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S-Bahn-Ausbau:Puchheimer Bürgermeister wünscht sich breites Bündnis für S4

S4-Demo

Demo für S4: Seit Jahren wird der Ausbau der Strecke gefordert.

(Foto: Günther Reger)

Norbert Seidl stößt mit seiner Idee, Politiker, Vereine und Verbände sollten sich zusammentun, bisher auf wenig Resonanz

Die bayerische Staatsregierung verschleppt seit Jahren ein besseres Angebot auf der S 4. Manche Kommunalpolitiker und Parteien, Fahrgast- und Umweltverbände bemühen sich, aber mit bescheidenen Ergebnissen. Zuletzt hatten die Bürgermeister von Bruck, Eichenau, Emmering und Puchheim Anfang Juli wegen des Ausbaus der S 4 im bayerischen Verkehrsministerium vorgesprochen. Ohne greifbare Ergebnisse, wie der Puchheimer Bürgermeister anschließend berichtete. Norbert Seidl (SPD) klagt, dass sich Landrat Thomas Karmasin nicht an diesen Initiativen beteiligt. "Ich würde mir wünschen, dass er das unterstützt", sagte Seidl der SZ. Der Bürgermeister verweist auf den Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß, der ein breites S-Bahn-Bündnis Ost initiiert habe.

Es setzt sich für einen viergleisigen Ausbau der Schienenwege zwischen München-Ost und Markt Schwaben sowie eine Anbindung der Messe München an die S-Bahn ein. Der Allianz gehören sowohl die betroffenen Kommunen und Landkreise an als auch Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern, die Handwerkskammer für München und Oberbayern sowie die Messe München. Bei einer Konferenz haben sich alle Abgeordneten aus den Gemeinden, Städten, den Landkreisen und von Bund und Land getroffen, um die parteiübergreifende Zustimmung zu signalisieren.

Eine vergleichbare einmütige Aktion gibt es im Landkreis Fürstenfeldbruck nicht, allenfalls raffen sich mal einige Bürgermeister auf, und seit Jahren müht sich ein kleines Bündnis "S 4-Ausbau jetzt" ab, mit dem allerdings CSU, Freien Wähler und FDP fremdeln. Das Landratsamt weist den Vorwurf des Puchheimer Bürgermeisters kategorisch zurück. Pressesprecherin Ines Roellecke verweist darauf, dass Karmasin, der im Urlaub weilt, sich durchaus für Pendler einsetzt. Ende Juni moderierte der Landrat ein Bürgerforum in seinem Haus, bei dem S-Bahn-Chef Heiko Büttner und MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch ein paar Verbesserungen in Aussicht stellten. Allein im Juli habe Karmasin an drei Terminen teilgenommen, die mit der S-Bahn zu tun hatten.

Er empfing eine Delegation der DB Netz, die durch den Landkreis tourte und die aktuellen Pläne zum Bahnausbau vorstellte. Karmasin nahm als Mitglied im Lenkungskreis Verkehrspakt München an einer Sitzung teil sowie an der Gesellschafterversammlung des MVV. Diese Veranstaltung fand am gleichen Tag statt wie der Besuch der Bürgermeister im Ministerium, zum dem Karmasin nicht eingeladen gewesen sei, wie Roellecke betonte.

Den Verweis auf den Amtskollegen und Parteifreund Niedergesäß lässt Karmasins Pressesprecherin aus zwei Gründen nicht gelten. Der Ebersberger Landrat sei derzeit Sprecher der Landräte im MVV-Verbund, so wie früher Karmasin, und trete insofern mehr in Erscheinung als andere Landräte. Obendrein könne man die Situation nicht gleichsetzen. "Fürstenfeldbruck ist weiter als der Münchner Osten, bei uns wird der dreigleisige Ausbau schon geplant", sagte Roellecke.

Zwei Jahre lang hatte Karmasin früher versucht, zusätzliche Sprinterzüge für die S 4 zu bekommen, gestützt auf ein Gutachten der Ingenieure Klaus Bodack und Karlheinz Rössler. Innenministerium und Bahn AG hatten abgelehnt, zuletzt scheiterte der Landrat an einer Mehrheit aus CSU und Freien Wählern im Petitionsausschuss des Landtags. Insofern könnte es einen Versuch wert sein, dass alle Bundestags- und Landtagsabgeordneten zusammen mit Kommunalpolitikern, Vereinen und Verbänden einmal gemeinsam protestieren.