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Haidhausen:Zu wenig Grün, zu viel Krach

Die Pläne zur Generalsanierung des Gasteig stoßen bei den Stadtviertelvertretern vorerst auf einhellige Ablehnung

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Kurz vor seiner Sondersitzung zum Gasteig hat der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen deutliche Kritik an den aktuellen Plänen zur Generalsanierung des Kulturzentrums geübt. Auslöser war ein Vorbescheid für die geplante Renovierung, zu dem die Lokalbaukommission (LBK) das Gremium um eine Stellungnahme gebeten hat. Diese hätte der BA lieber im Nachgang zu der Sondersitzung abgegeben, die am Montag, 28. September, in der Philharmonie stattfindet und um 18 Uhr beginnt. Doch die LBK habe dem Unterausschuss Planung mitgeteilt, dass eine Vertagung nicht möglich sei, berichtete dessen Vorsitzender Heinz-Peter Meyer (SPD). Und so lehnten die BA-Mitglieder nach längerer Debatte den Vorbescheid einmütig ab - vorbehaltlich der Sondersitzung, an deren Ende erneut eine Abstimmung erfolgen soll.

Überdies nannte der Bezirksausschuss in dem Beschluss vier Gründe für seine Entscheidung, die vornehmlich ökologischer Natur waren. "Ich bin absolut für eine Generalsanierung des Gasteig", sagte Christine Harttmann (Grüne). "Aber wir müssen auch den Klimaschutz bedenken." So störten sich etliche BA-Mitglieder daran, dass für die Sanierung circa ein Dutzend Bäume gefällt werden sollen. Hintergrund sei die geplante Öffnung des Gebäudes zur Stadt, erklärte Heinz-Peter Meyer. Er betonte aber, dass alle Kastanien entlang der Rosenheimer Straße erhalten bleiben sollen. "Wir kämpfen in jedem Hinterhof um jeden Baum", erwiderte Franz Klug (Grüne). "Und dann kommt das größte Projekt der Stadt für die nächsten hundert Jahre in unserem Bezirk, und wir stimmen zu, dass zig Bäume rasiert werden. Das wäre ein fatales Signal."

Zweitens störte sich der BA an den Plänen für die Fassade. Hier müsse eine 30-prozentige Begrünung angestrebt werden, hieß es in dem Beschluss. Drittens sprach sich das Gremium für eine Solaranlage auf dem Gasteig aus - was freilich die Pläne für ein Dachrestaurant zumindest einschränken, wenn nicht gar durchkreuzen würde. Christine Harttmann verwies in diesem Zusammenhang auf den Stadtratsbeschluss zum Klimanotstand 2019. Darin sei es explizit auch um Solarzellen beim Neubau oder der Sanierung von städtischen Gebäuden gegangen - "und das muss auch für den Gasteig gelten", forderte Harttmann. Ähnlich klang das bei ihrem Parteikollegen Franz Klug, der kritisierte, dass "die Errichtung eines Restaurants mit 100 Plätzen auf dem Dach" für die Geschäftsführung anscheinend wichtiger sei als die Einhaltung von Klimaschutzzielen. Der vierte Einwand des BA bezog sich schließlich auf den Lärm, der während der Bauzeit für die Anwohner im erträglichen Rahmen gehalten werden müsse, forderte Ulrike Goldstein (Grüne).

Um all diese Kritikpunkte wird es vermutlich auch bei der BA-Sondersitzung am Montag gehen. Sowohl Gasteig-Geschäftsführer Max Wagner als auch Kulturreferent Anton Biebl sowie Bürgermeisterin Katrin Habenschaden (Grüne) als Aufsichtsratsvorsitzende hätten ihr Kommen angekündigt, berichtete der BA-Vorsitzende Jörg Spengler (Grüne). Zudem sollte ein Vertreter der Stadtkämmerei an der Sitzung teilnehmen, regte Hermann Wilhelm (SPD) an. "Denn da werden sicher Fragen zur Finanzierung aufkommen." Nach derzeitigem Stand könnte die Renovierung des Gasteig bis zu 450 Millionen Euro kosten. Noch im Herbst will der Stadtrat über den Umfang der Sanierungsmaßnahmen entscheiden.

© SZ vom 23.09.2020

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