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Harlaching/Bogenhausen:Pflege nach dem Schatten-Prinzip

Pflege-Azubis, die komplett selbst die Station übernehmen in der Klinik Bogenhausen, Englschalkinger Straße 77

Auch wenn die Pflege-Tandems noch Auszubildende sind, ist eine Hintergrund-Betreuung, wie hier im Bogenhauser Klinikum, gewährleistet.

(Foto: Florian Peljak)

Die München-Klinik geht in der Ausbildung neue Wege und lässt angehende Fachkräfte in Tandems selbständig Schichten absolvieren - erfahrene Kollegen greifen nur im Notfall ein

Auf der Suche nach qualifizierten und motivierten Pflegekräften geht die kommunale Betreibergesellschaft München-Klinik neue Wege, vor allem an den Klinikstandorten Bogenhausen und Harlaching. Bereits im zweiten Jahr läuft am südlichen Standort eine Schulstation, in der angehende Pflegerinnen - junge Männer sind nach wie vor in der Unterzahl - komplette Schichten selbständig absolvieren. Je ein Pflege-Azubi im ersten und einer im dritten Ausbildungsjahr arbeiten dabei als Tandem zusammen, begleitet von erfahrenen Kolleginnen, die aber nur auf Wunsch - oder wenn wirklich nötig - eingreifen.

Die praxisnahe Ausbildung nach diesem "Shadowing"-Prinzip startete vor einem Jahr als zweiwöchiger Pilotversuch in der Neurologischen Frührehabilitation am Klinikum Harlaching. Dort werden vor allem Schlaganfall-Patienten versorgt, viele mit Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen, was die Pflege besonders vielschichtig und anspruchsvoll macht. Mit dem begleiteten frühen Einstieg in die Praxis reagiert die Ausbildungsakademie der München-Klinik auf eine Neufassung des Pflegeberufegesetzes, dessen Anforderungen nach EU-Standards erhöht wurden.

Auszubildende, Pfleger, aber auch Patienten zeigten sich nach Abschluss des Versuchs sehr zufrieden, weshalb die Wiederholung in Harlaching in diesem Jahr von zwei auf drei Wochen verlängert wird. Außerdem wird das Projekt im Klinikum Bogenhausen ausgeweitet, wo es seit drei Jahren läuft. Mit der kardiologischen Station wurde auch dort ganz bewusst ein besonders anspruchsvolles Einsatzgebiet ausgewählt. Um die Nachwuchskräfte aus der Pflegeakademie auch nach der Ausbildung nicht an die Konkurrenz zu verlieren, hat die München-Klinik zudem die Übernahmeprämie von 3000 auf 5000 Euro erhöht - verbunden mit der Option, zwischen dem Abschluss der Ausbildung und dem Arbeitsbeginn eine Pause von bis zu einem Jahr einlegen zu können. Deutlich erhöht hat die Klinikbetreiberin auch ihre Werbeprämie für eigene Mitarbeiter, die erfolgreich neue Kollegen ins Team vermitteln. Vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis bleibt mindestens ein Jahr bestehen, können für die erfolgreiche Vermittlung bis zu 4000 Euro an den Werber und den neuen Kollegen ausgezahlt werden.

Ein neues Modell zur Personalakquise läuft außerdem gerade am Klinikum Harlaching an, wo Wiedereinsteiger in sogenannten "Flexpools" wieder in den erlernten Pflegeberuf zurückfinden können. Angesprochen werden so nicht zuletzt Fachkräfte, die den Job für die Kindererziehung oder für die häusliche Pflege von Verwandten ruhen ließen. Der Modellversuch wird, im Rahmen eines gleichstellungspolitischen Projekts, aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Die Wiedereinsteigerinnen können den Umfang ihrer Dienstzeit dabei weitgehend selbst wählen. Sie unterstützen, je nach Bedarf, verschiedene Teams in den allgemeinmedizinischen Stationen und arbeiten sich so auf dem aktuellen Stand wieder ein.

"Mit Wunscharbeitszeiten möchten wir Anreize für Pflegekräfte bieten, nach einer Pflegephase überhaupt wieder einzusteigen. Damit sollen gezielt für die vielen Frauen in der Pflege bessere Chancen geschaffen werden", erklärt Andrea Rothe, die in der München-Klinik für Gleichbehandlungsfragen zuständig ist.

© SZ vom 29.02.2020

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