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Gräfelfing:Übereinkunft ohne Konsens

Im Gemeinderat stellt eine Mehrheit die Weichen bei der umstrittenen Standortfrage für die neue Turn- und Schwimmhalle. Unterdessen will eine Initiative per Bürgerentscheid eine erneute Prüfung erzwingen

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Die weitere Planung der neuen Turn- und Schwimmhalle aussetzen, alle Entscheidungen ruhen lassen und den Standort erneut überprüfen - mit diesen Forderungen ist die Fraktion der Grünen/Unabhängige Liste in der Gräfelfinger Gemeinderatssitzung erneut nicht durchgekommen. Auch die SPD scheiterte mit einem Antrag zu dem Thema. Die Mehrheitsverhältnisse im Gremium sprechen eindeutig für die Weiterverfolgung der aktuellen Planung. Unterdessen hat die Bürgerinitiative "Rettet den Schulwald" den Boden für ein Bürgerbegehren bereitet. Die Unterschriftenlisten werden derzeit juristisch geprüft.

Die geplante Halle besteche in ihrer Optik und der ökologischen Bauweise - das betonen die Gemeinderäte in Geschlossenheit immer wieder. Kein Konsens besteht bei der Standortfrage. Die Grünen/Unabhängige Liste wie auch die SPD fordern, wann immer es sich anbietet, eine erneute Standortprüfung. Sie wollen wissen, ob die neue Sportstätte auf der anderen Straßenseite, genau dort, wo die alte, abzureißende Halle steht, nicht besser aufgehoben ist. Dann könnte der Schulwald unversehrt bleiben. Das ist auch die Haltung der Bürgerinitiative, die um den Erhalt des Schulwaldes kämpft.

Bürgermeister Peter Köstler (CSU) hatte zuletzt betont, die Standortfrage sei intensiv diskutiert, abgewogen und durch Mehrheitsbeschluss besiegelt worden. Bei der Haltung blieb er auch in der jüngsten Sitzung. Den offenen Brief der Bürgerinitiative, in der das Bürgerbegehren angekündigt und erneut der Beschluss zur Standortüberprüfung gefordert wurde, empfand er als "Drohung", sagt er auf Anfrage. "Aber das ist Demokratie."

Die Gemeinderäte beschlossen mehrheitlich, in weitere Planungsphasen einzusteigen. Im nächsten Schritt steht die Baugenehmigung an. Nachdem die SPD-Fraktion mit ihrem Antrag zur erneuten Standortprüfung gescheitert war, trug sie den Beschluss mit, wenn auch "schweren Herzens" wie Sabine Müllauer (SPD) betonte. Andere Gemeinderäte hatten für die aktuelle Planung geworben. Eine erneute Standortprüfung verursache hohe Planungskosten und einen Zeitverlust, gab Florian Brenner (CSU) zu bedenken. Ein Bau der Halle innerhalb des Campus verbaue zudem alle Möglichkeiten für Schulerweiterungen, da die neue Halle aufgrund des gewachsenen Bedarfs wesentlich größer als die alte werden würde. Brigitte Braun (CSU) stellte eine Frage, die einen neuen Aspekt in Standortdebatte brachte: ob denn die jetzige geplante ökologische Bauweise sich auch am alternativen Standort auf dem Campus umsetzen ließe. Schwimm- und Turnhalle könnten wegen des begrenzten Platzes dort nicht nebeneinander angeordnet, sondern müssten übereinandergestapelt werden.

Architekt Patrik Stremler machte klar, dass der Flächenverbrauch im Wald in keiner Relation zum Zementverbrauch stehe, der für die Stapellösung nötig sei. Es käme dann nämlich keine Holzdeckenkonstruktion mehr in Frage, sondern ein massives Betontragwerk. "Die Zementindustrie ist der größte Klimakiller." Lion Buro (Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing) betonte, dass eine "Monsterbaustelle", wie sie zu erwarten sei und die zwei bis drei Jahre lang den Schulhof blockiere, für die Schüler nicht zumutbar sei. "Wir dürfen mutig sein, die aktuelle Planung offensiv zu vertreten", appellierte Thomas Heidenreich (CSU).

Die Architekten vom Büro Dietrich/Untertrifaller stellten erneut die detaillierte Planung vor. Die Nachhaltigkeit des Gebäudes stand dabei im Mittelpunkt. Turn- und Schwimmhalle sind als Holzkonstruktion geplant, auch das Dach, das begrünt wird, soll zu 80 Prozent aus Holz gebaut werden. Für die Fassade wie auch die Innenräume soll weitgehend unbehandeltes heimisches Holz verwendet werden. Trinkwasser und Schwimmbadwasser wird doppelt genutzt, da es noch für die Toilettenspülung zum Einsatz kommt wird. Die Photovoltaik-Anlage deckt den Energiebedarf für sechs Monaten im Jahr.

© SZ vom 25.07.2020

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