Fürstenried:Strom aus dem Wald

WIDERSTAND GEGEN "VERSPARGELUNG" DURCH WINDMÜHLEN

Über den Wipfeln: Wie im Ortenaukreis (im Bild) würden die Rotoren die Bäume im Forstenrieder Park deutlich überragen.

(Foto: Rolf Haid/dpa)

Im Forstenrieder Park könnten bald Windräder stehen. Von bis zu 250 Metern Höhe ist die Rede

Von Jürgen Wolfram, Fürstenried

Bis vor Kurzem sind Windkraftanlagen im Forstenrieder Park noch undenkbar gewesen, schon weil sich die Bayerischen Staatsforsten strikt dagegen aussprachen. Doch seit die Staatsregierung zum Ausgleich für die 10H-Regel ihre "Aufwind"-Kampagne gestartet hat, beginnt sich der Wind auch bei den Oberförstern zu drehen. Plötzlich nehmen bis zu 250 Meter hohe Windräder im Wald planerisch Gestalt an. Schrittmacher dabei sind zwei Anrainergemeinden des Forstenrieder Parks, Neuried und Pullach. Sie haben eine Arbeitsgemeinschaft gegründet mit dem Ziel, in der Nähe zur Garmischer Autobahn einen Windpark zu errichten. Baierbrunn und Schäftlarn signalisierten Interesse. Der Landkreis München, die Stadt Starnberg und die Gemeinde Gauting wurden angefragt. Und auch in der größten Anrainerkommune des Parks, der Stadt München mit ihren Vierteln Fürstenried und Forstenried, nimmt das Thema Fahrt auf. Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hat sich jetzt von einem Experten ins Bild setzen lassen, "was da möglich ist" in Sachen Windkraft.

Den BA-Mitgliedern kamen bei dieser Premiere naturgemäß mehr Fragen als Meinungsäußerungen über die Lippen. Michael Kollatz (SPD) immerhin nannte das Projekt schon mal "positiv" und fragte sich, "ob nun auch die Nachbarkommune München zur Teilnahme an den Planungen eingeladen wird". Höchste Zeit dafür sei es, sagte Kollatz. Der BA-Vorsitzende Ludwig Weidinger (CSU) wünschte dem Kreis der Projektanten schon mal "viel Erfolg", ganz gleich, wie er sich letztlich zusammensetzt. Wie weit sich die Stadt München dem Vorhaben annähert, muss der Stadtrat entscheiden. Aber der Bezirksausschuss will sich in dieser Angelegenheit durchaus zu Wort melden.

Aufs Thema eingestimmt hatte das Stadtteilgremium Peter Beermann von der gleichnamigen Fachfirma für Energiesysteme. Er berichtete von Bemühungen, eine Kollision von Energiegewinnung und Naherholung im Forstenrieder Park zu vermeiden und gab eine Wirtschaftlichkeitsprognose ab. Danach wären bis zu sechs Windkraftanlagen im Park rentabel zu betreiben. Jedes Windrad mit einer Nennleistung von fünf bis sechs Megawatt würde nach dieser Rechnung Strom für etwa 3000 Haushalte produzieren.

Trotz des zunehmenden Interesses an Windkraftanlagen sei es noch ein langer Weg bis zu ihrer Realisierung, sagte Beermann. Bisher sei lediglich ein Standortsicherungsvertrag unterzeichnet; umfängliche Untersuchungen, etwa naturschutzrechtlicher Art, stünden bevor. Schall und Schatten müssten ebenso genau untersucht werden wie die Windverhältnisse im Süden von München. Sämtliche Träger öffentlicher Belange seien anzuhören. Ferner gelte es auszuloten, wie die Bevölkerung auf Windräder reagiere, die über die Baumgrenze erheblich hinausragten und entsprechend weithin sichtbar wären. Die Projektträger, idealerweise Bürger aus den Anrainerkommunen, müssten sich zu Ersatzpflanzungen in Parknähe verpflichten, auch wenn der Flächenverbrauch für die Windkraftanlagen "in Relation zur Stromgewinnung gering" sei. Schließlich sei, weil der Forstenrieder Park ein Bannwald ist, nach 20 bis 30 Betriebsjahren der Rückbau der Windräder geboten.

Der Bezirksausschuss will die Diskussion um die Windkraftwerke vor der eigenen Haustür vertiefen. Und dabei ausdrücklich nicht außer Acht lassen, "dass viele Menschen den Forstenrieder Park für Freizeitzwecke nutzen", wie Weidinger anmerkte.

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