentation nannte Arne Lorz, der für das Planungsreferat der Stadt München die Studie betreut, als ein Projekt, das für eine IBA in Frage kommen könnte, die geplante "Mobilitätsdrehscheibe Breitenau" im Landkreis Dachau. Die Idee dort: Es gibt einen Parkplatz für Pendler, die von dort in einem Werksbus etwa zu BMW gefahren werden. Der Clou: Die Arbeitszeit würde quasi mit dem Einsteigen in den Bus beginnen. Wenn ein Teil der Pendelzeit bezahlt wird, so die Hoffnung, dann fahren weniger Menschen mit dem Auto ins verstopfte München hinein. Mit einer IBA könnte so eine Idee theoretisch an mehreren Orten im Großraum getestet werden.

Das Konzept der IBA existiert seit mehr als 100 Jahren. Es ging und geht stets darum, Experimente beim Planen und Bauen zu wagen und neue Impulse zu setzen, "die über ihre Zeit hinausweisen", wie es in einer Selbstbeschreibung heißt. IBAs gab es lange Zeit nur in Deutschland. Erst in den vergangenen Jahren expandierte das Konzept auch nach Österreich, in die Schweiz und die Niederlande.

Der Begriff des "Internationalen" rührt seit jeher vom Anspruch der IBA. Sie soll Einflüsse von außen aufnehmen und im Ergebnis Strahlkraft über das eigene Land hinaus entfalten. Als erste IBA gilt das Projekt Mathildenhöhe in Darmstadt von 1901, eines der wichtigsten Projekte des Jugendstils überhaupt. Auch der Bau der Weißenhofsiedlung in Stuttgart im Jahr 1927 und die Schaffung des Emscher-Parks im Ruhrgebiet, unter anderem mit dem Weltkulturerbe Zeche Zollverein in Essen, von 1989 bis 1999 war ein IBA-Projekt. Derzeit laufen sechs IBAs in Heidelberg, Stuttgart, Thüringen, Basel, Wien und in der Parkstad Limburg in den Niederlanden. Theoretisch kann jede Kommune eine IBA ausrufen. Aber de facto geht damit eine Selbstverpflichtung einher, es ernst anzugehen, "sonst wird es peinlich", sagt Arne Lorz vom Münchner Planungsreferat.

Es gibt auch keine fixe Finanzierungsquelle, aber eine IBA kann den Zugang zu Fördertöpfen von Land, Bund oder EU öffnen. Damit es zu einer IBA kommt, braucht es der Studie zufolge neben dem starken Thema, das in diesem Fall offenkundig gegeben ist, eine entschlossene und breite Unterstützung aus der Region sowie eine Betreibergesellschaft. Außerdem müsse man "exzellente Projekte" finden und entwickeln, damit die IBA ihrem Anspruch gerecht werde.

Bei den anwesenden Kommunalpolitikern im RPV stieß die Idee generell auf wohlwollendes Echo. "Ich bin überzeugt, dass man das probieren sollte", sagte Stefan Schelle, Bürgermeister von Oberhaching und Vorsitzender des RPV. "Wenn es nur ein paar Projekte schneller nach vorn bringt, hilft das der Bevölkerung im Großraum." Er hofft, dass eine IBA dazu beitragen könnte, den MVV zu erweitern, etwa um den Landkreis Miesbach, und neue Konzepte für den Freizeitverkehr Richtung Tegernsee und Schliersee zu entwickeln. Der Freisinger OB Tobias Eschenbacher sieht die Chance, bessere Bebauungspläne über Gemeindegrenzen hinaus zu schaffen. Rupert Monn, Bürgermeister von Berg im Landkreis Starnberg, hingegen sagte: "Ich erkenne nicht unbedingt den Nutzen für die Region." Überdies frage er sich, was das dann kosten würde.

Als nächsten Schritt will das Planungsreferat sich im ersten Quartal 2019 vom Münchner Stadtrat den Auftrag einholen, auf der Basis der Studie das IBA-Projekt voranzutreiben. Bis Inhalte, Organisation und Angaben über Kosten in einer beschlussfähigen Form für die Kommunen vorliegen, würden danach noch eineinhalb Jahre vergehen, schätzt Arne Lorz. Er wies auch darauf hin, dass eine IBA ein Prozess sei. Kommunen, die am Anfang nicht dabei seien, könnten später noch einsteigen.

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