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Haidhausen:Feuerteufel

Brand im Salesianum-Wohnheim vorsätzlich gelegt

Von Patrik Stäbler, Haidhausen

Der folgenschwere Brand im Jugendwohnheim Salesianum Mitte Oktober ist offenbar gezielt verursacht worden. Zwar sind die Ermittlungen der zuständigen Polizei zufolge noch nicht abgeschlossen. Aber nach derzeitigem Stand "wird davon ausgegangen, dass das Sofa vorsätzlich angezündet wurde", teilt ein Sprecher der Münchner Polizei mit. Jenes Möbelstück stand in einer Wohngruppe im dritten Stock des Gebäudes, von wo aus sich das Feuer in den frühen Morgenstunden des 16. Oktober rasch ausbreitete. Circa 400 Personen, die sich im Haus aufhielten, mussten in Sicherheit gebracht werden; vier von ihnen kamen mit Verdacht auf Rauchvergiftung in Münchner Kliniken. Insgesamt waren mehr als 100 Feuerwehr- und Einsatzkräfte im Einsatz.

Ein Gebäudeteil des Salesianums wurde bei dem Brand so schwer beschädigt, dass er bis heute nicht genutzt werden kann, teilt eine Sprecherin der Salesianer Don Boscos mit, des Trägers der Einrichtung. Die Jugendlichen, die dort wohnten, konnten jedoch innerhalb des Gebäudes umziehen, "da vor allem der Gästebereich des Hauses coronabedingt derzeit nicht belegt ist". Die etwa 40 jungen Menschen waren nach dem Brand vom pädagogischen Personal des Hauses sowie von Fachkräften der Polizei und der Feuerwehr pädagogisch und psychologisch betreut worden. Inzwischen sei dies nicht mehr der Fall, merkt die Sprecherin an. Ihr zufolge war der Betrieb des Salesianums nach dem Brand stets gewährleistet. In dem Jugendwohnheim am St.-Wolfgangs-Platz leben an die 450 junge Menschen im Alter von 15 bis 27 Jahren.

Laut der Sprecherin ist ein Gutachter derzeit noch dabei, die genaue Schadenshöhe zu ermitteln. Die Polizei schätzt diese auf etwa eine Million Euro. Entwarnung gab es derweil von der städtischen Lokalbaukommission, die das Gebäude nach dem Brand auf seine Statik untersuchte. Diese "wurde geprüft und ist gewährleistet", so die Sprecherin der Salesianer Don Boscos. Aktuell rechne man damit, dass die Renovierung des betroffenen Gebäudeteils im kommenden Frühjahr beginnen könne.

Unterdessen prüfen die Ermittler der Polizei, inwiefern das Feuer am 16. Oktober in Zusammenhang steht mit einem weiteren Brand im Salesianum nur wenige Tage zuvor. Zu diesem war die Feuerwehr ebenfalls ausgerückt, nachdem in der Nacht ein Papierkorb in einer Toilette in Brand geraten war. Zwei Jugendliche hatten dieses Feuer frühzeitig bemerkt und auf einen Handfeuermelder gedrückt. Als die Einsatzkräfte am Salesianum ankamen, war das Gebäude daher bereits geräumt. Die Feuerwehr konnte das Feuer ohne größere Mühe löschen. "Aufgrund der Gesamtumstände", so formuliert es ein Polizeisprecher mit Blick auf das ungleich schwerwiegendere Feuer vier Tage später, müsse nun geprüft werden, "ob ein Tatzusammenhang besteht"

© SZ vom 11.12.2020
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