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Gebühren bei der Stadtsparkasse:"Die Ärmsten subventionieren die Kontogebühren der Reicheren"

Sparkasse

Die Stadtsparkasse informierte Privatkunden über das "Angebot", die Gebühren zu erhöhen. Wer ablehnte, dem wurde gekündigt.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
  • Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen hat die Stadtsparkasse München die Kontoführungsgebühren für Privatkunden erhöht.
  • Für Bedürftige und Geringverdiener ist das ein Problem. Diese können darum eine Ermäßigung auf den alten Preis beantragen.
  • Nur sehr wenige Kunden haben die Ermäßigung beantragt. Das könnte daran liegen, dass die Bank über die Möglichkeit kaum aufklärt.

Als die Stadtsparkasse München im vergangenen Jahr ihre Gebühren für private Girokonten erhöhte, sorgte das für viel Aufregung. Letztlich habe aber "nur ein äußerst geringer Teil der Girokunden" der Vertragsänderung widersprochen, erklärt Joachim Fröhler, Sprecher der Stadtsparkasse, ohne genaue Zahlen zu nennen. Der "überwiegende Teil" habe sich aber dann doch noch überzeugen lassen, ihren Widerspruch zurückzuziehen.

Wer das nicht getan hat, dem hat die Stadtsparkasse inzwischen das Konto gekündigt. Betroffen seien nur "wenige Hundert" der rund 500 000 Privat-Girokonten. Es sei "wirtschaftlich nicht mehr vertretbar, diese Konten zu den alten Preisen weiterzuführen". Die auf Intervention von OB Dieter Reiter kurzfristig eingeführte Ermäßigung für Kunden mit geringem Einkommen nehmen nur wenige in Anspruch - weil es für die Berechtigten bisher kaum Informationen gab.

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Unter ihnen ist auch ein Münchner Rentner, der bislang 2,30 Euro pro Monat für sein Online-Konto bezahlte. Der 74-Jährige bezieht zusätzlich Sozialhilfe, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Ihm teilte die Sparkasse im April 2016 mit, dass sein Konto "ganz automatisch" umgestellt werde und dann 2,95 Euro pro Monat kosten soll, dazu kommen allerdings noch viele Gebühren für einzelne Leistungen. "Wir haben unsere Konto- und Karten-Angebote für Sie neu gestaltet", hieß es in dem Schreiben. "Damit werden wir unsere Angebote noch besser auf Ihre Bedürfnisse anpassen."

Von der so getarnten Preiserhöhung war der Kunde alles andere als begeistert und lehnte das "Angebot" ab, so wie das in dem Schreiben für den Fall vorgesehen war, wenn er nicht einverstanden sein sollte. Konsequenzen dafür hatte die Stadtsparkasse nicht angekündigt. Um so mehr ärgert den Mann, dass ihm inzwischen die Sparkasse das Konto mit Wirkung von Ende Oktober an gekündigt hat und sich darauf beruft, dass er die neuen Konditionen mit Preiserhöhungen, wie sie viele Banken vorgenommen haben, nicht akzeptieren wollte. Die Anpassung nach 13 Jahren sei unumgänglich.

Auf Betreiben von OB Dieter Reiter, zugleich Verwaltungsratsvorsitzender der Stadtsparkasse, kam es zwar vor einem Jahr zu einer Ermäßigung für Bedürftige. "Geringverdiener mit einem Nettoeinkommen bis 1500 Euro im Monat oder Besitzer des München-Passes können bei der Stadtsparkasse für das Girokonto Komfort eine Ermäßigung von drei Euro auf den regulären Preis von 7,95 Euro beantragen", teilte die Sparkasse damals mit. "Dies entspricht dem Giropreis vor der Umstellung."

