Imam Abu Adam "Die Frau ist wie eine Blume"

Und die Eifersucht? Wäre es nicht verständlich, wenn seine Frauen davon geplagt würden? "Jede Frau ist eifersüchtig." Er habe aber alle drei gleich behandelt. "Die Frau ist wie eine Blume. Wenn man sie ein bisschen drückt, wird sie brechen." Er habe nie gedrückt, soll das heißen. Manchmal klingt er, als mache er es sich ein bisschen einfach. Viele liberale Muslime distanzieren sich vom Rollenverständnis dieses Imam.

Über die Konflikte mit seiner syrischen Frau will er nicht viel reden. Ja, sie hätten ein paar Mal übers Sorgerecht diskutiert und über die Angst der Frau. Er werde von Extremisten bedroht, sei auch schon angegriffen worden, weil er gegen den Terrorismus predige und so manchen potentiellen Bombenleger schon bekehrt habe. Abu Adam sagt, gute und kritische Phasen hätten sich bei seiner Frau abgewechselt, ihre Gemütslage schwanke, und weil er das wisse, habe er auch der Scheidung an jenem verhängnisvollen Abend nicht zugestimmt. Weil er wisse, dass sie es wenig später bereut hätte. Streit und Versöhnung, so sei es immer gewesen. Es scheint Hassliebe zu sein.

Die Kinder haben Säfte und Obst und Knabbereien hereingetragen, die Bodyguards reichen Bananen und Äpfel. Abu Adams Erst- und Zweitfrau, eine Rumänin und eine Deutsche, sind auch in der Wohnung, kommen aber nicht zur Männerrunde. Ben Aoun, der Leiter der Darul-Quran-Moschee in der Ruppertstraße, erzählt, wie geschockt die Gläubigen waren, als sie von den Vorwürfen hörten. Und wie viele nun gekommen seien, um die guten Neuigkeiten zu hören. Viel sei zerstört worden, klagt der Imam, er müsse jetzt alles wieder langsam aufbauen.

Abu Adams Verteidiger Thomas Pfister und Heinrich Haarmann sitzen mit in der Runde. Sie hüten sich vor Triumphgeheul und betonen, der Imam sei fair behandelt worden von der Justiz. Noch läuft das Ermittlungsverfahren gegen ihren Mandanten, doch der dringende Tatverdacht ist weg. Für die Causa Imam interessierten sich auch der Staatsschutz der Polizei, der Verfassungsschutz und bei der Staatsanwaltschaft wird die Sache von der politische Abteilung bearbeitet. Was ist politisch an einem vermeintlich gewaltsamen Ehezoff?

Die bearbeitende Staatsanwältin, heißt es, kenne den Imam schon von früher. Man darf davon ausgehen, dass diverse Behörden alarmiert waren, als die Kunde vom "Prügel-Prediger" die Runde machte. Man hielt seit Jahren Kontakt zu ihm. Zwar gilt Abu Adam als religiös orthodox, aber auch als offen für den Dialog. Und die Behörden sind froh über jeden Draht in die islamische Szene. Auch zu einem, der wie Osama bin Laden aussieht.

Da lacht der Imam, wenn das Gespräch auf den Al-Qaida-Führer kommt, und erzählt von seinen Begegnungen auf der Straße: "Bin Laden", tuschelten die Leute, "Terrorist", "Bombenleger". Fast könnte man meinen, ihm bereite es Freude, die Menschen ein wenig zu schocken und zu foppen. Nein, sagt er, "ich ertrage das." Er wolle vermitteln, "dass nicht alle Muslime Monster sind", dass man mit ihnen auch lachen kann. Und das tun sie jetzt alle, die Leibwächter und Freunde und Anwälte. Abu Adam erzählt, dass er vor ein paar Jahren regelmäßig durch den Hauptbahnhof musste, und dass er alle paar Meter kontrolliert worden sei. So mancher Fahnder mag auf den großen Fang gehofft haben. Bis sich der vermeintliche Terrorist dann ein Schild um den Hals hängte: "Bin nicht bin Laden."

Zum Abschied wieder dieser Händedruck. "Nicht so fest!" mahnt Abu Adam seinen Bodyguard.