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Fürstenried:Nadelöhr unter der Lupe

Ein Gutachter soll die Verkehrsprobleme in Alt-Solln im Detail analysieren

Weil das verkehrspolitische Gesamtkonzept für den Stadtbezirk kaum richtungweisende Ideen zur Lösung drängender Probleme enthalte, ist dieses umfängliche Werk mit fünfjähriger Entstehungsgeschichte von Bürgern und Bezirksausschuss scharf kritisiert worden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat es vor ein paar Tagen dennoch durchgewunken. Eine Entscheidung allerdings wurde vertagt: Was zur Entspannung der prekären Verkehrssituation rund um die Wilhelm-Leibl-Straße und Bleibtreustraße in Solln beitragen könnte, soll zunächst ein Gutachter prüfen.

Mehrere Anwohner fordern seit Langem rasche Maßnahmen, um die Verhältnisse in ihren Ortsstraßen, die zu Schneisen des Durchgangsverkehrs zwischen Herterichstraße und Wolfratshauser Straße (B 11) mutiert sind, zu verbessern. Der Bezirksausschuss (BA) Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln gab jetzt jedoch zu erkennen, dass er dem Expertenvotum nicht vorzugreifen gedenkt. "Wir sollten die paar Wochen abwarten, bis das Gutachten vorliegt", sagte Reinhold Wirthl (CSU), Sprecher des BA-Unterausschusses Verkehr unter breiter Zustimmung.

Zu den Hauptforderungen der Anwohner um Sebastian Heizmann und Thomas Gilg zählen ein Durchstich der Drygalski-Allee bis Pullach, von dem sie sich eine erhebliche Verkehrsentlastung von Alt-Solln versprechen, sowie Poller in der Bleibtreustraße. Diese sollen verhindern, dass Autofahrer weiterhin über die Fußwege brettern. Auf die Relativierung ihrer Verkehrsnöte und die Ablehnung ihrer Vorschläge reagieren die Anwohner zunehmend allergisch, wie ein aktuelles Schreiben zeigt. So stellen sie in Abrede, dass lediglich eine Minderheit den Drygalski-Durchstich befürworte.

Die Forderung nach Pollern in der Bleibtreustraße untermauern Heizmann und Gilg mit dem Hinweis auf die Wilhelm-Leibl-Straße, wo es auch möglich gewesen sei, Betonstumpen zu setzen und Begrenzungsketten anzubringen. "Es geht lediglich um drei Poller, die für die Sicherheit erforderlich sind", konstatieren die Verfasser des Schreibens, das primär an den Bezirksausschuss-Vorsitzenden Ludwig Weidinger (CSU) gerichtet ist. Als "glatte Polemik" bezeichnen sie die Einlassung, Rettungsdienste seien gezwungen, Gehwege zu benutzen. Per Video hätten sie das wahre "Chaos, hundert Gehsteigbefahrungen binnen zwölf Stunden", dokumentiert. Rettungswagen seien nicht das Problem gewesen.

Die Anwohner-Sprecher kritisieren wegen ihrer Verkehrsmisere nicht nur die Lokalpolitiker, sondern ebenso die Polizei. Denn auch die spiele die "ständigen Gefährdungen" herunter, interveniere aber sofort, wenn Anwohner zu ihrem Schutz Gummihüte aufstellen. Inakzeptabel finden Gilg und Heizmann auch, dass die Stadt Einbahnstraßen-Regelungen kategorisch ablehnt. Denkverbote sollte es nicht geben, wo es im Kern darum gehe, einen überörtlichen Durchgangsverkehr von täglich bis zu 7000 Fahrzeugen aus dafür nicht vorgesehenen Ortsstraßen herauszuhalten.