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Puchheim:Kohlendioxid-Endlager - nein danke

Bürgermeister Kränzlein lehnt eine CO2-Verpressung in Puchheim ab. Auch der Verein Ziel 21 kritisiert die Überlegungen.

Peter Bierl

Eine Lagerung von gepresstem Kohlendioxid in der Tiefe unter Puchheim kommt für den Bürgermeister nicht in Frage. "Es gibt wissenschaftliche Einwände, und es passt nicht mit der Geothermie-Nutzung zusammen", sagte Herbert Kränzlein (SPD) am Montag der SZ. Auch der Verein Ziel 21 protestiert. "Das ist keine ausgereifte Technik", warnte Birgit Baindl. Sie sprach von einem Versuch, Kohlekraftwerke zu fördern, statt diese durch regenerative Energien zu ersetzen. Baindl plädiert für den Ausbau der Solarenergie und den Einsatz von Windrädern im Landkreis.

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Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken könnte laut einer Liste der Bundesanstalt für Geowissenschaften auch bei Puchheim in die Molasseschicht verpresst werden.

(Foto: dapd)

Die Bundesregierung plant ein Gesetz zur CO2-Verpressung, die Bundesanstalt für Geowissenschaften hat Standorte gesucht. Die meisten liegen in der Nordsee, im nordwestlichen Niedersachsen, in Brandenburg und im östlichen Mecklenburg-Vorpommern. In Bayern gäbe es kleine Lagerstätten östlich von München. In dem Molasse-Gebiet unter dem Puchheimer Parsberg sowie dem Germeringer Badesee könnte ein knapper Kubik-Kilometer Kohlendioxid verpresst werden.

Weder die Stadt Germering noch die Gemeinde Puchheim sind bislang von diesen Überlegungen informiert worden. Der Germeringer Stadtbaumeister Ronald Hirschfeld erfuhr ebenso wie Kränzlein erst aus der Zeitung davon, nachdem Greenpeace am Sonntag eine Karte mit möglichen Standorten für Endlager veröffentlichte, um Kommunen und Bürger zum Protest zu animieren. "Hinter dem Rücken der Bevölkerung leiten Politik und Industrie das nächste Endlagerproblem in die Wege", rügte ein Greenpeace-Sprecher. Der Puchheimer Bürgermeister nannte es "übel" und eine Geheimniskrämerei, dass in Berlin Standorte erwogen würden, ohne "die geringste Kontaktaufnahme".

Inhaltlich sprach Kränzlein von einer "totalen Ablehnung". Puchheim komme nicht in Frage, weil ein CO2-Lager neben einer Geothermie-Nutzung zu gefährlich sei. Das Kohlendioxid könnte durch die Leitungen der Geothermie wieder austreten. Auch in der Nähe von TrinkwasserSchutzgebieten ist ein solches Endlager laut dem Bürgermeister unmöglich. Die Technologie sei serienmäßig noch gar nicht ausgereift, und das Kohlendioxid müsste in Pipelines kreuz und quer durch das Land geleitet werden. Der Puchheimer Bürgermeister prophezeite, dass die CO2-Lager "ein Rohrkrepierer" werden und glaubt darum nicht, "dass das auf uns zukommt".

Ähnlich argumentiert Baindl vom Verein Ziel 21, dessen Ziel es ist, den Landkreis bis 2030 komplett aus regenerativen Energien zu versorgen. Die Lager seien unsicher, die anvisierten Räume in der Tiefe überhaupt nicht untersucht. "Reinpumpen und Stöpsel drauf bedeutet, das Problem zu verschieben", sagte Baindl. Obendrein wäre diese Technik eine große Energieverschwendung. Ein Drittel der Energie, die ein Kohlekraftwerk erzeugt, müsste aufgewandt werden, um CO2 aus den Abgasen auszufiltern, sagte Baindl.

"Wir brauchen keine Kohlekraftwerke, wenn die regenerativen Energien nicht gebremst werden", so Baindl in Anspielung auf die Gesetzesnovelle, mit der die Regierung 2010 die Förderung von Solar-Freiflächenanlagen gekappt hat. Ziel 21 propagiert einen Energiemix. Neben der Sonne soll vor allem der Wind dazu beitragen. Mit acht Windkraftanlagen könnte mehr als ein Fünftel des Bedarfs gedeckt werden. (Kommentar, Wissen)

© SZ vom 15.02.2011

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