Kritik:Mutterleid und Ehelied

Die Schweizer Kabarettistin Hazel Brugger hat einen drastischen Humor. Und macht in ihrem neuen Programm auch vor sich selbst nicht Halt. Ganz im Gegenteil.

Von Thomas Becker, München

Hazel Brugger hat schon vor Corona ihr Publikum mit einbezogen, aber so rege wie bei der Vorpremiere ihres neuen Programms "Kennen Sie diese Frau?" war der Austausch wohl noch nie. Wer nicht gerade zu den Mitmachmuffeln gehört, hat an diesem Abend im Innenhof des Deutschen Museums mehr als einmal die Hand gehoben - und das in vollem Bewusstsein, sich damit dem ja doch recht speziellen Humor dieser Frau da oben auszuliefern. Mutter und Sohn, die in Reihe eins dachten, gemütlich ein Eis verzehren zu können, werden noch ihren Enkeln davon erzählen, wie sie mal Teil einer Hazel-Brugger-Show wurden. Ein Spaß.

Hazel Brugger. Josef Hader hat mal über sie gesagt: "Konzentriert. Schnörkellos. Saucool. Hazel lässt alle Gockel-Allüren ihrer männlichen Kollegen weg." Der sehr gerne drastische Humor der Schweizerin macht auch vor sich selbst nicht halt. Per Podcast und Youtube ist sie längst zur öffentlichen Frau geworden, nimmt ihre Fans mit bis auf den Wickeltisch, an die Elektro-Wiege und zum Anstöpseln der Milchpumpe. Vor einem halben Jahr ist sie Mutter geworden: ein Lebensveränderungs-Tsunami, der in jedem zweiten Satz ihres Programms aufpoppt. Unfassbar komische Bilder findet sie für das Leiden der jungen Brugger. Und doch singt sie das Hohelied der Ehe, was man ihr direkt abnimmt, sieht man sie im "Good vibes only"-Podcast an der Seite von Gemahl Thomas Spitzer. 35 Millionen Aufrufe hat der Kanal, die gemeinsame Firma heißt Viel Spaß GmbH, ihr Credo lautet: "Wir wollen zeigen, dass deutsche Comedy auch geil sein kann. Wir glauben, dass auch smarte Leute ein Recht auf Quatsch haben." Kein Widerspruch, nirgends.

Aber auch Quatsch ist Arbeit, wenn er lustig werden soll, und so nutzt Hazel Brugger den Abend ganz offensiv als Testlauf für die Premiere kommende Woche in Köln, fragt per Applausometer die Gags über Chef-Sein, des Deutschen Liebe zum Brot und den Pferd-Esel-Kosmos ab. Nur so viel: Köln kann sich auf was gefasst machen.

© SZ/arga
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