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Trinkwasser:Vorstoß in die Tiefe

Maisach will weiter seine unabhängige Wasserversorgung betreiben, müsste aber dafür einen neuen Brunnen bauen. Die Genehmigung dürfte aber mindestens ein Jahr dauern

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Der Bau eines zweiten Tiefbrunnens für die Trinkwasserversorgung in Maisach wird immer wahrscheinlicher. Damit möchte die Gemeinde sicherstellen, dass ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Für den Fall, dass im inzwischen 37 Jahre alten Tiefbrunnen technische Probleme auftreten oder er saniert werden müsste, stünde ein weiterer Brunnen zur Verfügung, der Wasser aus etwa 200 Meter Tiefe fördern könnte.

Das in diesen Tiefen vorkommenden sogenannte Tertiärwasser ist uralt und frei von Spuren und Schmutz der Industriegesellschaft. Es wird deshalb nicht ausschließlich ins Rohrnetz gepumpt, sondern dem Wasser aus Flachwasserbrunnen beigemischt. Damit soll die besonders gute Qualität des Maisacher Wassers gewährleistet werden.

Dass Maisach diesen Brunnen bohren kann, dagegen dürfte auch die Vorgabe in Bayern nicht sprechen, dass Tiefenwasser weitgehend zu schützen sei. Der von der Gemeinde beauftragte Ingenieur Bastian Knorr informierte in der jüngsten Gemeinderatssitzung darüber, dass das Genehmigungsverfahren nicht einfach werde und bis zu einem Jahr dauern könne. So lange dürfte der 1983 in Betrieb genommene Tiefbrunnen mindestens Wasser geben, auch wenn von der ursprünglich geförderten Menge von 45 Litern pro Sekunde inzwischen nur noch 33 Liter pro Sekunde sprudeln, wenn die Pumpe maximal fördert. Woran das liegen könnte, könne erst überprüft werden, wenn der Tiefbrunnen abgeschaltet werde. Dann aber müsse ein zweiter zur Verfügung stehen, so Knorr. Derzeit ist es nach Auskunft der Verwaltung nicht einmal möglich, mit einer Kamera den Zustand zu erfassen. Der Brunnen müsste für mindestens eine Woche abgestellt und danach komplett keimfrei gemacht werden.

Maisach verfügt über vier Brunnen für die Trinkwasserversorgung. Drei Brunnen fördern Grundwasser. Der Grundwasserspiegel liegt laut Knorr bei zwei Metern. Zusammen beträgt die Förderleistung maximal 300 Liter pro Sekunde, was sich zu einer Jahresleistung von 750 000 Kubikmetern summiert. Der Tiefbrunnen trägt maximal 400 000 Kubikmeter bei. Eine Million Kubikmeter Jahresleistung seien genehmigt, sagte Knorr.

Weil ein neuer Tiefbrunnen nicht nur ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren zur Grundlage hat, sondern auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung und der Neubau mindestens eine Million Euro kosten dürfte, ist auch über einen Notverbund mit den Wasserversorgungen von Olching und Fürstenfeldbruck nachgedacht worden. Olching gehört zur Wasserversorgung der Ampergruppe (WVA), in der auch Puchheim, Gröbenzell und Eichenau. Die Betriebsfürhung dieses Zweckverbandes liegt beim Amperverband, der sich um die Entsorgung kümmert und . Maisach ist Mitglied im Amperverband und entsorgt sein Schmutzwasser im Klärwerk Geiselbullach. Eine Alternative wären die Stadtwerke Fürstenfeldbruck. Da aber Wasser, anders als etwa beim Strom, nicht einfach als Notleitung aufgedreht werden kann, weil die Sauberkeit gesichert sein muss, werden solche Notverbindungen als problematisch angesehen.

Noch fehlen der Kommunalpolitik belastbare Daten, auf denen ein Beschluss gefällt werden könnte. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) ist aber sicher, dass ein zweiter Tiefbrunnen Probleme beseitigen könne. Unter anderem, wenn der ältere Brunnen ausfallen sollte oder saniert werden müsste. "Wir wollen eine unabhängige Förderung", betonte der Bürgermeister.

Auch wenn es einen weiteren Tiefbrunne geben sollte, dürfte damit nicht mehr Wasser gefördert werden, als bisher. Das Landesamt für Umwelt gibt sogar vor, dass mehr oberflächennahes Wasser zu verwenden sei, als das Tiefenwasser. Das auch deshalb, weil im Grundwasser weniger Nitrat vorhanden ist. Zurückzuführen ist dies auf die grundwasserschonende Bewirtschaftung der Felder im Einzugsebereich der Brunnen. Dafür bezahlt die Gemeinde den Bauern einen Ausgleich.

© SZ vom 28.09.2020

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