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Städtebau:Gröbenzeller fürchten Lärm und Wertverlust

Eine Veranstaltung der Gröbenhüter zur geplanten Änderung des Bebauungsplans Freyastraße zeigt die Ängste der Bürger

Werden in der Freyastraße lauter Arbeiterwohnheime betrieben, wenn die Gemeinde das Gebiet von einem reinen in ein allgemeines Wohngebiet umwandelt? Die Frage stand am Dienstagabend exemplarisch über der Veranstaltung der Gröbenhüter, einem Infoabend mit Diskussion aus Anlass der Pläne des Gemeinderats, den Bebauungsplan Freyastraße zu ändern. Die Umwandlung soll als Vorlage für weitere Bebauungsplanänderung dienen, weshalb es wenig überraschte, dass sich gut 150 Zuhörer in den Saal des Bürgerhauses drängten.

Anfangs tragen die Besucher Stühle in die Galerie. Die Veranstalter hatten nicht mit so viel Interesse gerechnet, wurden sogar gefragt, ob das nötig sei, berichtet Rudi Ulrich. Der Vorsitzende der Gröbenhüter betont die Überparteilichkeit des Vereins und die Dimension der Bebauungsplanänderung: "Sie gibt eine Richtung vor, die für die weitere Entwicklung von eklatanter Bedeutung ist." Und Moderator Gerhard Eisenkolb kommentiert die stattliche Zahl an Zuhörern, die, wie sich später zeigt, etwa zur Hälfte nicht im betroffenen Gebiet zwischen Bahnlinie, Von-Koch-, Dianastraße und Loferweg leben. Doch auch sie wollen wissen, welche Auswirkungen die Änderung von einem reinen in ein allgemeines Wohngebiet haben werden.

Anton Kammerl, Beirat der Gröbenhüter und als CSU-Mitglied einziger Gemeinderat, der 2017 gegen die Bebauungsplanänderung gestimmt hat, verweist auf die besondere Schutzfunktion sowie die hohe Dichte reiner Wohngebiete in Gröbenzell: Es gibt etwa zwei Drittel reine, ein Drittel allgemeine Wohngebiete. "Das hebt Gröbenzell von vielen Kommunen ab." Nun solle ein solches Gebiet erstmals umgewandelt werden und künftig zehn Meter hohe Häuser sowie Terrassengeschosse erlaubt werden.

Auch der zweite Redner, Kai Rotermund, ist gegen die Pläne der Gemeinde. Er erläutert, dass im allgemeinem Wohngebiet viele Nutzungen von der Gaststätte bis zur Tankstelle zulässig seien, während im reinen Wohngebiet das Wohnen im Vordergrund stehe und beispielsweise kleine Beherbergungsbetriebe nur ausnahmsweise erlaubt werden könnten. Überdies dürften Lärmemissionen in Ersterem fünf Dezibel mehr betragen.

"Es wäre schon sinnvoll gewesen, wenn man die Gemeinde in gleichem Umfang hätte auftreten lassen wie die Gegner." Die Kritik des Zweiten Bürgermeisters Martin Runge (Grüne), der extra aus dem Landtag zu der Veranstaltung geeilt ist, und sich nun aus dem hintersten Eck der Galerie immer wieder zu Wort meldet, ist nicht ganz unberechtigt. Er erklärt die Notwendigkeit der geplanten Überarbeitung damit, dass es viele materielle sowie viele Rechtsfehler in den aktuellen Plänen gibt, die im schlimmsten Fall negative Auswirkungen für die Eigentümer haben können. Zudem sind in dem Gebiet 48 Gewerbebetriebe gemeldet, die aber laut Rotermund niemanden stören. "Bisher wird derjenige belohnt, der in die Fläche baut", mit der Änderung wolle der Gemeinderat einen Anreiz für höhere Gebäude schaffen. Wie Runge betont, bleibt das Baurecht gleich; es wird also nicht mehr Raum verbaut. Zudem habe die Änderung den Vorteil, dass die Gröbenzeller keine Anträge mehr stellen müssen, wenn sie ein Gartenhaus aufstellen.

Trotz der Erläuterungen bleiben die Zuhörer in dem Punkt skeptisch. "Wieso gibt man das reine Wohngebiet auf und will ein allgemeines Wohngebiet haben", fragt ein Mann, viele klatschen. Auch der Wortmeldung einer Frau, die die Änderung als Wertminderung ansieht, stimmen viele Anwesende zu. Es gibt Anregungen, etwa große Parkplätze wie beim Freizeitheim mit Gebäuden zu überbauen. Mit dem Hinweis, dass die Frist der zweiten öffentlichen Auslegung (eine dritte wäre noch möglich) am Freitag, 8. März, endet und die Gröbenhüter auf ihrer Homepage alle Informationen bereitstellen, endet die Veranstaltung.

© SZ vom 28.02.2019

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