Konzertabsage Höllenhörsturz und kein Dante

Probleme mit den Ohren: Campino und die Toten Hosen kommen nicht zum Rockavaria.

(Foto: dpa)

Warum Campino nicht zum Rockavaria kommt - und die städtischen Freibäder nun fast so enttäuscht sind wie die Fans.

Kolumne von Frank Müller

Für Campino war das eine turbulente Woche und für die Fans der Toten Hosen ebenso. Erst der Trubel um den nächtlichen Schnappschuss in einem Dresdner Freibad, wo der Bandsänger sich um 1.54 Uhr nachts mit zwei weiblichen Fans am Beckenrand ablichten ließ, was die örtlichen Badebetriebe eher mittel-komisch fanden ("Hausfriedensbruch"). Die sommerliche Posse fand ihre Fortsetzung im sich auch diesmal als Spaßbremse betätigenden Internet. Als nämlich die Diskussion darüber begann, ob man sich ohne Eintrittskarte in ein Freibad schleichen dürfe, wenn man sich ein paar Wochen zuvor bei der Echo-Verleihung als Moralapostel gegen Kollegah und Kollegen ins Zeug gelegt habe. Und, andererseits: Ob man überhaupt noch ein Punk sei, wenn das eigene Rebellentum beim Erschleichen des Bäderzutritts ende.

Doofes Zeugs wie dieses ist man als Rockstar wahrscheinlich gewöhnt, eher ernst wurde es für den Hosen-Sänger dann allerdings am Freitag, als Ärzte bei ihm einen Hörsturz diagnostizierten. Das Berliner Konzert am Freitagabend wurde deswegen abgesagt. Was das für den geplanten Münchner Auftritt an diesem Sonntag als Headliner des Rockavaria-Festivals auf dem Königsplatz heißt, stellte sich am Freitagabend heraus, als das Management der Toten Hosen die Absage des Konzertes bekannt gab - eine wirklich schlechte Nachricht für die Münchner Fans.

Das wiederum, könnte man denken, wäre eine gute Nachricht für die Münchner Badebetriebe. Doch das Gegenteil ist wohl der Fall: Hatten sie sich doch auf die naheliegende Nachfrage, wie sie denn mit einem nachtbadenden Campino umzugehen gedächten, durchaus vorbereitet. Vorsichtshalber ließen die Stadtwerke durchblicken, dass an einigen Bädern Werkswohnungen stehen und den dort lebenden Bädermenschen nichts entgeht, auch kein nächtlicher Eindringling. Und dann gab es noch den Hinweis, dass im Dantebad ja bis 23 Uhr geöffnet sei für eine späte Schwimmrunde. Das aber wäre für einen wie Campino wohl kaum die passende Badezeit gewesen, weil der Auftritt selbst, hätte er denn stattgefunden, bis 23 Uhr geplant war. Wogegen im Dantebad der Punk schon um 22.30 Uhr endet, dann ist nämlich Kassenschluss.

Jetzt ist also leider klar, was der Sonntag für die Hosen-Fans bringt: Nun können sie sich aber immer noch ins Dante setzen, ein Stamperl eisgekühlten Bommerlunder trinken und sich Campinos Hit "Tage wie diese" anhören. "Wir lassen uns treiben, tauchen unter, schwimmen mit dem Strom", heißt es darin. Und dann stellt man sich vor, es wäre schon 1.54 Uhr. Das ist dann zwar nicht so schön wie ein richtiges Konzert, aber was will man machen?

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