Puchheim:Weniger Fett, weniger Zucker, weniger Verschwendung

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Puchheim: Auf dem Hartlhof werden die Urkunden des Coaching-Projekts vergeben.

Auf dem Hartlhof werden die Urkunden des Coaching-Projekts vergeben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Grundschule am Gerner Platz stellt innerhalb eines Jahres ihr Speisenangebot um. Dafür wird es vom Ernährungsministerium ausgezeichnet.

Von Anja Kolnsberg, Puchheim

Die Grundschule am Gerner Platz in Puchheim hat mit dem Coaching-Programm für Kita- und Schulverpflegung des bayerischen Ernährungs- und Landwirtschaftsministeriums im vergangenen Jahr den Speiseplan umgestellt. Zur Abschlussfeier der einjährigen Schulung sind auf dem Erlebnisbauernhof Hartlhof in Olching Urkunden an alle teilnehmenden Einrichtungen verteilt - vier Kindergärten und eine Schule. Die Motive, an dem Programm teilzunehmen, sind verschieden: Anspruchsvolle Eltern, Optimierungsbedarf beim Essensangebot, eine Umstellung vom Catering zum eigenen Koch oder der Wunsch nach Vollverpflegung statt Pausenbroten werden bei der Vorstellungsrunde genannt.

Tanja Sagerer und Claudia Wiedemann von der Grundschule am Gerner Platz in Puchheim nehmen die Urkunden entgegen. In einem Jahr haben sie zusammen mit Hilfe des Coaching-Programms einiges an der Schulverpflegung umgestellt und an die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) angepasst. Dazu zählen ein geringer Zucker- und Fleischkonsum sowie eine abwechslungsreiche und überwiegend pflanzliche Ernährung - bestehend aus viel Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Um die Akzeptanz des Angebots bei Kindern und Eltern zu steigern, wurde Schülern die Möglichkeit gegeben, das Essensangebot zu bewerten und das Feedback in die Gestaltung neuer Speisepläne einzubauen. Rund ein Viertel der Schüler nehmen das Mittagsangebot in Puchheim wahr. Das Angebot zur Partizipation kommt dort gut an, man sei vor allem auch froh, dadurch bei den rund 140 täglich bereitgestellten Mittagsgerichten die Lebensmittelverschwendung reduziert haben zu können. Bei neu eingeführten Wettbewerben und Sonderaktionen konkurrieren Schüler-Gruppen beispielsweise darum, wer den wenigsten Müll durch Essensreste produziert oder die Schulleitung hilft bei der Zubereitung der Mittagsessen - so soll das Bewusstsein für Gemeinschaft und Nachhaltigkeit gestärkt werden.

Betreut wird das Coaching-Programm für die Schulen und Kitas von Gisela Schaelow, die als Sachgebietsleiterin für den Bereich Oberbayern West Verantwortung trägt. Unter dem Programm "Ernährung in Bayern", das 2009 vom Landwirtschaftsministerium eingerichtet wurde und Bereiche für Gemeinschaftsverpflegung wie Seniorenheime, Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen umfasst, leitet die Diplomökotrophologin die kostenlosen Coachings zum Thema Nachhaltigkeit und Ernährung. Es könnten bayernweit jährlich 40 Kitas und 40 Schulen betreut werden, aufgrund der Pandemie und des Personalmangels in sozialen Berufen wurde das Angebot in den letzten Jahren allerdings nie voll ausgeschöpft, erzählt Schaelow.

Zu den Leitgedanken des Projekts gehören Regionalität, Ökologie und Gesundheit sowie Wertschätzung für Lebensmittel. Um Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu fördern, soll auf bessere Kommunikation, gezieltere Einkäufe und eine Reduktion von Lebensmittelverschwendung gesetzt werden. Teilnehmende Einrichtungen sollen sich zudem ein individuelles Nachhaltigkeitsziel, wie beispielsweise eine Baumpatenschaften oder den Einkauf biologischer und regionaler Lebensmittel setzen. Im Gegenzug für das kostenlose Angebot verpflichten sich die teilnehmenden Kitas und Schulen dazu, ein "Essensgremium" einzurichten und nach einem Jahr an einem "Nach-Coaching" teilzunehmen, um Fortschritte zu reflektieren und Erlernte auch langfristig umzusetzen und aufrechtzuerhalten.

Nach der Urkundenverleihung gibt es eine Führung von der Erlebnisbäuerin Sabine Hartl auf dem Hartlhof, die in ihrem Hofladen Kartoffeln, Eier und Gemüse aus eigenem Anbau verkauft und auch umliegende Supermärkte beliefert. Die auf dem Hof lebenden Rinder, Ponys, Alpakas, Hasen und Hühner können von Schulklassen, Kinderbetreuungen und Ferienfahrten besucht werden, um Kindern ein Gespür für Tier- und Landleben mitzugeben - dort wird praktiziert, was in den Schulen und Kitas vermittelt wird.

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