Nach Angaben der Sparkasse haben etwa 2000 Kunden die Ermäßigung beantragt. Gemessen an der Zahl von mehr als 50 000 Haushalten, die als Bezieher von Sozialleistungen infrage kämen, ist das nicht viel, auch wenn längst nicht alle Sparkassen-Kunden sind. Aber Informationen über diese Sparmöglichkeit gab es bisher kaum. Im Internetangebot der Stadtsparkasse findet sich kein Hinweis darauf, wenn man von der nur schwer auffindbaren Presseerklärung zur Reiter-Ermäßigung mal absieht.

Selbst das Sozialreferat listet die Ermäßigung nicht auf

"Es handelt sich um keine Standardkonditionen", begründet Pressesprecher Joachim Fröhler das Fehlen der Angabe, "sondern um eine Sonderlösung." Deshalb tauche sie nicht im Preis- und Leistungsverzeichnis auf. Die Vergünstigung zu kommunizieren, das sei Aufgabe der Sozialbürgerhäuser, in denen der München-Pass beantragt werden kann. Den können zum Beispiel Bezieher von Hartz-IV-Leistungen oder von Sozialhilfe erhalten. Mit Stand vom Juli 2017 listet das Sozialreferat im Internet zwar viele Vergünstigungen auf - aber eben nicht die Ermäßigung für das Girokonto Komfort bei der Stadtsparkasse, die für zwölf Monate gilt und danach wieder erneuert werden muss.

Auf Nachfrage bedankt sich das Sozialreferat für den Hinweis: "Wir werden in der nächsten Auflage diese Vergünstigung aufnehmen, im Internet werden wir umgehend dafür sorgen." Daran scheint der Sparkasse zunächst aber nicht gelegen zu sein, denn Sparkassensprecherin Angela Baier lässt umgehend wissen, dass die Berechtigung zur Ermäßigung durch Einkommensteuerbescheid, Rentenbescheid oder Gehaltsabrechnung nachzuweisen ist - und nur ersatzweise durch den München-Pass. Die Ermäßigung sei daher "nicht Teil des Leistungspakets des Sozialreferats, es gibt auch diesbezüglich keine Vereinbarung mit der Landeshauptstadt München".

Eine Information im Flyer ist also offenbar nicht erwünscht? Diesen Eindruck will die Sparkasse dann doch nicht stehen lassen und bittet kurz darauf offiziell beim Sozialreferat um Aufnahme der Ermäßigung, was online umgehend erfolgt.

Die Sparkasse steht auch in einem harten Wettbewerb

Dass die Ermäßigungsmöglichkeit besteht, sei auch in seiner Filiale nicht bekannt gewesen, erst auf hartnäckige Nachfrage hätten sich die Mitarbeiter kundig gemacht, erklärt der Rentner. Die Sparkasse bestreitet das. In vier weiteren, zum Test von ihm aufgesuchten Filialen sei das Ergebnis nicht anders ausgefallen, sagt er und unterstellt der Bank, sie wolle ärmere Kunden wie ihn loswerden.

Ein Girokonto bei einer anderen Bank zu eröffnen, klappt nicht: "Wenn die hören, dass mir das Konto gekündigt worden ist, gehen alle Jalousien runter." Seine günstige Online-Konto-Variante gibt es nicht mehr. Hätte er dagegen einen monatlichen Geldeingang von mindestens 1750 Euro, könnte er das dann vom Grundpreis (4,95 Euro) befreite Girokonto online nutzen. Sein bitteres Fazit: "Die Ärmsten subventionieren die Kontogebühren der Reicheren."

Die Sparkasse sieht das natürlich anders. "Wir stehen in einem harten Wettbewerb mit den Direktbanken", sagt Fröhler - diese böten immer noch kostenlose Konten an. Wer mehr als 1750 Euro Monatseinkommen habe, sei erfahrungsgemäß in der Lage, "andere Finanzprodukte abzuschließen". Nur dadurch lasse sich der Wegfall der Grundgebühr beim Online-Girokonto kompensieren.

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