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Haidhausen:Kulturelle Bedürfnisse

Die Künstlerinitiative Locus möchte das alte Pissoir an der Kellerstraße für Kunstprojekte nutzen. Losgehen soll es schon diesen Sommer

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Aki Kiefer, Barbara Karrer, Leyla Schiemenz und Luca Daberto von Locus (v.l).

(Foto: Nicolas Martin-Beaumont/oh)

Rund um das stille Örtchen hinterm Gasteig ist es seit Jahren allzu still für den Geschmack vieler Menschen aus Haidhausen. Nun aber soll das frühere öffentliche Pissoir an der Kellerstraße wiederbelebt werden - nicht in seiner ursprünglichen Funktion, sondern als Kulturort. Hierfür hat sich eine Künstlerinitiative mit dem passenden Namen Locus gegründet. Sie will das derzeit abgesperrte und dem Verfall preisgegebene Klohäuschen aufhübschen und dort Kunst- und Kulturprojekte veranstalten. Das städtische Baureferat unterstützt diese Idee, und auch der Bezirksausschuss (BA) Au-Haidhausen begrüßt die Pläne.

Der BA hatte im Februar per Antrag angeregt, mögliche Nutzungen des einstigen Pissoirs zu prüfen. In der Folge sei eine Gruppe von vier Kunstschaffenden darauf aufmerksam geworden, berichtet Luca Daberto von Locus. Auch inspiriert vom ehemaligen Klohäuschen am Holzplatz, dessen Fassade seit gut einem Jahr die Konterfeis von Freddie Mercury, Albert Einstein und Rainer Werner Fassbinder schmücken, habe die neu gegründete Künstlerinitiative ein Konzept für die kulturelle Nutzung des früheren Pissoirs entwickelt, sagt Daberto. Aus dem "ungenutzten Kleinod" soll demnach ein Kunst- und Kulturort werden, der vor allem auch die Nachbarschaft und Einrichtungen aus der Umgebung einbezieht. "Wir wollen dort Netzwerke knüpfen", sagt Luca Daberto, "und unterschiedliche Öffentlichkeiten zusammenbringen."

Hierzu ist ein Veranstaltungsprogramm von Juli bis Oktober geplant - mit Ausstellungen, Workshops, Lesungen, Vorträgen und Konzerten. Stattfinden sollen sie nicht nur im und am ehemaligen Pissoir, sondern auch auf der vorgelagerten Grünfläche. Dazu ist angedacht, die Wiese mit Sitzmöglichkeiten und Pflanzkübeln auszustatten; überdies müsste das Baureferat das Klohäuschen sanieren und ans Strom- und Wassernetz anschließen. Schließlich wird die im späten 19. Jahrhundert erbaute "Bedürfnisanstalt", wie es damals hieß, schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr als öffentliche Toilette genutzt. Zugleich ist das etwas versteckt gelegene Bauwerk mit seiner Gusseisen-Konstruktion und dem Beschlagwerk-Ornament denkmalgeschützt.

Klohäuschen/öffentliches Pissoir an der Kreuzung Preysingstraße, Kellerstraße hinter dem Gasteig.

Seit zehn Jahren ist das denkmalgeschützte Klohäuschen dem Verfall preisgegeben.

(Foto: Florian Peljak)

"Dieser Ort hat viel Charme und bietet die Möglichkeit für ganz besondere Kunstprojekte", sagt Luca Daberto. Seinen Vorstellungen zufolge würde die Künstlerinitiative dort heuer und auch im Sommer nächsten Jahres ein vielfältiges Kulturprogramm anbieten - mit Veranstaltungen alle ein bis zwei Wochen, stets bei freiem Eintritt. Im Anschluss, so der Plan von Locus, soll das ehemalige Pissoir von 2023 an von lokalen Kulturschaffenden oder einer Einrichtung aus der Umgebung als Kulturort weitergeführt werden. Hinsichtlich der Finanzierung rechnet die Künstlerinitiative mit Kosten von circa 30 000 Euro. Schließlich wolle man die Künstlerinnen und Künstler "fair bezahlen", betont Luca Daberto. Um die Finanzierung zu stemmen, will Locus sich nun um Zuschüsse von verschiedenen Stiftungen, dem städtischen Kulturreferat und dem Bezirksausschuss bemühen.

Letzterer hat sich für eine Förderung offen gezeigt. Im Zuge der Debatte im BA-Unterausschuss Kultur kamen jedoch zwei Fragen auf, die man nun ans Rathaus weiterleiten wird. Zum einen erbittet der BA eine Stellungnahme des Gartenbauamts, inwiefern die Grünflächen rund um das ehemalige Pissoir bei Veranstaltungen genutzt werden können, ohne dass die Bäume dort zu Schaden kommen. Zum anderen will der BA vom Mobilitätsreferat wissen, ob die anliegenden Gehwege als temporäre Veranstaltungsfläche dienen dürfen. Und nicht zuletzt auch: Welche Auswirkungen die anstehende Sanierung des Gasteigs auf die Pläne haben könnte.

© SZ vom 19.05.2021
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