Haidhausen Grün atmen

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"Green City" sagt der Luftverschmutzung in Haidhausen und anderen Teilen der Stadt den Kampf an

Von Johannes Korsche, Haidhausen

Für Andreas Schuster von der Umweltorganisation "Green City" soll der Mittwochabend nur der Kick-Off gewesen sein. Der Start für viele weitere Aktionen und Treffen in Haidhausen, die der Luftverschmutzung in dem Viertel den Kampf ansagen. Am Ende sollen ein Straßenfest und ein Bürgerbegehren stehen. Doch aller Anfang ist beschwerlich. In etwa 20 Teilnehmer sind zu dem Workshop "Brennpunkt saubere Luft - Die unsichtbaren Krankmacher in Haidhausen" in den Kolpingsaal an der Kirchenstraße gekommen. Im Fokus stand am Mittwochabend der Autoverkehr: "Die Stadt ist für die Menschen da und nicht für die Autos", darin waren sich alle Anwesenden einig.

Joachim Lorenz, ehemals Gesundheits- und Umweltreferent der Stadt München, eröffnete den Workshop. Er sprach über die Luftverschmutzung in München, denn: Wegen der Belastung in der Landeshauptstadt - und 34 weiteren deutschen Städten - droht Deutschland eine Klage der Europäischen Union. Zu regelmäßig werden die vorgegebenen Grenzwerte in der Luft nicht eingehalten, besonders bei den Stickoxiden.

Einige der Ideen, was man dagegen unternehmen kann, stellte Lorenz vor; für ihn "muss der Schwerpunkt auf dem Verkehr liegen". Daher sollte der gewerbliche Verkehr auf Elektro-Autos umrüsten und nur noch Autos der Euro-6-Norm in die Stadt gelassen werden. Schnellradwege ins Umland müssten ausgebaut werden: "Den Leuten muss bewusst werden, dass Mobilität nicht ans Auto gebunden ist." Außerdem plädierte Lorenz für weniger Parkplätze in der Stadt, so kämen auch weniger Pendler mit dem Auto zur Arbeit. Die Pendler lösten bei den meisten Teilnehmern ohnehin ein Gefühl der Ungerechtigkeit aus: "Die wohnen außerhalb, haben dort ihre gute Luft und verpesten uns die Luft mit ihren Autos", sagt ein Teilnehmer. Andere sind "wütend und desillusioniert", der VW-Skandal habe eine Ohnmacht gegenüber der mächtigen Autolobby hinterlassen.

Wie Green City gegen diese Ohnmacht konkret vorgehen kann, wurde anschließend thematisiert. Die Umweltorganisation erhoffte sich Vorschläge, wie sie das abstrakte Thema der "Luftreinheit" konkret in Haidhausen anpacken kann. Jannai Flaschberger, 25 Jahre alter Student, findet: "Das Problem muss zum Problem der Menschen gemacht werden." Man könnte doch an vielen Straßen Displays aufstellen, die immer anzeigten, welcher Belastung der Passant momentan ausgesetzt sei. Er hofft, dass so ein Bewusstsein für saubere Luft entsteht.

Auch Lorenz hat noch eine Idee: Nach dem Vorbild des "Streetlife-Festivals" auf der Leopoldstraße könnte ein Stadtteil-Festival veranstaltet werden. Auf diese Weise hofft er, die Vorteile einer autofreien Stadt für die Haidhauser deutlich zu machen. Ein möglicher Ort ist schnell gefunden: die Weißenburger Straße. Andreas Schuster ist "sehr zufrieden" mit dem Abend. Aus den Teilnehmern will er nun eine Gruppe formen, die im Stadtteil aktiv wird. Nach dem Vorbild dieses Abends plant Green City ähnliche Veranstaltungen in anderen Stadtteilen. Denn für ein weiteres Ziel benötigen sie viele Mitstreiter: ein Bürgerbegehren gegen den Autoverkehr in der Stadt.