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Gräfelfing:Leben auf der Grube

So könnte der Jahnplatz einmal aussehen. Simulation: Architekturbüro Adamek + Hölzl/oh

Lange klaffte auf dem Jahnplatz ein Bauloch. Jetzt will die Gemeinde dort in Absprache mit den Eigentümern ein kleines Geschäftszentrum errichten

Von Annette Jäger, Gräfelfing

Die Weichen sind gestellt, damit auf dem ehemaligen Postgrundstück auf dem Jahnplatz in Gräfelfing endlich gebaut werden kann. In seiner Sitzung stimmte der Bauausschuss dem städtebaulichen Konzept zu. Gestaltung, Größe und Nutzung wurden in enger Absprache mit den Eigentümern festgelegt. Ein Boardinghaus sowie ein großer Supermarkt sollen auf dem Grundstück entstehen, auf dem seit Jahren eine offene Baugrube klafft. Nun kann ein vorhabenbezogener Bebauungsplan erstellt werden.

Die offene Baugrube blockiert seit Jahren die Umbaupläne der Gemeinde Gräfelfing für den bislang schmucklosen Jahnplatz. Bei der Kommunalwahl im März dieses Jahres war die von den Lochhamern dringend gewünschte Platzgestaltung Teil der Wahlkampfprogramme diverser Parteien und Ortsverbände. Mehr Aufenthaltsqualität sollte hier entstehen wie auch Geschäfte, damit die Lochhamer wohnortnah einkaufen können. Lange zeigten sich jedoch die Eigentümer der Baugrube nicht willens, auf dem platzprägenden Grundstück aktiv zu werden und zu bauen. Da Gestalt und Nutzung des zentralen Bauwerks unmittelbar Einfluss auf die Platzgestaltung haben, wollte der Gemeinderat mit einem Umbau des gesamten Areals noch abwarten.

Nun konnte die Gemeinde mit dem Beschluss in seiner Sitzung das Planungsziel, zentral in Lochham einkaufen zu können, verankern. Im Erdgeschoss soll ein großer Vollsortimenter-Supermarkt entstehen. Dem Eigentümer gehören auch die bereits bestehenden Häuser, die sich rechtwinklig an das brachliegende Grundstück anschließen. Hier ist bereits ein Edeka-Markt vorhanden, der erweitert werden kann. In den oberen Stockwerken des Neubaus ist das Boardinghaus mit 37 Wohneinheiten vorgesehen.

Seit über einem Jahr verhandelt der Gemeinderat mit dem von den Eigentümern beauftragten Architekten über Gestaltung und Baumasse der Immobilie. Erste Entwürfe wurden abgelehnt, weil sie zu massiv wirkten und sich nicht mit dem Gesamtkonzept vertrugen, das ein Städteplaner bereits für den Platz erarbeitet hatte. Nun konnten sich Planer und Gremium einigen. Auch die vorgesehenen Abstände zu den Nachbarn im Westen waren jetzt konsensfähig. Von der hinteren Wand des Supermarktes bis zur Grundstücksgrenze sind zehn Meter Abstand vorgesehen, sagte Bauamtsleiter Markus Ramsauer. Der Bereich soll terrassiert und begrünt werden. Auch der Altbestand mit dem jetzigen Edeka-Markt wird komplett saniert und umgebaut. Die Dächer der beiden ineinander übergehenden Gebäude werden über ein großes zurückgesetztes Atelierfenster verbunden. Im Altbestand sind bereits Arztpraxen und Dienstleister untergebracht.

Hand in Hand mit den Eigentümern wird nun der vorhabenbezogene Bebauungsplan erarbeitet, auf dessen Grundlage dann ein Bauantrag eingereicht werden kann. Ist der Bebauungsplan aufgestellt, was laut Markus Ramsauer etwa ein Jahr in Anspruch nehmen wird, tickt die Uhr: Die Eigentümer haben dann sechs Monate Zeit, einen Bauantrag einzureichen, sonst verfällt das Baurecht. Beste Voraussetzungen also, dass in absehbarer Zeit die Grube, aus der bereits Bäume wachsen, gefüllt wird.

© SZ vom 02.07.2020

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