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Fußballprofi Breno in U-Haft:Staatsanwaltschaft wehrt sich gegen Hoeneß' Anschuldigungen

Hoeneß findet die U-Haft Brenos "unmenschlich" und "lächerlich", die Justiz kontert. Die Münchner Staatsanwaltschaft wundert sich über die Aussagen des Bayern-Präsidenten - und weist die Kritik zurück.

Susi Wimmer und Thomas Hummel

Bayern-Präsident Uli Hoeneß war rasend, "unmenschlich" sei das, "lächerlich" - so kommentierte Hoeneß die Tatsache, dass sein Abwehrspieler seit Samstag in U-Haft sitzt. Doch die Münchner Staatsanwaltschaft kontert jetzt die Anschuldigungen. "Wenn der FC Bayern ankündigt, dass er Breno und seine Familie nach Brasilien ausreisen will, wie soll ein Haftrichter da Fluchtgefahr verneinen?", fragt Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Sonntag. Und dass Breno derzeit offenbar keinen Pass besitze, ist für den Juristen auch kein Argument gegen die Untersuchungshaft: "Wie man sich ohne Pass absetzen kann, dazu sag ich jetzt nichts", so Steinkraus-Koch zur Süddeutschen Zeitung.

Hannover 96 - FC Bayern Muenchen

Bayern-Präsident Uli Hoeneß (links) bezeichnet die U-Haft für Spieler Breno als "lächerlich". Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge rügt ebenfalls das Verhalten der Justiz.

(Foto: dapd)

Nach dem 3:0 gegen Bayer Leverkusen am Samstagabend hatte der Bayern-Präsident Hoeneß die Münchner Staatsanwaltschaft offen angegriffen. "Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den Jungen jetzt ins Gefängnis zu stecken. Wir sind vollkommen vor den Kopf gestoßen", empörte er sich. Der Verein habe versucht, das Problem in Ruhe zu lösen, die Sachlage aufzuklären. "Wie sich die Münchner Staatsanwaltschaft aufspielt, steht in keinem Verhältnis", schimpfte er und nannte den Vorgang "unvorstellbar".

Die Gründe für die Untersuchungshaft bezeichnete er als "sehr dubios". Der Pass Brenos sei in dem Haus verbrannt, außerdem könne der Brasilianer kaum Deutsch. "Was soll er da verdunkeln? Wenn das unser Land ist, dann gute Nacht Deutschland." Im Aktuellen Sportstudio nannte er den Vorgang "lächerlich" und "unmenschlich".

Gegen den 21-jährigen Brasilianer Breno war am Samstag ein Haftbefehl ergangen. Nachdem seine angemietete Villa in der Nacht zum Dienstag komplett ausgebrannt war, besteht für die Staatsanwaltschaft und den Ermittlungsrichter der dringende Verdacht der schweren Brandstiftung. Weil das Amtsgericht München zudem die Annahme bestätigte, dass Flucht- und Verdunklungsgefahr existiere, musste Breno am frühen Samstagnachmittag in Untersuchungshaft.

Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge rügte die Justiz mit ähnlichen Worten, aber im Vergleich zu Hoeneß in ruhigerem Ton. "Wir wundern uns über die Staatsanwaltschaft", sagte er, auch er sehe keine Verdunkelungsgefahr und bitte die Justiz, den Fall mit der "gebotenen Fairness und Sensibilität" zu behandeln. Normalerweise spreche man von einem Promi-Bonus, "ich möchte aber auch keinen Promi-Malus haben".

Der Kritik des FC Bayern, die Untersuchungshaft gegen ihren Spieler sei nicht angemessen, entgegnete der Staatsanwalt: "Wenn sich jemand zur Brandursache oder zum Brandverlauf äußern will, dann gerne", so Steinkraus-Koch. "Alle anderen Aussagen werden wir nicht kommentieren", sagte er am Sonntag zur SZ. "Die Ermittlungsrichterin ist unserem Antrag auf Haft umfänglich gefolgt und hat den dringenden Tatverdacht und die Haftgründe anerkannt."

Am Samstag rund um das Spiel gegen Leverkusen verdichteten sich die Anzeichen, Breno habe am Montag die Diagnose gehört, dass er nochmals an seinem verletzten Knie operiert werden müsse. "An dem Tag hat er wieder Probleme mit seinem Knie gehabt - es wurde wieder dick. Ich kann mir vorstellen, dass das der Auslöser war", erklärte Trainer Jupp Heynckes. Brenos brasilianischer Mitspieler Rafinha sagte: "Wenn du lange verletzt bist und dann wirst du wieder operiert, dann bist du traurig."

Heynckes sprach außerdem von "persönlichen Problemen, die auch unbemerkt blieben, weil er seine normale Reha gemacht hat". Worin diese persönlichen Probleme bestehen, darum kreisten die Spekulationen. Breno soll wegen seiner sportlichen Krise zunehmend dem Alkohol zugesprochen haben. Von Schulden war die Rede im Bauch des Stadions, von Eheproblemen oder Vereinsamung des jungen Mannes im fremden München. Der Verein bestätigte aber nichts davon.

© sueddeutsche.de/bica/aum
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