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Wiederentdeckung:Besondere Mastart

Wahres Energiefutter: Sophie Braumiller und das Ferkel befinden sich inmitten von Eicheln. Die Früchte der Eiche schmecken den Schweinen und lassen sie in kurzer Zeit viel Gewicht zulegen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Braumillers im Allinger Ortsteil Biburg füttern ihre Schweine mit Eicheln. Fleißige Sammler helfen ihnen dabei

Bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts war in Bayern die "Eichelmast" in manchen Gegenden landwirtschaftliche Praxis. Damals wurden die Schweine in den Wald getrieben, um sich mit Eicheln, Bucheckern oder Kastanien quasi selbst zu mästen. Rudolf Braumiller, der außerhalb Biburg Landwirtschaft mit Rinder- und Schweinehaltung betreibt und im eigenen Hofladen unter anderem selbst hergestellte Fleischprodukte verkauft, hat die Eichelmast, die es in Frankreich und Spanien immer noch gibt, vor einigen Jahren wieder entdeckt. Allerdings treibt er seine Schweine nicht in Eichenwälder, sondern baut auf fleißige Sammler, die ihm die nahrhaften Früchte des Eichenbaumes auf den Hof bringen. "Fünf Tonnen haben uns Kunden vergangenen Herbst gebracht und damit konnten wir 14 Schweine zur Schlachtreife bringen", erzählt Christine Braumiller.

Senioren, Familien und Kinder hätten mittlerweile eine gewisse Sammelleidenschaft entwickelt und läsen Eicheln bei Spaziergängen durch die Wälder von Bruck bis Grafrath Eicheln auf, so dass die Eichelmast jedes Jahr durchgeführt werden könne. Je mehr Eicheln es gebe, desto mehr Schweine könnten "rein mit Eicheln" gemästet werden. Als Entlohnung erhalten die Sammler je Kilo Eicheln einen Gutschein von 50 Cent, den sie im Hofladen einlösen können. Ein Rentner hatte vergangenen Herbst in unterschiedlichen Portionen insgesamt 800 Kilo gebracht und kann so für 400 Euro einkaufen. Die meisten Kunden könnten es kaum erwarten, bis es Fleisch von Eichelschweinen gibt, denn es sei "was ganz Besonderes". "Es ist kernig, fester als herkömmliches Schweinefleisch, besser im Geschmack, ist nach dem Braten zart und hat dennoch einen guten Biss", schwärmt Jutta Hölzl, die etwa 300 Kilo Eicheln sammelte.

Laut Braumiller entspricht dies in etwa der Wochen-Ration eines Tieres, denn "beigefüttert wird sonst nichts". In drei bis vier Monaten legen die Tiere so von etwa 35 auf rund 120 Kilogramm zu. Auf ihrem Grundstück in Fürstenfeldbruck stünden etwa 30 große Eichen, berichtet Hölzl. Jedes Jahr müsse sie das Laub kehren und die Eicheln einsammeln, da das Grundstück sonst völlig zuwachsen würde. Als sie bei einem Einkauf auf dem Hof von Braumillers Aktion gehört habe, sei sie "sofort begeistert" gewesen. "Statt die Eicheln in einen Grüngut-Container zu werfen, werden sie nun verfüttert. Auch wenn das Aussortieren Arbeit macht, das ist es mir wert, nicht nur wegen des Gutscheins", verrät die 77-jährige frühere Studienrätin an der Realschule in Maisach. Sie freue sich schon auf das Fleisch vom Eichelschwein, dessen Verkauf angelaufen ist und Sammlern laut Bäuerin Braumiller "ein gewisses Vorkaufsrecht" einräumt, indem diese vom Verkaufsbeginn informiert werden. Für die verkaufsfertige Teilung und für die Verarbeitung des Fleisches ist neuerdings Tochter Sophie zuständig, die mit Bravour die Meisterausbildung im Metzgerhandwerk abgeschlossen hat. "Ich möchte neue Produkte ausprobieren", verrät die 20-Jährige, aktuell eine "Trüffel-Eichelschwein-Leberwurst" und eine "Eichelschwein-Bratwurst mit Feige und Maroni".

Michael Hofmuth aus Schöngeising hat mit seiner Tochter auf dem Schulweg und "ganz aktiv" hinter dem Sportgelände 110 Kilo gesammelt, nachdem er auf Braumillers Homepage im Internet von der Edelschweinmast gelesen hatte. "Ich bin Konditor und leite ein Café im Senserweg, da braucht man zur Abwechslung gutes Fleisch", scherzt er. Zusammen mit dem Taufpaten seiner Tochter sei er mit dem Schubkarren in den Wald gefahren, wo etliche Eichen stehen, und habe heim gebracht, was im Rechen hängen blieb. "Zu Hause haben wir dann die Eicheln vom übrigen getrennt", erklärt der 42 Jahre alte Familienvater. Den Gutschein von 55 Euro wird er nun einlösen.