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Puchheim:Brandgefährlich, aber erhaltenswert

Das Jugendzentrum in der alten Schule in Puchheim ist geschlossen - wegen Einsturzgefahr, fehlenden Brandschutzes sowie unzureichender Flucht- und Rettungswege. Von einem Abriss rät der Gutachter aber trotzdem ab.

Peter Bierl

Das Jugendzentrum in der alten Schule in Puchheim ist seit Mittwoch geschlossen, wegen Einsturzgefahr des Daches, fehlenden Brandschutzes sowie unzureichender Flucht- und Rettungswege. Der Gemeinderat beschloss dies am Dienstag einstimmig aufgrund des Gutachtens, das der Gröbenzeller Architekt Robert Winzinger über die Sanierung des alten Schulhauses angefertigt hat, in dem der Jugendtreff untergebracht ist. Winzinger kommt zu dem Ergebnis, dass eine Generalsanierung des Gebäudes erheblich billiger wäre als ein Neubau.

Puchheim Bahnhof Alte Schule jetzt Jugendzentrum Foto: Heigl

(Foto: FFB)

Anhand von Fotos und mit vielen Details präsentierte Winzinger den Räten seine Untersuchung. Die solide Dachkonstruktion von 1929 wurde mit Wärmedämmung, Gipskartonplatten sowie einer Verschalung aus Nut- und Federbrettern zusätzlich belastet, als das eigentlich als Speicher gedachte Dachgeschoss ausgebaut wurde.

"Eine Einsturzgefahr sehe ich kurzfristig auf keinen Fall", betonte der Architekt, allerdings müsse sich die Kommune mit der Aufsichtsbehörde abstimmen und eine statische Untersuchung machen lassen. Problematisch könnte es werden, wenn das Dach im Winter zusätzlich mit Schnee belastet ist. Auch der Brandschutz im Dach sei "nicht sichergestellt".

Die übrigen Mängel, die den Betrieb des Jugendzentrums verhindern, ließen sich mit "ein paar tausend Euro" rasch beseitigen, sagte Winzinger: In der Disco im Erdgeschoss befindet sich eine Stahlstütze, die verkleidet werden müsste, um den Brandschutz zu gewährleisten. Die Flucht- und Rettungswege würden sich verbessern, wenn "Panikschlösser" eingebaut werden, so dass Türen, die nach außen führen, jederzeit von innen geöffnet werden können.

Grundsätzlich, so hat Winzinger festgestellt, entsprechen weder die Energiebilanz, die Statik noch der Brandschutz aktuellen Anforderungen. Das betrifft die Kellerdecke und die übrigen Geschossdecken, die aus Holzbalken und Kies bestehen. Der Keller ist zudem feucht, weil eine Heizung eingebaut wurde. Die bestehende Dämmung ist nicht luftdicht und weist im Dach Löcher auf, der Energieverbrauch des Hauses ist zu hoch. Gleichwohl habe das alte Schulhaus "gestalterischen Charme", etwa durch die alten Fenster, und sei "mit viel Liebe hergerichtet und gepflegt", betonte der Architekt.

Die Kosten für eine Generalsanierung bezifferte Winzinger auf 1,3 Millionen Euro, ein Neubau würde über 1,6 Millionen kosten. Der Architekt stützte sich auf Erkenntnisse aus der alten Schule in Eichenau, die derzeit unter seiner Regie renoviert wird und aus der gleichen Epoche stammt. Nach einer Generalsanierung stünde die alte Schule laut Winzinger für alle möglichen Nutzungen zur Verfügung. "Sie können dort ein Jugendzentrum, eine Bibliothek oder die Verwaltung unterbringen."

In der CSU sorgte das Ergebnis des Gutachtens für Unbehagen. Fraktionssprecher Thomas Hofschuster plädierte für den Abriss und einen Neubau des Jugendzentrums als ersten Abschnitt für ein neues Rat- und Bürgerhaus. Er bemängelte ebenso wie Ingrid Kroppen (SPD), dass es dem Altbau an einem behindertengerechten Zugang fehle.

Ulrich Naas (CSU) argumentierte, dass die eigentlichen Umbaukosten in Winzingers Rechnung nicht enthalten seien. Die Hypothese Kroppens, Sanierung und Umbau würden am Ende doch zwei Millionen kosten, konterte der Architekt mit der Bemerkung, die billigste Lösung wäre "ein Betonwürfel mit Flachdach". Erheblich teurer wäre, das Gebäude zu entkernen und nur die Fassade stehen zu lassen, antwortete Winzinger auf eine Frage von Barbara Ponn (FW).

Jugendreferentin Sonja Strobl-Viehhauser (CSU) behauptete, dass die Feuerwehr das Haus schon früher beanstandet habe. "Ich verstehe nicht, wieso es jetzt auf einmal brennt." Bürgermeister Herbert Kränzlein (SPD) antwortete, ihm sei davon nichts bekannt und forderte Strobl-Viehhauser auf, Belege vorzulegen.

Kränzlein und Thomas Salcher (UBP) widersprachen der CSU. Er wolle die Ortszentrumsplanung "behutsam und mit Bedacht vorantreiben und am Ende vielleicht sogar ein Ratsbegehren abhalten", sagte der Bürgermeister. Salcher fragte: "Wieso veranstalten wir noch eine Bürgerwerkstatt, wenn die große Koalition sich schon einig ist?" Das wiederum veranlasste den SPD-Fraktionssprecher Jean-Marie Leone zu der Feststellung, er habe "noch nie gesagt, dass das alte Schulhaus abgerissen werden soll."

Man könne nicht darüber hinweg gehen, dass Nutzungsmöglichkeiten und Wirtschaftlichkeit für eine Sanierung sprechen, sagte Johannes Haslauer von der Initiative zur Erhaltung des alten Schulhauses der SZ nach der Sitzung. Haslauer kritisierte "durchsichtige Manöver der CSU", um das Gutachten in Frage zu stellen.

© SZ vom 11.11.2010
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