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"Gloria" in München:Schatten eines Clowns

Man kennt ihn als blödelnden Fernsehmoderator, der keinen Pups-Witz auslässt. Dabei kann Klaas Heufer-Umlauf auch leise - was er mit dem zweiten Album "Geister" seiner Band "Gloria" beweist.

"Wir sind nicht zum Labern hier." So startete Klaas Heufer-Umlauf 2013 einige Konzerte auf seiner ersten Tournee als Sänger. Die wenigsten in den Clubs dürfte das enttäuscht haben. Das große Publikum, das ihn als TV-Kasper im Duo infernale "Joko & Klaas" feiert, war wohl eh zu Hause vor der Glotze kleben geblieben. Seine Band Gloria war etwas für Kenner. Das Album brachte es auf Platz 84. Um Zahlen ging es dem Fernsehstar hier aber nicht. Sondern um Freundschaft.

Mit seinem Kumpel Mark Tavassol, dem Gitarristen der stillgelegten Band Wir sind Helden, machte er "in daddelhaften Heim-Sessions" Musik. "Jeder will mit seinem besten Freund in einer Band spielen, seit er neun ist", erklärt Tavassol. Die beiden waren die Brennstoffzelle von Gloria, zwei Pole: Der ehemalige Arzt Tavassol, Hamburger, Jahrgang 1974, Songwriter durch und durch. Und der ehemalige Friseur und Altenpflege-Zivi Heufer-Umlauf, neun Jahre jünger, Berliner, mit einem "naiv-unverbrauchten Blick auf die Musik". Da köchelte etwas Zauberhaftes zusammen.

"Etwas leicht Schweres"

Sensibler, deutschsprachiger Indierock, wie man ihn vor allem dem Clown Klaas nicht zugetraut hätte. Der macht ja in Sendungen wie "Circus Halligalli" gerne Pups-Witze, besäuft sich oder setzt sich in Bienenstöcke. Idol der selbst(versuchs)verliebten Internet-Generation. Er blödelt viel, sagt er ernst. Aber er brauche ein Gegengewicht, "etwas leicht Schweres".

"Ein Freundschaftsding" sei ihre Band, sagen der Fernseh-Showmaster Klaas-Heufer Umlauf (rechts) und Wir sind Helden-Gitarrist Mark Tavassol.

(Foto: K. Hintze)

In diese Tiefe taucht er auf dem zweiten Gloria-Album "Geister" noch mehr ein, mit übrigens sehr angenehmer Stimme und mit diesmal viel Piano und noch mehr Metaphern. Heufer-Umlauf und Tavassol ver- und bedichten Themen von Abenden, "an denen man vom Hundertsten ins Tausendste kommt": Religion, Illusionen, Schwarzweiß-Denken, Schatten, Heilige und Hunde, innere Lähmung, Haltung.

In "Stolpersteine" geht es um München

"Geister" sind für sie die "Hirngespinste, in die man sich verrennt, die Schreckgespenster der eigenen Persönlichkeit", sagt Heufer-Umlauf. Mit der Bass-satten Elegie "Stolpersteine" rühmen sie tatsächlich jene München spaltenden Gedenkplatten für gepeinigte Juden: "Gegen die Routine unter deinen Füßen / Ihre Kraft fügt sich zusammen / Du könntest es erkennen / Ohne Schuld zu sein oder selbst dafür zu büßen . . . Und wenn du hier über ihre Steine fällst ist es okay denn du darfst gehen."

Die Hintergründe der Songs wird Klaas Heufer-Umlauf auch erzählen, wenn Gloria mit ihrer Tournee-Band das Album im längst ausverkauften Muffatcafé vorstellen. Im Herbst gehen sie wieder auf große Konzertreise, weil es beim ersten Mal so toll war. Tavassol hat sich in die intime Anfangszeit mit den Helden zurückversetzt gefühlt, und für das Greenhorn Heufer-Umlauf war es: "Angsteinflößend. Und schön. Die ganzen schwarzen und weißen Tasten der Gefühle." Ein bisschen hat er dann doch gelabert (etwa vom Sucht-Rocker Pete Doherty, der ihm mal eine Ikea-Lampe für 15 Euro geklaut hat), vielleicht, weil ihm das Sicherheit gab. Es hat niemand gestört.

Gloria, Mo., 10. Aug., 20.30 Uhr, Muffatcafé, Zellstr. 4, ausverkauft; Zusatztermin: Sa., 3. Okt., Strom, Lindwurmstraße 88, 21 83 73 00

© SZ vom 10.08.2015/lime
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