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Giesing:Heimspiel für Real München

Nicht nur Fußball: In der Heimat der Sechzger, dem städtischen Stadion an der Grünwalder Straße, ist ein Kulturevent geplant.

(Foto: Robert Haas)

Der Kulturverein, einst Ausrichter von "Ois Giasing", will im Sechzger-Stadion ein großes Kulturevent ausrichten

Weit über die Sechzger-Spiele hinaus gilt das städtische Stadion an der Grünwalder Straße seit Jahren als Deutschlands meist bespielte Sportarena. Mit einem "Fest der Kulturen" könnte es von 2020 an auch zur Freiluft-Konzertbühne werden. Der Verein "Real München e. V." plant unter diesem Titel ein Großevent. Die 2016 gegründete Initiative hat sich vor allem mit dem Festival "Ois Giasing" 2017 und 2018 einen Namen gemacht - und dessen Organisation kürzlich in die Hände des separaten Vereins "Wir in Giesing" gelegt.

"Wir denken nun weiter und machen uns seit Längerem Gedanken über ein Kulturevent auf einer repräsentativen Bühne, um die Absicht des Vereins in einem neuen Format zu präsentieren", heißt es in einem Schreiben an den Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching (BA 18), auf dessen Gebiet das Stadion liegt, direkt an der Grenze zu Obergiesing (Bezirk 17).

Im Austausch mit der lokalen Kulturszene und anderen Münchnern, schreiben die "Real"-Akteure Tuncay Acar, Luisa Berauer und Mehmet Birinci, "stießen wir vermehrt auf den Wunsch, dem Stadion neben seiner Funktion als Austragungsort für Fußballspiele auch eine kulturelle, gesellschaftsübergreifende Funktionalität zukommen zu lassen". Der Verein versteht sich nicht einfach als Eventveranstalter. Multikulturell ausgerichtet, will er sich "für den Umgang auf Augenhöhe mit unterprivilegierten Gesellschaftsschichten einsetzen und deutlich gegen die Ausgrenzung kultureller Randgruppen positionieren". Das Giesinger Stadion biete sich dafür an, "aufgrund seiner Geschichte und seiner politischen Bedeutung für Giesing und München". Sein für Sommer 2020 geplantes Festival hat "Real e. V." durchaus groß skizziert: Unter anderem würden die Veranstalter gerne den französisch-spanischen Sänger Manu Chao buchen, der vor 20 Jahren mit seinem eklektischen "Mestize"-Stil und Hits wie "Bongo Bong" auch große Hallen und Arenen füllte. Die Istanbuler Band "Baba Zula" gehört mit ihrem "Oriental Dub" ebenfalls zu den international bekannten Weltmusik-Größen und soll dort auftreten, neben diversen Münchner Künstlern.

Der Bezirksausschuss hat das Projekt vorerst in den Kultur-Unterausschuss vertagt und will im Juni dazu Stellung nehmen. BA-Chef Clemens Baumgärtner (CSU) äußerte sich schon einmal skeptisch. Er befürchtet, dass Freiluftkonzerte im Stadion "das Viertel überfordern" könnten. Lärmbelästigung steht schon heute auf der Beschwerdeliste der Anwohner weit oben. Regelmäßig kritisieren Nachbarn zum Beispiel die ungünstige Ausrichtung der Lautsprecheranlagen, auch in die umgebenden Wohnstraßen hinein. An Giesinger Nerven zerrt außerdem ausdauerndes Getrommel, auch lange vor und nach den Spielen.

Ein runder Tisch im Februar brachte keine Einigung. Unabhängig vom Ergebnis einer laufenden Machbarkeitsstudie zum Ausbau, wird das Rund schon heute nicht nur von den Löwen intensiv bespielt, sondern unter anderem auch von den Bayern-Amateuren und von Herbst an vom SV Türkgücü-Ataspor. Der Umzug der FCB-Damen in den Bayern-Campus an der Ingolstädter Straße verspricht demgegenüber kaum Entlastung.