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Gräfelfing:Gefahr aus dem Altglascontainer

Ungespülte Honiggläser können bei Bienen Faulbrut verursachen

Honiggläser ungespült in den Altglascontainer zu werfen, das kann für Bienen fatale Folgen haben. Davor warnt der Imkerverein Gräfelfing. Auf diese Weise könne sich die amerikanische Faulbrut (AFB) ausbreiten, die die Brut der Bienen zerstört. Das erklärt Imkerin Uschi Grünenwald vom Imkerverein. Da es immer mehr Hobbyimker gebe, steige auch die Gefahr eines Befalls.

Die Faulbrut ist eine anzeigenpflichtige, hochansteckende Bienenseuche. Wurde sie in einen Stock eingeschleppt, wird der Amtstierarzt benachrichtigt, der darüber entscheidet, ob die Bienen gekeult werden müssen. Ist der Befall nur gering, kann der Bienenstock saniert werden. Die Bienen würden dann alle entnommen, drei Tage lang ausgehungert und auf neue Waben gesetzt, erklärt Grünenwald. In jedem Fall werde ein Sperrgebiet im Umkreis von zwei bis drei Kilometern um den befallenen Stock eingerichtet. Alle Bienenstöcke müssen dann an ihren Standorten verbleiben, der Imker muss jedes einzelne Bienenvolk in dem Sperrgebiet überprüfen. Eine Sperrung dauert mindestens zwei Monate, manchmal eine ganze Saison lang, sagt Grünenwald. In Gräfelfing habe es bisher noch keine solche Sperrung gegeben, wohl aber seien Imker im Verein betroffen gewesen. Zuletzt sei im nahen Puchheim ein Sperrbezirk eingerichtet gewesen.

Die Sporen der Faulbrut sind nicht selten im Honig zu finden, dem Menschen schaden sie jedoch nicht, erklärt die Imkerin. Wenn die Bienen sich vom süßen Geruch, der von entsorgten Honiggläsern im Glascontainer ausgeht, anlocken lassen, nehmen sie die Sporen auf und tragen sie in den Bienenstock. Ist die Brut infiziert, fault sie regelrecht dahin. Schon an dem Geruch sei ein befallener Stock zu erkennen, "es stinkt wie ungewaschene Socken". In geringen Mengen können die Bienen der Seuche wohl trotzen, meint Grünenwald. Aber oft seien sie durch die Varroamilbe oder Pestizide geschwächt, dann gehe die Ausbreitung der Seuche schnell. Honiggläser sollte man deshalb nur gespült entsorgen oder, noch besser, dem Imker geben.

© SZ vom 13.06.2020

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