Verkehrswende:Mobile Kombi

Maisach entscheidet sich für Leihfahrräder an Bushaltestellen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Wie können mehr Menschen dazu bewegt werden, immer häufiger aufs Auto zu verzichten? Welche Möglichkeiten hat zum Beispiel der Gemeinderat in Maisach, die Verkehrswende voranzubringen? Fragen wie diese stellen sich die Maisacher Kommunalpolitiker immer wieder, und bei ihrer jüngsten Sitzung haben sie eine Frage zustimmend beantwortet. Die Gemeinde steigt in das landkreisweite Konzept der Mobilitätsstationen ein und bewirbt sich um Förderung für die Ortsteile Maisach und Gernlinden. Dort sollen jeweils drei solcher Stationen aufgebaut werden, die die Verkehrsmittel Omnibus und Fahrrad verbinden.

Maisach ist eine der Kommunen, die dem sogenannten multimodalen Konzept positiv gegenüberstehen und auch die vergleichsweise hohen Kosten akzeptieren. In Eichenau, zum Beispiel, standen die Leihfahrradstationen an Bushaltestellen auch zur Debatte, dem Gemeinderat dort aber waren vor allem die jährlichen Betriebskosten zu hoch. In Maisach ist Bürgermeister Hans Seidl (CSU) der Ansicht, dass man irgendwann auch anfangen müsse, Alternativen anzubieten. Seidl ist ohnehin der Meinung, dass es mehrere Generationen brauche, bis sich ein neues Bewusstsein für Ökologie und Nachhaltigkeit entwickelt habe.

Nach einem bereits im vergangenen Jahr vorgestellten Konzept sollen in Maisach idealerweise 16 Mobilitätsstationen entstehen. Vorerst hat sich der Gemeinderat auf Vorschlag der Verwaltung für sechs ausgesprochen. An den Bushaltestellen am S-Bahnhof Maisach, am Strasserwinkel und im Gewerbegebiet Frauenstraße sowie in Gernlinden im Gewerbegebiet Ganghoferstraße, an der Merianstraße und ebenfalls am S-Bahnhof sollen jeweils fünf Leihräder angeboten werden. Zusätzlich sollen an den Stationen auch private Fahrräder abgestellt werden können. Die Stationen wäre jenen im Gebiet der Münchner Verkehrsgesellschaft ähnlich. Wer sie betreiben soll, wird das Ergebnis einer Ausschreibung sei. Zu buchen wären die Fahrräder über eine App, über die auch abgerechnet wird. Geschäftsleiter Peter Eberlein nannte als Beispiel die Kosten der MVG, die acht Cent pro Minute oder zwölf Euro für den ganzen Tag verlange. Abgerechnet werde von Mobilitätsstation zu Mobilitätsstation, also zum Beispiel vom Bahnhof ins Gewerbegebiet.

Eberlein kündigte dem Gemeinderat an, dass von den Stationen "in der Anfangszeit keine Kostendeckung zu erwarten" sei. 120 000 Euro müsste die Gemeinde erst einmal investieren, maximal 96 000 Euro kämen als Förderung zurück. Auf 30 000 Euro beliefen sich die jährlichen Betriebskosten. Auf der Einnahmenseite stünden die Leihgebühren. Ein ökologischer Wermutstropfen: Damit auch überall stets Leihräder zur Verfügung stehen, müsste ein Lkw nachts die Räder auf die Stationen verteilen. Frühestens im zweiten Halbjahr 2022 sei mit der Inbetriebnahme der Fahrradstationen zu rechnen.

© SZ vom 24.10.2020
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