SZ-Adventskalender Die Seelenkraft von Licht und Klang

Die Cäcilienschule in Fürstenfeldbruck hat mit Unterstützung des SZ-Spendenhilfswerks einen sogenannten Snoezelen-Raum eingerichtet. Er hilft den Kindern mit besonderem Förderbedarf bei der Entspannung und bei der Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit

Von Florian J. Haamann, Fürstenfeldbruck

Gleichmäßig schieben sich die bunten Lichtflecken durch den dunklen Raum; über die Decke, die Wand entlang, über das Wasserbett. Aus den Lautsprechern erklingt dazu passende rhythmische Musik. Im Hintergrund sprudeln zwei große Wassersäulen. Nein, hier geht es nicht um den Aufenthalt in einem Wellness-Center, sondern um den gerade fertiggestellten "Snoezelen-Raum" an der Cäcilienschule in Fürstenfeldbruck. Dort geht es zwar auch um Entspannung, aber eben nicht nur. Und weil der Raum für die Schüler des Förderzentrums wichtig ist, es dafür aber keine staatliche Unterstützung gibt, hat der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung die Einrichtung des Zimmers finanziell unterstützt.

Das Konzept des Snoezelens ist Ende der Siebzigerjahre in den Niederlanden entstanden. Es beschreibt einen besonders eingerichteten Raum, in dem mit verschiedenen Hilfsmitteln die einzelnen Sinne der Nutzer gezielt angesprochen und angeregt werden können. Das Konzept wird von Kindergärten über Schulen bis hin zu Senioreneinrichtungen eingesetzt. Je nach Zielgruppe wird die Einrichtung der Räume besonders angepasst. In der Cäcilien-Schule geht es einmal darum, den Kindern mit Behinderung einen Raum zum Runterkommen nach Aktivphasen anzubieten, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit zu haben, ihre Wahrnehmung zu schulen, wie Konrektor Johann Klement erklärt. Er hat die Ausstattung des Raums organisiert und sich dafür intensiv mit dem Thema Snoezelen beschäftigt.

Etwa 20 bis 40 Minuten kann ein Besuch dauern.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Im Zentrum des Raumes steht ein großes Wasserbett. Es ist so konstruiert, dass die Bewegungen besonders intensiv sind. Daneben befindet sich ein kleines Podest mit einer Höhle. In einer Ecke befinden sich die beiden Wassersäulen. An der Decke hängen eine Discokugel, ein Lichtquelle mit verschiedenen Farben, eine Schwarzlichtröhre und die Boxen der Musikanlage. Über einen Projektor können kleine entspannende Szenen an die Wand gegenüber des Bettes projiziert werden. In einem Schrank steht dann noch eine Kiste mit verschiedenen kleinen Hilfsmitteln, etwa Dosen zur Geruchsschulung und eine Klangschale. Etwa 20 bis 40 Minuten könne eine Sitzung dauern. Damit die Lehrkräfte und Betreuer die verschiedenen Elemente auch fachgerecht und für den jeweiligen Schüler passend einsetzen können, gab es für jeden eine Schulung.

Denn die richtige Handhabung des Raumes sei enorm wichtig. Eine Regel, erklärt Klehmet, sei, dass maximal zwei Elemente gleichzeitig genutzt werden sollten. Warum das so ist, das spürt man bei der Präsentation des Raumes sofort. Sind mehrere Elemente gleichzeitig aktiv, kann das schnell zu einer Reizüberflutung führen. Kaum aber reduziert Klehmet die Aktivität auf Musik und Projektor, durchströmt den Besucher direkt wieder eine entspannende Gelassenheit.

Besonders beliebt bei den Kindern sind die Plastikschnüre mit eingebauter Beleuchtung, die sich mit einer Fernsteuerung farblich auf die individuellen Bedürfnisse einstellen lassen. Genau wie alle anderen Elemente in dem Raum auf die persönlichen Erfordernisse der jeweiligen Nutzer abgestimmt werden können.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

"Eine Einsatzmöglichkeit ist es beispielsweise, mit autistischen Kindern eine Wahrnehmung für den eigenen Körper zu Schulen, indem sie bestimmte Körperteile, etwa das Ohr, auf das Bett legen und es bewusst spüren", erklärt Klehmet. Insgesamt sind die Einsatzmöglichkeiten unglaublich vielfältig. Und auch auf den Unterricht könne es sich positiv auswirken, wenn ein Lehrer den Kindern einen Aufenthalt im Snoezelen-Raum verspricht, wenn sie zuvor ein Lernziel erreicht haben. Eine andere Möglichkeit sei, dass Kinder mit Problemen bei der Impulskontrolle in den Raum gehen könnten, wenn sie gestresst seien. Sehe ein Lehrer Anzeichen für einen Ausbruch, könne er mit dem Kind in den Raum gehen und so die Situation entspannen, sagt Klehmet.

"Der Raum ist gerade für unsere Kinder, die teilweise ja komplexe Behinderungen haben, sehr förderlich. Deswegen freut es uns sehr, dass wir ihn nun haben", so Rektorin Johanna Lohner-Wörsching. Möglich war die Einrichtung aber nur, weil neben dem Adventskalender der Förderverein der Schule "Herzensbrücke" einen großen Betrag zusammen bekommen hat. "Wir erleben hautnah, was hier an der Schule passiert und wie gut unsere Kinder gefördert werden. Es berührt mich, wie engagiert und mit wie viel Liebe hier mit den Kindern umgegangen wird", so Madelaine Wieser, die Vorsitzende des Vereins. Deshalb freut auch sie sich besonders über den eingerichteten Snoezelen-Raum.