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Gräfelfing:Günstiger in Grenzen

Vielfahrer im Würmtal entlastet nach Einschätzung des MVV die Reform, Einzelfahrten und Tageskarten würden dagegen eher teurer.

(Foto: MVV)

Die Tarifreform des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds zeigt: Das Pendeln innerhalb des Würmtals zwischen Lochham und Gauting wird günstiger, ein Tarifsprung bleibt aber trotzdem bestehen

Der tägliche Autoverkehr auf den Straßen der Würmtalgemeinden Gräfelfing und Planegg belastet die Kommunen erheblich. Die Gemeinde Gräfelfing hat jüngst ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben, das mitunter ein Ziel hat: umweltfreundliche Alternativen zum Autofahren zu bieten. Ein wichtiger Standpfeiler in dem Konzept ist der öffentliche Personennahverkehr. Die Tarifreform des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) zum 15. Dezember kommt da gerade zum richtigen Zeitpunkt. Die Reform zeigt: Das Pendeln innerhalb des Würmtals zwischen Lochham und Gauting wird günstiger, eine Tarifgrenze bleibt trotzdem bestehen.

Das Würmtal umfasst auf der S-Bahn-Linie S 6 die fünf Stationen Lochham, Gräfelfing, Planegg, Stockdorf und Gauting. Innerhalb dieses Gebiets pendeln viele Würmtaler rege hin und her: zu den diversen Schulen in den Gemeinden, zu Arbeitsplätzen, zu Kursen der Volkshochschule, ins Kino nach Gauting oder Gräfelfing, zum Einkaufen in die Bahnhofstraßen, in Sportvereine oder in die Arztpraxen. Bislang verläuft die Tarifgrenze in Stockdorf, was die Fortbewegung innerhalb der dicht verwobenen Würmtalgemeinden mit der S-Bahn teuer macht: Vier Streifen auf der blauen Streifenkarte, was 5,60 Euro entspricht, oder 5,80 Euro für die Einzelfahrkarte kostet es, um von Gauting nach Gräfelfing zu gelangen. Kein Wunder, dass die Würmtalpendler auf das Auto setzen.

Mit der MVV-Reform zum 15. Dezember ändert sich das: "Innerhalb des Würmtals ist man mit zwei Streifen unterwegs", sagt Franziska Hartmann, Sprecherin des MVV: das entspricht einem Wert von 2,80 Euro auf der blauen Streifenkarte oder 3,30 Euro für die Einzelfahrkarte, also deutlich weniger als bisher. Das liegt an der neuen Zoneneinteilung: Wie viele andere Haltestellen im Münchner Umland, liegen auch die Stationen Lochham, Gräfelfing, Planegg und Stockdorf in zwei Zonen: M und Zone eins. Die Tarifgrenze verläuft in Gauting, die Kommune liegt somit in der Zone eins und zwei. Fahrgäste können entsprechend der Fahrtrichtung jeweils die für sie günstigere Zone wählen: Wer beispielsweise zwischen Gauting und Lochham unterwegs ist, wählt nur Zone eins, denn beide Haltestellen weisen diese Zone aus. Eigentlich wird pro Zone nur ein Streifen auf der Streifenkarte benötigt, aber weil es einen Grundpreis von zwei Streifen gibt für Fahrten mit dem MVV, müssen Fahrgäste zwei Streifen investieren. Wer sich zwischen Stockdorf und Lochham bewegt, fährt nur innerhalb der Zone M und zahlt dafür auch zwei Streifen, den Einheitspreis für die Zone M.

Die Tarifgrenze in Gauting erachten viele MVV-Nutzer als Nachteil, gerade weil es einen regen Pendelverkehr zwischen den Würmtalgemeinden gibt. Eigentlich gilt als Prinzip der Reform, keine Tarifgrenzen durch geschlossene Ortschaften verlaufen zu lassen. In Gauting wird das Prinzip verletzt, Stockdorf ist ein Ortsteil der Kommune und liegt in einer anderen Zone. Allerdings handelt es sich zwischen Gauting und Stockdorf um keine durchgängig bebaute Siedlungsfläche, erklärt Hartmann, das Grubmühler Feld liegt dazwischen, "irgendwo muss die Grenze verlaufen".

Ein Trost in dieser Hinsicht könnte die Kurzstrecke sein, die nach wie vor gilt und die gerade für Fahrgäste, die innerhalb des Würmtals unterwegs sind, attraktiv sein kann. Für einen Streifen können sie bis zu zwei Haltestellen mit der S-Bahn zurücklegen oder bis zur vierten Haltestelle nach dem Einstieg mit dem Bus. Das heißt: Von Planegg nach Gauting ins Kino beispielsweise fällt nur ein Streifen mit der S-Bahn an. Attraktiv ist die Kurzstrecken-Regelung vor allem für Busfahrten. "Innerhalb einer Gemeinde ist jede Fahrt eine Kurzstrecke und kostet nur einen Streifen", erklärt MVV-Sprecherin Hartmann. Damit kostet Busfahren innerhalb einer Gemeinde nur noch einen Streifen zu 1,40 Euro oder 1,70 Euro für die Einzelfahrkarte. Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 21 Jahren können künftig die eigene U21-Streifenkarte nutzen zu 7,70 Euro, müssen dafür aber immer so viele Streifen entwerten, wie mit der üblichen blauen Streifenkarte für Erwachsene anfallen, nicht mehr wie bisher einfach die Hälfte der Streifen. Die Kurzstrecke gibt es nicht mit der U 21-Streifenkarte.

Grundsätzlich gilt für das Würmtal, was für die gesamte Reform charakteristisch ist: Vielfahrer würden entlastet, Einzelfahrten und Tageskarten würden eher teurer, sagt Hartmann. Wer aus den Würmtalgemeinden Gräfelfing oder Planegg nach München pendelt, benötigt die Monatskarte Isarcard für die Zone M und zahlt dafür künftig 55,20 Euro statt 79,10 Euro. Die Isarcard 65 für die Zone M kostet 46,40 Euro, nur 1,70 Euro weniger als bisher. Das Fazit der Reform für das Würmtal: Öffentlich Fahren wird günstiger. Ob die Würmtaler das Angebot auch nutzen, hängt womöglich auch von deren Bereitschaft ab, sich mit dem nach wie vor kompliziert erscheinenden Tarifsystem auseinanderzusetzen.

© SZ vom 07.12.2019
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