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Puchheim:Wilderer am Parsberg: Polizei nimmt Tatverdächtige fest

  • Seit Sommer vorigen Jahres soll in den Wäldern rund um den Parsberg bei Puchheim gewildert worden sein.
  • Nun nimmt die Polizei zwei Tatverdächtige fest. Bei Wohnungsdurchsungen finden die Beamten Jagdtrophäen und 40 Kilogramm Fleisch von Reh und Rotwild.
  • Ob die zwei Tatverdächtigen angeklagt werden, muss noch entschieden werden.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Einem Fall von Jagdwilderei ist die Polizei Gröbenzell auf der Spur. Seit Sommer vorigen Jahres sollen bislang unbekannte Täter in den Wäldern rund um den Parsberg bei Puchheim Wildtiere gejagt, erlegt und deren Fleisch veräußert haben - alles ohne entsprechende Jagdbefugnis. Nun hat die Polizei zwei Tatverdächtige im Visier, die dabei möglicherweise gemeinsame Sache gemacht haben.

Am Montag hatten Polizisten zwei Wohnungen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau durchsucht und waren dabei in einer davon fündig geworden. In einem großen Gefrierschrank lagerten dort 40 Kilogramm Fleisch von Reh und Rotwild.

Die Polizisten fanden zudem mehrere Jagdtrophäen sowie einen sogenannten Präzisionsbogen, wie ihn auch Sportbogenschützen benutzen. "Wenn man das beherrscht, kann man damit ein Tier erlegen. So ein Bogen hat eine immense Durchschlagskraft", sagt Karlheinz Pangerl, Dienststellenleiter der Gröbenzeller Inspektion. Schusswaffen fanden sich in der Wohnung allerdings nicht.

Roter Kleinwagen häufig in den Jagdrevieren gesehen

Im vorigen Sommer hatte die Polizei erste Hinweise darauf erhalten, dass in den Wäldern südöstlich von Fürstenfeldbruck, also am Parsberg und in den Gemeindebereichen von Puchheim und Germering, nachts Schüsse wahrgenommen wurden, die allerdings keinem Jäger zugeordnet werden konnten.

Laut Polizei besteht deshalb der dringende Tatverdacht, dass dort illegal Wildtiere gejagt und getötet würden - um anschließend Wildfleisch an private und gewerbliche Abnehmer zu veräußern. Ende Januar bat die zuständige Gröbenzeller Polizei die Jagdpächter im Landkreis um Mithilfe. Vor allem der Hinweis auf einen roten Kleinwagen, der in den Jagdrevieren häufiger gesehen worden war, erwies sich schließlich als hilfreiches Indiz.

Bei der Durchsuchung am Montag wurden sämtliche für die Ermittlungen relevanten Gegenstände einschließlich des dort gelagerten Wildbrets auf richterlichen Beschluss von der Polizei beschlagnahmt. Beamte des Veterinäramts Fürstenfeldbruck entnahmen Proben davon, um zu untersuchen, ob das Fleisch, das möglicherweise für den Verkauf gedacht war, ordnungsgemäß deklariert war, die Hygienevorschriften eingehalten waren und die Herkunft dokumentiert wurde.

Ermittler beschlagnahmen Laptop

Die "Fleischbeschau" gehöre grundsätzlich zu den Aufgaben des Jägers, erklärt der stellvertretende Kreisjagdberater Andreas Rauch, ebenso wie zuvor eine "Lebendbeschau, um zu sehen, ob das Tier unauffällig ist". Erkenntnisse darüber, ob weiteres Fleisch bereits in Umlauf gelangte, versprechen sich die Ermittler von der Auswertung eines Laptops, den sie in der Wohnung beschlagnahmten.

Die Polizei hatte von Jagdwilderei in einem besonders schweren Fall gesprochen. Dies ist laut Strafgesetzbuch dann der Fall, "wenn die Tat gewerbs- oder gewohnheitsmäßig, zur Nachtzeit, in der Schonzeit, unter Anwendung von Schlingen oder in anderer nicht weidmännischer Weise oder von mehreren mit Schusswaffen ausgerüsteten Beteiligten gemeinschaftlich begangen wird".

Wilderei im Landkreis ist selten, eher komme sie als Fischwilderei vor, wenn ohne Berechtigungsschein geangelt werde, sagt Polizeichef Pangerl. Jäger Rauch erinnert sich daran, dass vor mindestens fünf, sechs Jahren in seinem Aicher Revier mal gewildert worden sei: "Da hat jemand die Rehe nur erschossen und dann liegen gelassen." Inwieweit der gefundene Bogen als Tatwaffe in Frage kommt, wird vermutlich ein Gutachter klären. Danach wird entschieden, ob es zur Anklage kommt.

© SZ vom 10.03.2016/mkro

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